Alle neune

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Das macht uns keiner nach: Rundum gelungener Aschermittwoch der MLPD

Die Teilnehmer der tristen Konferenz "Under Destruction" in München am vergangenen Wochenende haben sich auf den Heimweg gemacht, Epstein zieht jeden Tag weitere Prominente in seinen Sumpf hinunter, Söder hält in Passau seine eigene Rede für die des Volkes und Lars Klingbeil fällt in Vilshofen so gar nichts Neues ein. Im krassen Gegensatz zu diesem dekadenten Chaos veranstaltete die MLPD einen wunderbar erfrischenden Aschermittwoch - und das gleich neun Mal! Die Korrspondenzen sind gekürzt; Links zu ungekürzten Berichten werden folgen.

Von Korrespondentinnen und Korrespondenten/gis
Das macht uns keiner nach: Rundum gelungener Aschermittwoch der MLPD
Die beiden Redner beim Aschermittwoch der MLPD in Zwickau (rf-foto)

Kulturvolles Programm, gutes Essen und eine angriffslustige Rede: Das machte so richtig Spaß von Bremen bis Zwickau, von Hannover bis Truckenthal. Die Rede war witzig, kam dabei ohne Klamauk aus, sparte nicht an Polemik und ging auch auf Hintergründe und Zusammenhänge ein. "Under destruction" - woher kannte man bisher das Motto der Münchner Sicherheitskonferenz? Am Aschermittwoch der MLPD erfuhr man es - von einer Death Metal Band, die ihren Zustand so besingt: "Ich bin eine Sackgasse, ein Toter, der noch nicht tot ist ... Ich habe mein Leben in Sünde gelebt, es fehlt nur noch eine letzte tödliche Injektion." 

Berlin: 40 Gäste beim Politischen Aschermittwoch der MLPD

Seit mehreren Jahren haben wir auch in Berlin den Politischen Aschermittwoch wieder zur Tradition der revolutionären Arbeiterbewegung gemacht. Ein gemischtes Publikum von 40 Kollegen und Kolleginnen, Genossinnen und Genossen aus Berlin, Potsdam und Malchow - von Tesla, Siemens Energy und der IG Metall, Mitglieder des Jugendverbands REBELL, des Frauenverbands Courage und von Solidarität International - nutzte die Gelegenheit. Mit dem Antikriegs-Lied von Reinhard Mey "Nein, meine Söhne geb' ich nicht" wurde passend das Programm eröffnet. Neben der Abrechnung mit Trump, Putin, Merz und Co. polemisierten Manuel Ludwig und Margareta Bauer auch gegen die Betriebsführung von Tesla in Grünheide, die hier massiv mit faschistischen Methoden Stimmung gegen die IG Metall macht. So ist es sehr erfreulich, dass die klassenkämpferischen Kollegen, die klare Kante gegen Faschisten zeigen, im Vorfeld der Betriebsratswahl gestärkt wurden. Selbstverständlich war in dem Sinn auch die volle Solidarität aller Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit Owen Franke im Kampf gegen die antikommunistische Unterdrückung seines Antrags auf deutsche Staatsbürgerschaft.

Erstmalig Politischer Aschermittwoch „Küste“ in Bremen

34 Besucher drängten sich im „Roten Atelier“ und genossen die tiefschürfende und zugleich fetzige Rede, vorgetragen von Jürgen Bader und Lena Salomon. Vor allem die Zuversicht und der zunehmende weltweite Widerstand gegen den Faschismus und die Kriegsgefahr, begeisterten die Zuhörer. Und es wurde herzlich gelacht, wenn die im Dienste der Monopole stehenden Politiker wie Trump und Merz durch den Kakao gezogen wurden. Davor wurden, begleitet von Saz (anatolische Langhalslaute) und Flöte, türkische Befreiungslieder vorgetragen, was richtig ans Herz ging. Und nicht zuletzt war auch für das leibliche Wohl gesorgt, mit norddeutschem und schwäbischem Kartoffelsalat sowie Fleisch- und Gemüsefrikadellen – natürlich mit passenden Getränken dazu. Ein gelungener Aschermittwoch!

