Verrat am Sozialismus

Verrat am Sozialismus

Vor 70 Jahren: Verhängnisvoller XX. Parteitag der KPdSU

Die Sowjetunion erbrachte nach der Oktoberrevolution 1917 erstmals in der Geschichte den praktischen Beweis: Der Sozialismus ist nicht nur möglich, sondern er ist gegenüber dem Kapitalismus das haushoch überlegene System.

Von gs/Dresden
Vor 70 Jahren: Verhängnisvoller XX. Parteitag der KPdSU
Die fundierte Analyse von Willi Dickhut und des KABD, der Vorläuferorganisation der MLPD, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt; hier eine Version in finnischer Sprache (Fotomontage: Web team der MLPD)

Während der Kapitalismus 1929 seine bis dahin tiefste und längste Wirtschaftskrise durchmachte, konnte die Sowjetunion sich von einem rückständigen Agrarland zu einer der führenden Industrienationen entwickeln, das Land elektrifizieren und den Analphabetismus überwinden. Sie konnte wichtige ökologische Errungenschaften erzielen und das Kulturniveau der breiten Massen deutlich erhöhen. All dies war getragen vom Enthusiasmus der Massen unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer Partei, der KPdSU. Auch in der Außenpolitik hatte sich die Sowjetunion weltweit Respekt und Anerkennung verschafft und erreichte die Mitgliedschaft im Völkerbund.

 

Was den 14 imperialistischen Interventionstruppen nach der Oktoberrevolution von 1917 nicht gelang, an was der Hitlerfaschismus trotz seines verbrecherischen Überfalls auf die Sowjetunion 1941 scheiterte und was die USA auch mit Atombombendrohungen nach dem Zweiten Weltkrieg nicht zuwege brachten, das geschah 1956 auf dem XX. Parteitag von innen heraus: Die Diktatur des Proletariats im ersten sozialistischen Land der Welt wurde durch eine stille Konterrevolution unter Führung von Nikita Chruschtschow beseitigt und es wurde eine Restauration des Kapitalismus eingeleitet.

 

Der XX. Parteitag der KPdSU in Moskau vom 14. bis 25. Februar 1956 hat diese negative Entwicklung in der Menschheitsgeschichte eingeleitet durch eine von Nikita Chruschtschow auf dem XX. Parteitag verkündete Revision des Marxismus-Leninismus als weltanschaulicher Grundlage des Verrats am Sozialismus und der Restauration des Kapitalismus. Chruschtschow verkündete in seinem offiziellen Rechenschaftsbericht, dass Lenins Imperialismusanalyse überholt sei und Kriege keine Gesetzmäßigkeit des Imperialismus mehr seien. Das Hauptprinzip der Außenpolitik des Sozialismus, der proletarische Internationalismus, wurde durch eine Politik der friedlichen Koexistenz mit dem Imperialismus ersetzt. Weiter verkündete er entgegen aller historischen Erfahrungen, dass es möglich sei, allgemein den Sozialismus auf einem friedlichen parlamentarischen Weg zu erreichen. Als Haupttriebkraft für den sozialistischen Aufbau wurde das sozialistische Bewusstsein durch den materiellen Anreiz ersetzt, was die Verbreitung der kleinbürgerlichen Denkweise förderte.

 

Das alles wurde auch noch als angebliche „schöpferische Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus“ getarnt. Diese umfassende Revision des Marxismus-Leninismus wurde verdeckt durch einen in einer Geheimrede am Ende des Parteitags von Chruschtschow geführten Überraschungsangriff auf den drei Jahre zuvor verstorbenen Stalin, der bis dahin als unumstrittener Führer der kommunistischen Weltbewegung und als Klassiker des Marxismus-Leninismus galt und weltweit große Ansehen genoss. Darin wurde dieser als unfähiger Verbrecher und Mörder diffamiert. Die Geheimrede wurde über die westlichen Geheimdienste u.a. auch in der BRD verbreitet und löste einen Schock und Verwirrung in der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung aus. Unter Führung Chruschtschows ergriff unter dieser Nebelkerze in der Sowjetunion eine neue Bourgeoisie die Macht. Im Laufe der folgenden Jahre wurden schrittweise alle sozialistischen Errungenschaften abgeschafft und die Sowjetunion in ein Land des Sozialimperialismus verwandelt. Es endete bekanntlich vollkommen zu Recht 1991 im kompletten wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Zusammenbruch.

