Berlinale

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Arundathi Roy zeigt Haltung

Die bekannte indische Schriftstellerin Arundathi Roy sagt ihe Teilnahme an den Filmfestspielen "Berlinale" ab, die zur Zeit stattfinden.

Anlässlich der Eröffnung schrieb sie: „Mit Bedauern muss ich mitteilen, dass ich nicht an der Berlinale teilnehmen werde. Heute Morgen hörte ich die unentschuldbare Äußerung von Mitgliedern der Jury der Berlinale, als sie um eine Stellungnahme zum Völkermord in Gaza gebeten wurden. Ihre Aussage, Kunst dürfe nicht politisch sein, macht mich fassungslos. Damit wird eine Diskussion über ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit unterbunden, obwohl es sich gerade in Echtzeit vor unseren Augen abspielt – in einer Zeit, in der Künstler, Schriftsteller und Filmemacher alles in ihrer Macht stehende tun sollten, um es zu stoppen.“ Soweit Frau Roy.

 

Ihre Teilnahme war geplant, weil auf der Berlinale der Film „In Which Annie Gives It Those Ones“ von 1989 gezeigt wird, in dem sie mitspielt und für den sie das Drehbuch geschrieben hat. Die fortschittliche Schriftstellerin ist unter anderem bekannt für den Roman „Der Gott der kleinen Dinge“, der weltweit aufgelegt wurde und der mit dem Booker –Preis ausgezeichnet wurde.

 

Zur Vorgeschichte: Ein Journalist hatte auf einer Pressekonferenz die Frage aufgeworfen, warum die Berlinale Menschen im Iran und der Ukraine unterstütze, nicht aber palästinensische Menschen. Ob der Grund für „diese selektive Behandlung der Menschenrechte“ darin liege, „dass die deutsche Regierung den Völkermord in Gaza unterstützt und Hauptgeldgeber der Berlinale ist.“

 

Wim Wenders antwortete, die Filmschaffenden müssten sich aus der Politik heraushalten, ein Gegengewicht zur Politik sein. „Wir müssen uns aus der Politik heraushalten. Wir müssen die Arbeit der Menschen machen und nicht die Arbeit der Politiker.“

 

Nach der Absage von Roy wird jetzt rumgeeiert. Die Frage des Journalisten sei unfair gewesen, Wenders habe sich unglücklich oder unklar ausgedrückt. Nein, da war nichts unklar. Wenders hat klar die verlogene Moral der bürgerlichen Kunst und Kultur zum Ausdruck gebracht. Sie verrichtet das Geschäft der Herrschenden und gibt dabei vor, über den Interessen der Klassen, der Massen zu stehen.

 

Entweder die Kulturschaffenden nehmen die vielbeschworene Verantwortung aus der deutschen Geschichte ernst und verurteilen den Völkermord in Gaza. Oder sie folgen der angeblichen deutschen Staatsräson – der bedingungslosen Nibelungentreue zu den Groß-Israel Plänen der faschistischen israelischen Regierung.

 

Der Versuch, antiimperialistische Positionen auf der Berlinale zu unterdrücken, ist nicht neu. In dem Film „o.k.“ von Michael Verhoeven werden amerikanische Kriegsbrechen in Vietnam angeprangert. Der Film fand viel Zustimmung. Nicht beim amerikanischen Jurypräsident George Stevens, der seinen Ausschluss aus dem Wettbewerb als „unamerikanisch“ betrieb. Viele Filmschaffende waren solidarisch mit dem Film und dem Regisseur. Das brachte die Berlinale von 1970 zum Platzen.