Rundum gelungener Aschermittwoch in Darmstadt mit der Landesvorsitzenden Anna Schupp

Der Blick ging nicht nur in die Welt, die Solidarität mit den Kämpfen gegen Faschismus oder imperialistischen Krieg in USA, Rojava, Gaza oder Iran. Wichtig ist auch, was vor der eigenen Haustür passiert. Inflation, Mieten steigen ins Unerträgliche. Das kritisierte Anna entschieden, genauso wie die untauglichen Lösungsvorschläge verschiedener Parteien im Kommunalwahlkampf. So die FDP, die Feuer mit Brennspiritus bekämpfen will, wenn sie als Lösung orientiert auf eine Wohnungspolitik, „die marktwirtschaftliche Mechanismen stärkt“, oder die AfD, die die Flüchtlinge verantwortlich erklärt anstatt das Profitstreben der Wohnungsbaukonzerne und eben deren ,marktwirtschaftliche Mechanismen’. Anna warb auch für die Solidarität und aktive Unterstützung für das Kommunalwahlbündnis Frankfurt-Sozial, das eine ganz andere Politik macht, Kampf gegen Mieterhöhung und Selbstorganisation der Mieter stärkt und als Sprachrohr der Arbeiter und der Masse der Bevölkerung ins Stadtparlament will und dafür heftig angegriffen wird.

Gelsenkirchen: Ein Politischer Aschermittwoch der besonderen Art

Gabi Fechtner, die Vorsitzende der MLPD, und Sarah Rissmann begannen ihre Rede mit der Solidarität mit den Kollegen und Kolleginnen der Glashütte von Verallia in Essen-Karnap. Deren Werk soll komplett zugemacht werden. Und das in einer Zeit, in der Glas als umweltfreundlicher Rohstoff dringender denn je gebraucht wird. Im Anschluss ließ es sich ein Verallia-Kollege auch nicht nehmen, auf die Bühne zu kommen, sich zu bedanken und zu erklären, dass diese Ankündigung der Verallia-Geschäftsführung von der Belegschaft nicht unbeantwortet bleiben wird. Ein weiterer besonderer Programmpunkt war die Solidarität mit Owen Franke. Dem seit 13 Jahren in Deutschland lebenden US-Amerikaner wurde aktuell von der Einbürgerungsstelle der Stadt Gelsenkirchen gedroht, seine Einbürgerung zu verweigern – obwohl er allen Anforderungen nachgekommen war und sichts nichts zuschulden hatte kommen lassen. Der einzige Grund für die angedrohte Verweigerung: ein Interview mit dem Onlineportal Rote Fahne News der MLPD. Die Rede von Gabi Fechtner und Sarah Rissmann riss alle mit. Im Mittelpunkt stand, dass sich in einem weltweiten politischen Gärungsprozess eine Millionen umfassende antifaschistische und antiimperialistische Bewegung formiert. Bei deftigem Essen gab es noch viele Diskussionen. 

Zuversichtlicher Aschermittwoch in Hannover

Auch im sonst nicht so närrischen Niedersachsen erobert sich der Aschermittwoch Schritt für Schritt seinen Platz. Zum zweiten Mal wurde gestern in Hannover der Politische Aschermittwoch begangen. Zwei Lieder eröffneten die Feier. Mit der Begrüßung wurde erst einmal mit der Mär aufgeräumt, dieser Tag sei eine Erfindung der einstmals staatstragenden CSU in Bayern. Tatsächlich hat dieser Tag eine revolutionäre Tradition, er geht auf die Jahre 1918/1919, die Bayerische Räterepublik und die Forderung der Bauern nach Enteignung der Großgrundbesitzer zurück. Nach einem herzhaften Essen mit veganer Linsensuppe und/oder Chili Con Carne sowie selbst gebackenem Brot lauschten die 29 Gäste dem Redner Peter Kunick von der Landesleitung Niedersachsen der MLPD. Ob Kanzler Merz, Bayerns Ministerpräsident Söder oder der US-Präsident Donald Trump, alle bekamen ihr Fett weg. Deutlich wurde, wie sich in kurzer Zeit das Denken, Fühlen und Handeln der Menschen verändern kann. Die Rede weckte das Interesse an dem neuen Band „Die Lehre von der Denkweise“ aus der Reihe Revolutionärer Weg, der bald erscheinen und schöpferische Schlußfolgerungen aus dem Verrat am Sozialismus in der Sowjetunion und der DDR für ein neues Ansehen des Sozialismus ziehen wird. Ganz in diesem Sinn endete die Feier mit einem Lied über die wegweisenden Dekrete der Pariser Kommune im März 1871.