 

Wie konnte es dazu kommen? Willi Dickhut, der Vordenker und Mitbegründer der MLPD, schrieb dazu im April 1982, dass ein Fehler der KPdSU und Stalins darin bestand, „dass er nicht erkannt hatte, daß sich in den Reihen der Partei eine neue Bourgeoisie verbreitete, eines Typs, den es noch nie gegeben hatte. Diese Bourgeoisie neuen Typs entstand durch die kleinbürgerlich entartete Bürokratie, durch Privilegien, Aufhebung des Parteimaximums, damit Freigabe hoher Gehälter, Förderung des Karrieretums, Unterdrückung ehrlicher Kritik von unten, falsche Machtausübung verbunden mit Übergriffen usw." („Briefwechsel über Fragen der Theorie und Praxis des Parteiaufbaus“, Stuttgart 1984, S. 282)

 

Die Führung der KPdSU unter Stalin verkannte das Problem des Vordringens der kleinbürgerlichen Denkweise als weltanschauliche Basis der kleinbürgerlichen Bürokratie und der Restauration des Kapitalismus. Willi Dickhut schlussfolgerte aus den Erfahrungen der dreißiger Jahre in der Sowjetunion in seinem letzten Buch „Sozialismus am Ende?“ im April 1992: „Die KPdSU hätte bereits damals – besonders schon wegen des gewaltigen Übergewichts des Kleinbürgertums in Rußland gegenüber der Arbeiterklasse – die Erkenntnis ziehen müssen: Mit einer kleinbürgerlichen Denkweise kann eine proletarische Partei zugrunde gerichtet werden! Mit einer kleinbürgerlichen Denkweise läßt sich der Sozialismus nicht aufbauen! Mit einer kleinbürgerlichen Denkweise kann man die sozialistische Gesellschaft zerstören! Mit einer kleinbürgerlichen Denkweise wird ein Kapitalismus neuen Typs – der bürokratische Kapitalismus – restauriert!“ (S.21/22)

 

Die Chruschtschow-Anhänger – in Deutschland die Führung der SED und KPD, später der DKP und die Partei „Die Linke“ – übernahmen dagegen die revisionistischen Ansichten des XX. Parteitags und die Hetze gegen Stalin und den angeblichen Stalinismus und machten sich zum Kronzeugen des bürgerlichen Antikommunismus gegen den Sozialismus. Bis zum Zusammenbruch der DDR, ja bis heute verschlossen sie die Augen vor der marxistisch-leninistischen Kritik am revisionistischen Weg, obwohl ihnen die fundierte Kritik der MLPD bekannt ist. Die MLPD hat u.a. aus den negativen Erfahrungen des XX. Parteitags und dem Verrat am Sozialismus die Schlussfolgerung gezogen, dass der Sozialismus auf Grundlage der proletarischen Denkweise aufgebaut werden muss. „Die MLPD ist keine Partei, die einfach sagt: Es war alles okay, was früher war. Sie untersucht das kritisch und selbstkritisch und hat Schlussfolgerungen aus dem revisionistischen Verrat am Sozialismus gezogen. Wir können den Sozialismus nur auf der Grundlage einer Denkweise aufbauen, die tatsächlich frei von der bürgerlichen Ideologie ist. Das heißt zum Beispiel, dass man eine andere Streitkultur braucht. Es kann doch nicht sein, dass die Leute Angst haben müssen, eine andere Meinung zu äußern. Das zweite Problem ist, dass tatsächlich die Massen eine Kontrolle über die Führung ausüben müssen. Nicht umgekehrt: dass diese Funktionäre dann alles dominieren und die Leute unterdrücken, wenn diese Kritik haben. Wir brauchen ein System der Selbstkontrolle. Der Sozialismus funktioniert nur, wenn die Leute das selber tragen und selbst die Herrschaft haben.“ (Stefan Engel, langjähriger Vorsitzender der MLPD)