In der Tradition von Bob Dylan, Joan Baez und Woody Guthrie

In der Tradition von Bob Dylan, Joan Baez und Woody Guthrie

Die Protestmusik ist zurück ...

„Ich glaube, ein Song kann nur dann etwas entzünden, das ohnehin schon bereit ist, zu brennen.“ Joe DeVito, ein aufstrebender, junger „Polit-Folk-Sänger“ aus der Bronx / New York, ist Teil einer seit wenigen Jahren anwachsenden Singer-Songwriter-Bewegung in den USA, die die Tradition früherer Protestmusiker wie Bob Dylan, Joan Baez und Woody Guthrie aufgreift. In den letzten Wochen und Monaten erlebt diese Bewegung wieder einen regelrechten Boom.

Korrespondenz aus Aschaffenburg

Joe DeVitos Song „Deny, Defend, Depose“ ging über Nacht auf Tiktok „viral“. Er schrieb ihn kurz nach dem Mordanschlag Ende 2024 auf Brian Thompson, den Multimillionär und Chef der größten privaten Krankenversicherung (United Healthcare) in den USA. Der Song traf auf Anhieb einen empfindlichen Nerv in der US-amerikanischen Bevölkerung. Er prangert das kapitalistische US-Gesundheitssystem an, das immer offensichtlicher den Profit über Menschenleben stellt.

Songs in den Dienst der neuen Protestbewegung stellen ...

Die drei Begriffe des Songtitels lehnen sich an die drei goldenen Regeln und menschenverachtenden Geschäftspraktiken der United Healthcare an: Deny, Delay, Defend (Ablehnen, Verzögern, Verteidigen). Mit ihnen konnte das Unternehmen 2023 unter anderem Einnahmen in Höhe von 281 Milliarden US-Dollars generieren. In der Praxis bedeutet das: Patientenansprüche pauschal ablehnen, so lange wie möglich hinhalten und dann juristische Klagen der Patienten mit einer Armee von Top-Anwälten zurückweisen, bis der Patient aufgibt oder verstirbt.


Ein Teil der Bevölkerung solidarisierte sich mit dem Täter, der Brian Thompson auf offener Straße erschoss, und feierte ihn als eine Art Robin Hood. Joe DeVito sieht es eher kritisch, dass sein Song in anarchistischen Kreisen gefeiert wird. Er fokussiert sich nun stärker darauf, dass seine Songs eine klare Message transportieren, und stellt sie in den Dienst der neuen Protestbewegung in den USA. Auch Jesse Welles’ bissiger Song „Join ICE“ gegen Trumps ICE-Terrorbanden katapultierte ihn in wenigen Tagen zu einem der meistgehörten Folk-Songs auf der Welt. Jesse ist der bekannteste der neuen Protest-Singer-Songwriter und war schon für vier Grammys nominiert.

„Zeigen, dass wir als Kollektiv handeln …“

Herausstechend ist auch die US-amerikanische Singer-Songwriterin Carsie Blanton. Sie ist bekennende Sozialistin mit jüdischen Wurzeln, glühende Antifaschistin und Aktivistin in der Palästina-Solidarität. Sie war Teilnehmerin auf einem Schiff der „Global Sumud Flotilla“, die im letzten Herbst mit der FFF-Aktivistin Greta Thunberg die Seeblockade vor Gaza durchbrechen wollte und von der israelischen Marine im Mittelmeer abgefangen und inhaftiert wurde.

 

In ihren Liedern setzt sie sich mit Kapitalismus und Widerstand auseinander. Ihre optimistischen, kämpferischen Songs ermutigten die anderen Aktivisten auf der Flotilla während ihrer Haft, durchzuhalten. „Gemeinsam zu singen war unsere Art, uns zu beruhigen, füreinander da zu sein und zu zeigen, dass wir als Kollektiv handeln, nicht nur als Einzelne“, wertete sie das Erlebte in einer arte-Dokumentation aus. Mit scharfer Zunge benennt sie in ihrem Lied „Rich People“ die wahren Verursacher von Umweltzerstörung und wirtschaftlicher Not, und in „You ain’t done nothing“ spottet sie herrlich sarkastisch darüber, dass, wenn du noch nicht als Roter beschimpft wirst, du noch nichts erreicht hast im Leben.