Filmtipp

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Nosferatu – Der Untote

Horrorfilme sind in gewisser Weise ein Seismograf für den Zustand der kapitalistischen Gesellschaft. Je mehr und tiefere Krisen, desto mehr der schaurigen Streifen kommen in die Kinos. Ein gutes Beispiel dafür war die Spätphase der Weimarer Republik in den 1920er- und beginnenden 1930er-Jahren.

Von ffz
Nosferatu – Der Untote
Ein Filmplakat von Nosferatu – Der Untote (foto: Screenshot)

Ein absolutes Meisterwerk dieser Zeit war der Film Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens, von Friedrich Wilhelm Murnau, der 1922 in die Kinos kam. Die lose Verfilmung des Romans Dracula von Bram Stoker zeigte den Vampir Nosferatu exemplarisch für den am Horizont erscheinenden Faschismus und später kommenden Zweiten Weltkrieg.

 

Umso interessanter, dass eine Neuverfilmung des Films im letzten Jahr in die Kinos kam. Nosferatu – Der Untote ist kein plattes Plagiat, sondern durchaus ein eigenständiger Film. So bringt Regisseur Robert Eggers auch die Themen Abhängigkeit und Machtausübung in die Story mit ein. Die in Wisborg lebende junge Ellen Hutter ist einsam und flüchtet sich in ihre Träume. Damit erweckt sie in den transsilvanischen Karpaten den Untoten Vampir Nosferatu, der sie in ihren Albträumen besucht und schließlich Macht über sie ausübt.


Im Weiteren hält sich der Film ziemlich an die Story des Originals und es ist auch hier schließlich die letztendlich starke junge Frau, die den Vampir zu sich zieht und ihn bis zum Sonnenaufgang bei sich hält. Vom Licht der Morgensonne getroffen, wird Nosferatu vernichtet und zerfällt.


Der Film ist faszinierend, aber sehr finster. Das Spiel mit Schatten und Dunkelheit wird voll ausgereizt. Wenn man Schwärze als Opulenz bezeichnen könnte, dann trifft das in diesem Fall zu 100 Prozent zu. War schon die Originalmaske von Max Schreck in Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens sehr unheimlich, so wirkt das Make-up, das Darsteller Bill Skarsgård in einer sechsstündigen Prozedur aufgetragen wurde, abstoßend, verfallen und richtiggehend furchteinflößend. Mein Kritikpunkt an dem Film sind einige Sexszenen zwischen Ellen und dem Vampir. Diese wären für die Handlung nicht nötig gewesen. Auch einige ziemlich explizite Gewaltdarstellungen  und drastische Effekte stoßen etwas auf. Durch seine düster-morbide Atmosphäre bekommen die Zuschauerinnen und Zuschauer zur Genüge mit, welche Gefahr von dem, Ratten, Pest und Tod bringenden Untoten ausgeht.

 

Interessant ist auch hier wieder die politische Komponente. Warum kommt ein solches Remake jetzt in die Kinos? In einer Zeit der sich zuspitzenden zwischenimperialistischen Widersprüche, der Gefahr eines atomar geführten Dritten Weltkriegs und einer akuten Gefahr des Faschismus? Der Film sollte, wie das Original, als Warnung verstanden werden: Lasst nicht zu, dass der Faschismus, der hier erneut vom blutsaugenden, machtsüchtigen Nachzehrer verkörpert wird, die Macht übernimmt! Und sollte die Vernichtung des Vampirs – ausgerechnet durch eine intensive Morgenröte – nicht Anreiz für alle Antifaschistinnen und Antifaschisten sein, sich in einer großen antifaschistischen Front zu vereinen und den Faschismus und den hinter ihm stehenden Kapitalismus endgültig revolutionär zu überwinden?


Der Film ist käuflich zu erwerben und kann auch gestreamt werden.