Musk in der Defensive

Musk in der Defensive

Tesla Grünheide: Werksleiter schlägt wild um sich

Am Dienstag wurde ein Gewerkschaftssekretär bei Tesla aus der Betriebsratssitzung geholt, sein Laptop beschlagnahmt, Anzeige erstattet und anschließend quasi der Polizei übergeben. Wenn es nicht ganz ernst wäre, könnte man denken, Werksleiter Thierig ist im Karnevalsmodus nach dem Motto „Schlimmer geht´s immer.“

Tesla Grünheide: Werksleiter schlägt wild um sich
Arbeiter bei Tesla (shutterstock_2677614535)

In einer E-Mail an jeden „Mitarbeiter“ behauptete er am Dienstag, „ein Gewerkschaftssekretär der IG Metall habe die heutige Betriebsratssitzung aufgezeichnet und damit eine Straftat begangen.“

 

Die Gruppe „IG Metall – Tesla Workers GFBB“ im Tesla Betriebsrat hat dazu folgende Erklärung herausgegeben: „Diese Behauptung (von Thierig) ist eine ebenso dreiste wie kalkulierte Lüge. In Wirklichkeit ist folgendes passiert: Seit der letzten Betriebsratswahl laden wir als IG Metall – Tesla Workers zu jeder Sitzung des Betriebsrats einen unserer Gewerkschaftssekretäre ein. Auf der heutigen Betriebsratssitzung behauptete plötzlich ein Betriebsrat der Arbeitgeberfraktion, unser Kollege von der IG Metall würde die Sitzung mit seinem Laptop aufzeichnen.

 

Der Rest erschien uns wie ein abgekartetes Spiel: Die Betriebsratsvorsitzende gab dem Kollegen keine Möglichkeit, die Vorwürfe zu entkräften. Sie unterbrach sofort die Sitzung, rief den Werkschutz und später die Polizei, die zur Aufklärung der Vorwürfe den Laptop beschlagnahmte. Als wir unseren Kollegen nach der Zeugenbefragung aus dem Werk begleiteten, wartete bereits ein Tesla-eigener Kameramann vor der Tür und fotografierte. Wenige Stunden danach schlachtete Werkleiter Thierig in einer Mail an die Belegschaft den angeblichen Vorfall aus.“

 

Der exakt inszenierte Ablauf zeigt, wie Werksleiter Thierig mit allen Mitteln versucht, aus der Defensive zu kommen. Zuletzt ging der teuer eingekaufte Auftritt von Rapper Kool Savas nach hinten los. Auch nachdem Rote Fahne News darüber berichtete, musste Kool Savas zurückrudern und unterstützte das gewerkschaftliche Engagement bei Tesla, zumal er auch kommunistische Wurzeln hätte. Eine Aufforderung an ihn, sein Honorar für diesen Auftritt (oder einen Teil davon) an den Solikreis gegen Mobbing bei Tesla zu spenden, ließ er bislang allerdings unbeantwortet.

 

Musk drohte, wenn die IG Metall bei der BR-Wahl die Mehrheit erhält, wird in Grünheide nichts weiter investiert. Thierig sah sich wohl schon als festen Bestandteil der ersten Mars-Mission von Musk und sucht nun das Credo von Musk exakt umzusetzen. Die Frage ist auch, woher will Thierig wissen, dass angeblich die Sitzung mitgeschnitten wurde. Hat die Geschäftsleitung etwa bereits Zugriff auf alle Mobilgeräte im Werk? (Kollegen seid wachsam!)

 

Die MLPD Berlin hat unter der Überschrift "Wovor fürchten sich Musk und die Geschäftsleitung?" eine aktuelle Erklärung veröffentlicht, in der sie zur Wahl der IG-Metall-Liste bei der bevorstehenden Betriebsratswahl aufruft:

 

Musk musste im vergangenen Jahr einen rapiden Absatzverlust bei Tesla hinnehmen. Im Werk in Grünheide sind in den letzten zwei Jahren schleichend knapp 2000 Arbeitsplätze und Kollegen verschwunden. Auch mit der Methode des Mobbings. Im Tesla-Werk in Fremont/USA wird die Autoproduktion eingestellt.

 

Bisher sagte Werksleiter Thierig, alle anderen Automobilkonzerne bauen Arbeitsplätze ab, nur bei Tesla geht es aufwärts. Den rapiden Absatzverlust hat Musk durch seine enge Zusammenarbeit mit Trump selbst mit verschuldet. Tatsächlich steckt die gesamte Autoproduktion in einer Absatz- und Strukturkrise. Der kapitalistische Konkurrenzkampf ist eine Vernichtungsschlacht auf dem Rücken aller Automobilarbeiter weltweit. Das wird immer mehr mit Handels- und realen Kriegen ausgetragen. Und Musk investiert immer mehr in Militärprojekte.

 

Um uns gegen verschärfte Ausbeutung zur Wehr zu setzen und bessere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen, brauchen wir starke Gewerkschaften. Alle betrieblichen Rechte, die wir haben, wurden uns nicht geschenkt, sondern von den Gewerkschaften historisch erkämpft. Deshalb scheut Musk die Gewerkschaften wie der Teufel das Weihwasser. Mit faschistischen Methoden wurde diese Woche ein Gewerkschaftsvertreter aus dem Betrieb geholt und würde Thierig und Musk die IG Metall am liebsten in die Luft sprengen.

 

Es geht heute aber um weit mehr als um bessere Löhne und Arbeitsbedingungen. Auf Kosten der Bevölkerung werden in immer mehr Regionen Kriege um die Vorherrschaft geführt. Die Rüstungsproduktion steigt in allen Ländern und die Gesellschaft wird zunehmend militarisiert. Dagegen müssen wir uns international zusammenschließen. Die MLPD unterstützt deshalb Pilotprojekte wie „Gaza soll leben“ zum Wiederaufbau des Gesundheitswesens in Palästina und steht für die Überwindung des kapitalistischen Gesellschaftssystems, damit der Mensch und nicht der Profit im Mittelpunkt steht.

 

Wählt die Liste der IG Metall, weil sie für den Zusammenschluss und die Organisierung der gesamten Belegschaft steht. Dass mehr als zehn Listen zur Betriebsratswahl kandidieren, zeigt auch die Unzufriedenheit mit der bisherigen Betriebsratsmehrheit durch Thierigs und Musks Marionetten. Doch wir brauchen keine weitere Aufspaltung in Nationalitäten- oder Einzelgruppeninteressen, sondern einen engeren Zusammenschluss als gesamte Belegschaft: Organisiert euch dazu in der IG Metall und der MLPD. Die MLPD unterstützt aktiv, die Gewerkschaften zu Kampforganisationen zu machen. Die MLPD setzt sich ein:

 

  • Für freie gewerkschaftliche und politische Betätigung im Betrieb
  • Für die 30 Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich – Übernahme aller Azubis
  • Für ein vollständiges und allseitiges gesetzliches Streikrecht
  • Für gesunde und umweltverträgliche Arbeits- und Lebensbedingungen
  • Für die Durchsetzung fortschrittlicher Produktionsverfahren der Kreislaufwirtschaft (z.B. vollständiges Recycling der Batterien)
  • Gegen Krieg und Faschismus – für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung – für den echten Sozialismus – Hoch die internationale Solidarität!

 

Die Erklärung als gestaltetes Flugblatt

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