Ingolstadt: Für die zukunftsträchtige Perspektive - Vereinigte sozialistische Staaten der Welt!

So endete die angriffslustige, aber auch sehr nachdenklich machende Rede zum diesjährigen politischen Aschermittwoch im „Herkunftsland“ dieses wichtigen Tages des Volkswiderstandes – in Bayern. Dieses Mal in Ingolstadt. Für die Landeshauptstadt München gibt es drei Monate vor Wahlen, die Kommunalwahl ist am Internationalen Frauentag, dem 8.3., für politische Parteien, auch wenn sie nicht kandidieren, keine städtisch geförderten Räume. Es haben sich 45 Freundinnen und Freunde nicht nehmen lassen, in Ingolstadt Zuversicht zu tanken. Es gab nicht das von bürgerlichen Parteien gewohnte Bashing, es gab einen tiefen Einblick in die vielfältigen Formen des Widerstandes überall auf der Welt: gegen den Völkermord in Palästina, gegen den Terror der ICE in USA und überhaupt gegen die faschistische Trump-Regierung, die andauernden und teils erfolgreichen Widerstände gegen die Zerstörung der demokratischen Errungenschaften in Rojava, gegen die Mullahs im Iran – überall auf der Welt formieren sich antiimperialistische Bewegungen. Auch die Zusammenhänge der Aufrüstung bei uns mit den Angriffen auf die Lebensverhältnisse  der Menschen wurden fundiert thematisiert. Das Kulturprogramm leitete ein junger Kurde ein mit zwei Liedern aus der reichhaltigen Geschichte des Kampfes in Westasien.

Angriffslustig und optimistisch – Aschermittwoch im Arbeiterbildungszentrum Stuttgart

In fröhlicher Stimmung und Erwartungsfreude startete der politische Aschermittwoch der MLPD im rappelvollen Saal des Arbeiterbildungszentrums in Stuttgart. Die Küche hatte Essen liebevoll vorbereitet: Ofenkartoffeln mit Gemüsepotpourri – ein Gedicht! Super organisiert lieferten die Bedienungen die Bestellungen an die Gäste. Über der Bühne das Transparent: Der Kapitalismus bedroht die Menschheit. Perspektive Echter Sozialismus. Diese klare Ansage prägte die proletarische Kultur des Abends. Auf ihre Erwartungen befragt, geben diese Aussagen ein schönes Bild der Stimmung: „Ich bin hier mit vielen Freunden und erwarte dass heute Abend proletarisch abgerechnet wird, die Leute haben genug von der herrschenden Politik“. „Dass mit der Regierung ordentlich ins Gericht gegangen wird.“, „Eine Stärkung für die proletarische Kultur“, „Dass es spannend wird und die bürgerlichen Politiker so richtig durch den Kakao gezogen werden.“, „Dass es um die aktuelle Situation geht auf der Welt und was man besser machen kann auch für die Umwelt." Mit dem Lied „Lebe Palästina“ eröffnete das musikalische Duo des REBELL Heilbronn solidarisch und kämpferisch das Programm. Der Hauptprogrammpunkt des Abends, die Rede der MLPD, vorgetragen von Philipp aus Stuttgart und Franziska vom REBELL rechnete ab mit der bürgerlichen imperialistischen Krisenpolitik, die die Menschheit an den Abgrund führt. Die massenhafte Zerstörung von Arbeitsplätzen in der Automobil- und Zuliefererindustrie mit dem Segen der bürgerlichen Parteien wurde angeprangert und zum Tribunal gegen Daimler, Porsche, Bosch, Audi & Co. am 6. März eingeladen. 1000 Gewerkschafter in Sindelfingen standen schon in den Startlöchern, den geplanten Auftritt des AfDlers Frohnmeiner zu verhindern, der dann seinen Auftritt doch besser wieder absagte. Das sind nur einige Punkte der wirklich interessanten, analytischen und perspektivischen Rede dieses Abends, die begeisterte und mobilisierte: „Setzen wir dem in Zerstörung befindlichen Weltimperialismus die zukunftsträchtige Perspektive der vereinten sozialistischen Staaten der Welt entgegen!“

