11.000 in München gegen Mietwucher

11.000 in München gegen Mietwucher

Ons g'langt's!

Am Samstag, dem 7. Februar, versammelten sich auf dem Münchner Odeonsplatz 11.000 Menschen mit kreativen Schildern und Transparenten, Trommeln und Pfeifen, Kind und Kegel, Familien, Wohngemeinschaften und Bewohnern von Studentenbuden. Sie protestierten gegen Mietwucher, Benkoisierung, Spekulation, Wohnungsnot und leerstehende Wohnungen.

Von gis/wg
Ons g'langt's!
Schöner, aber teurer Wohnraum: Die Borstei in München (shutterstock_2699005389)

Ons g'langt's! Wir haben es satt!

Wir haben es satt, die Hälfte oder vielfach bereits mehr als 50 Prozent unseres Monatseinkommens für das elementare Bedürfnis eines Dachs über dem Kopf zu zahlen. In endlosen Warteschlangen für eine Wohnungsbesichtigung zu stehen. Nach entnervender jahrelanger Wohnungssuche dann doch weit raus an den Alpenrand zu ziehen, mit den unpünktlichen Regionalzügen zur Arbeit zu pendeln, um dann erneut mit ständigen Mietsteigerungen konfrontiert zu sein. Wir haben es satt, jeden Abend zu kellnern, um die paar Quadratmeter in der heruntergekommenen Studentenstadt bezahlen zu können. Und satt haben wir auch die stacheldrahtumzäunten Villen von Fußballstars in Grünwald, die leerstehenden Büroklötze in Gewerbegebieten und die Bauruinen von Benko in der Innenstadt.

 

Einen Quadratmeter Wohnfläche auf dem Gelände der früheren Paulanerbrauerei zu kaufen kostet 14000 Euro. Das kauft sich kein Normalverdiener. Das reißen sich Bänker, reiche Erben, Spekulanten, Leute vom Schlage eines Benko unter den Nagel. Wenn Vermietung, dann natürlich zu Horrorpreisen. "Ein Stall wie für Maria und Josef und das Jesuskind würde heute in München von www.hirten-immo.de so teuer vermietet, dass die hl. drei Könige vom Kamel fielen", so ein bekannter bayerischer Kaberettist. Seit 1950 sind die Münchner Bodenpreise um 39000 Prozent gewuchert. 2025 kamen von 23.000 Haushalten mit Anspruch auf eine Sozialwohnung gerade mal 2300 zum Zug. Ein breites Bündnis hatte am Samstag zu Kundgebung und Demo gegen Mietwucher und für bezahlbaren Wohnraum aufgerufen, Parteien, Gewerkschaften, Mietervereine. Auch SPD und Grüne sind mit von der Partie, die seit Jahren die Stadtregierung in München bilden. Jetzt im Vorfeld der Kommunalwahlen tun sie alle so, als ob ihr Herz nur für die gebeutelten Mieter schlüge, zuvorderst natürlich die CSU. Was ist mit dem Bauturbo der Bundesregierung? Bisher sind nicht einmal die 460.000 genehmigten Ampel-Turbo-Wohnungen gebaut. 

Wenige Konzerne dominieren den Wohnungsmarkt

Der Wohnungsmarkt in Deutschland wird immer stärker von wenigen Konzernen dominiert. Die größten sind Vonovia/Deutsche Wohnen, (Bochum/Berlin), LEG (Düsseldorf) und VIVA-WEST (Gelsenkirchen). Das Grundbedürfnis nach einer Wohnung wird damit zum Gegenstand der überbordenden Spekulation. An den Börsen zählt nur, was maximale Profite ver-spricht. Während die Börsenkurse auf immer neue Rekorde klettern, bleibt das Leben der arbeitenden Menschen auf der Strecke. Die Summe des weltweiten Spekulationskapitals lag 2023 sogar beim 13-fachen des Weltsozialprodukts.

 

In der Folge explodieren die Mieten. In Berlin stiegen sie von 2009 bis 2023 um 112%. Nicht nur in Zentren wie München, Hamburg, Berlin oder Köln, sondern auch in anderen Städten wird das Wohnen mehr und mehr unbezahlbar. Ende 2024 gab es bundesweit nur noch 1,05 Millionen öffentlich geförderte Wohnungen. Allein im Jahr 2024 sind 26.000 bezahlbare Woh-nungen mit gedeckelten Mietern auf Wohnberechtigungsschein abgerissen worden oder aus der sogenannten Sozialbindung herausgefallen. (1) Am meisten von dieser Misere betroffen sind junge Leute. Auszubildende, Studierende oder Niedriglöhner können sich oft keine eigene Wohnung mehr leisten. In vielen Familien müssen heute die Tochter oder der Sohn noch mit Mitte 20 in der elterlichen Wohnung leben. So wird der Jugend die Zukunft verbaut!

 

Zugleich formiert sich eine Gegenrichtung. Beim Tribunal „Das Revier will leben – gegen die Politik der verbrannten Erde der Ruhrkohle AG“ im August 2025 wurde die RAG-Tochter VI-VAVEST wegen der gezielten Vernichtung bezahlbaren Wohnraums und einer wachsenden sozialen Not in den Ruhrgebietsstädten verurteilt:

 

  • Sofortiger Stopp von Mieterhöhungen, Deckelung der Mieten auf maximal dem heutigen Stand!
  • Umgehende Sanierung und Renovierung der Bestandswohnungen zu einer lebenswerten Qualität auf Kosten der Wohnungskonzerne!
  • Reparaturen und weitere Instandhaltung dürfen in keiner Weise auf die Mieter umgelegt werden. Darüber hinaus gehende Modernisierungen sind nur mit Zustimmung aller betroffenen Mieter zulässig!

 

Solch notwendige Sofortmaßnahmen können ein tiefer liegendes Problem allerdings nicht lösen. Das Menschenrecht auf lebenswertes Wohnen ist mit der Behandlung von Wohnungen als profitbringende Ware nicht vereinbar. Das hat Friedrich Engels schon vor 175 Jahren auf den Punkt gebracht: „Um dieser Wohnungsnot ein Ende zu machen, gibt es nur ein Mittel. die Ausbeutung und Unterdrückung der arbeitenden Klasse durch die herrschende Klasse überhaupt zu beseitigen.“ (2)