Das ist so eine Sache mit den Fakten und den Ursachen

Das ist so eine Sache mit den Fakten und den Ursachen

Die angeblich "faulen Deutschen"

Fast täglich fühlt sich eine oder einer aus der ersten Reihe der CDU herausgefordert, Schuldige für das geringe Wirtschaftswachstum zu finden: Mal arbeiten die Deutschen zu wenig, mal sind sie zu oft krank, gehen zu früh in Rente und überhaupt, bleiben lieber drei Tage zu Hause, um in der Hängematte oder vor dem Fernseher zu liegen – eben lieber Lifestyle, als sich um die lahmende Wirtschaft zu kümmern.

Von gp

Die Debatte wurde von niemand anderem als unserm Kanzler Friedrich Merz angestoßen: „Um es noch deutlicher zu sagen: Mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche lässt sich der Wohlstand unseres Landes, den wir heute haben, in Zukunft nicht erhalten – und deswegen müssen wir mehr arbeiten.“

Machen wir den Faktencheck:

Zunächst die Arbeitszeit: Nach einer Berechnung der OECD arbeiteten die Deutschen pro Kopf im Jahr 2024 durchschnittlich 1331 Stunden und bildeten damit das Schlusslicht. Mexiko führte die Statistik mit über 2200 Arbeitsstunden pro Kopf an. Der OECD-Durchschnitt lag bei 1736 Stunden. Also hat die CDU doch Recht? Genauer hingeschaut: Tatsache ist, dass die OECD-Zahlen auf unterschiedlichen statistischen Konzepten beruhen und den Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung ausblenden. Sinkt die durchschnittliche Arbeitszeit, kann das also auch ein Erfolg sein – etwa dann, wenn mehr Menschen überhaupt in Beschäftigung kommen, auch wenn sie beispielsweise in Teilzeit arbeiten.


Dass Deutschland im EU-Vergleich oft am unteren Ende des Arbeitszeitrankings landet, liegt vor allem an der hohen Teilzeitquote. Im EU-Vergleich liegt Deutschland hier auf Rang vier. Länder wie die Niederlande zeigen, wie stark dieser Effekt wirkt: Dort ist die durchschnittliche Wochenarbeitszeit besonders niedrig, weil fast die Hälfte der Beschäftigten in Teilzeit arbeitet. Trotz kürzerer Arbeitszeiten zählt das Land zu den reichsten Volkswirtschaften der EU, gemessen am BIP pro Kopf.

Vergleichen wir die Erwerbsquote:

Im dritten Quartal 2025 waren rund 42,3 Millionen Menschen in Deutschland abhängig beschäftigt, insgesamt gab es etwa 46 Millionen Erwerbstätige. Damit lag das Beschäftigungsniveau in etwa auf dem Rekordstand von 2023. Bei der Erwerbstätigenquote lag Deutschland 2025 laut Eurostat im EU-Vergleich mit gut 77 Prozent auf dem 6. Platz im Vergleich mit 22 europäischen Staaten.