Ausgelassene Stimmung beim Aschermittwoch in Truckenthal

In der Rede wurde eine klare Position bezogen: entschiedene Ablehnung von Krieg und aufkommendem Faschismus sowie solidarische Unterstützung der Arbeiterinnen und Arbeiter in ihrem Kampf gegen Ausbeutung und Arbeitsplatzvernichtung. Der politische Anspruch des Abends war unmissverständlich. Auch kulturell hatte die Veranstaltung Gewicht. Mehrere Lieder griffen den Anlass passend auf. Ein Redner überzeugte mit seinem Wortbeitrag „Der Wohnungssuchende“ zum drängenden Wohnraumproblem – pointiert, lebensnah und mit starkem Applaus bedacht. Ein anderer trug aus Heinrich Heines „Deutschland und die Deutschen“ vor und zitierte: „Ich liebe Deutschland und die Deutschen, aber ich liebe nicht minder die Bewohner des übrigen Teils der Erde, deren Zahl vierzigmal größer ist als die der Deutschen. Die Liebe gibt dem Menschen seinen Wert. Gottlob! Ich bin also vierzigmal mehr wert als jene, die sich nicht aus dem Sumpf der Nationalselbstsucht hervorwinden können, und die nur Deutschland und die Deutschen lieben!“ Ein gelungener Abend zwischen politischer Klarheit, kulturellem Anspruch und gemeinschaftlichem Miteinander.

Bayern München oder FSV Zwickau?

Politischer Aschermittwoch – und dazu noch ein revolutionärer? Sowas gab es noch nie in Zwickau. Es interessierte nicht nur knapp 40 Besucherinnen und Besucher, sondern auch die Lokalredaktion der Freien Presse, die mit Fotograf und Journalist vor Ort war. Peter Weispfenning, der Pressesprecher der MLPD, und Jörg Weidemann, Landesvorsitzender der MLPD in Sachsen - die Redner des Abends - mussten zunächst Aufklärung betreiben. Hatten doch Freunde in Leipzig unter dem Stichwort Anlauf und Helau zum politischen Aschermittwoch eingeladen. „Die Tradition des Politischen Aschermittwochs kommt aus Bayern. Sie hat allerdings weder etwas mit Fasching zu tun, noch mit der CSU, die heute so tut, als hätte sie dieses Format erfunden. Tatsächlich war es die revolutionäre Arbeiter- und Bauernbewegung, die nach dem Ersten Weltkrieg diese Art von Wirtshausveranstaltungen ins Leben gerufen hat, bei der nicht nur deftig gegessen, sondern auch deutlich gesprochen wird“, leistete Peter Weispfenning, von Beruf Rechtsanwalt, kulturelle Entwicklungshilfe. Tatsächlich fanden beide Redner deutliche Worte. So zu Kanzler Friedrich Merz, der Deutschland geopolitisch als »Mittelmacht« qualifiziert hatte. „Das wäre so, wie wenn ich Bayern München als Mittelmacht in der Champions League qualifizieren würde. Aber der deutsche Imperialismus ist nicht der FSV Zwickau, sondern die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, der fünftgrößte Waffenlieferant und Ausgangspunkt zweier Weltkriege“, verdeutlichte Peter Weispfenning die Dimensionen. ... Es gab natürlich sehr gutes Essen. Der Ertrag sowie 187 Euro der Spendensammlung tragen zur Stärkung der Partei bei. Einige Besucher, die zum ersten Mal bei der MLPD waren, möchten künftig selbst mit anpacken bei der revolutionären Veränderung der Gesellschaft.