Russland
Mal mehr, mal weniger freiwillig: Ausländische Kämpfer in der Russischen Armee
In den letzten Schlagzeilen machen Nachrichten die Runde, wonach ca. 200 Staatsbürger des afrikanischen Staats Kenia unter teils fadenscheinigen Versprechungen für den Dienst in der Ukraine durch die russische Armee angeworben wurden. Dabei ist die Praxis nicht neu.
Nun wirft die Regierung Kenias der russischen Regierung offen vor, kenianische Staatsbürger nach Russland zu locken, um sie an die Front zu schicken. „Diese Menschen werden als Kanonenfutter an der Front missbraucht“, sagte der kenianische Vizeaußenminister Korir Sing'Oei der Nachrichtenagentur AFP. Der kenianische Außenminister, Musalia Mudavadi, kündigte an, im nächsten Monat nach Russland zu reisen, um „diesen Aktionen ein Ende zu setzen“.
Seit Jahren in verschiedenen Ländern
Die ägyptische Journalistin Sara Abu Shadi hatte schon 2024 zu solchen Methoden recherchiert und eine umfassende Analyse in der Zeitung „Masrawy“ veröffentlicht, der zufolge junge arabische Menschen über eine Art Falle in den russischen Kriegsdienst gelockt werden. Arabische, besondere ägyptische Studenten, die bereits in Russland studieren oder dorthin wollen, wurden über Mittelsmänner für den Dienst in der russischen Armee geworben: mit hohen Antrittsprämien, sicherem monatlichen Gehalt, bezahlter Unterkunft und sogar der Aussicht auf russische Staatsbürgerschaft. Das erinnert sehr an die Berichte, die sich seit Ende letzten Jahres aus Kenia mehren. Und schon 2024 hatte das Nachrichtenportal „Watson“ berichtet, dass so auch schwarzafrikanische Studenten rekrutiert wurden.
Die Vermittler organisieren demnach Einladungen oder Visa, häufig Touristenvisa, und übernehmen alle Formalitäten. In Russland werden die Rekruten dann isoliert, bevor sie einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium unterschreiben. Dabei werden keinesfalls nur Fronttruppen angeworben – auch das Beispiel eines Kenianers, der erst als LKW-Fahrer und dann später als Frontsoldat eingesetzt wurde und dort fiel, ist bekannt.
Angeworben aus 48 Ländern
Glaubt man dem ukrainischen Geheimdienst, führte die russische Regierung spätestens 2024 eine weltweite Kampagne zur Rekrutierung ausländischer Söldner in damals mindestens 21 Ländern, darunter mehrere afrikanische Staaten. Nach den aktuell kursierenden Schätzungen kämpfen mehr als 1 500 Söldner aus 48 Ländern auf Seiten Russlands gegen die Ukraine. Damit entspräche der russische Einsatz ausländischer Kämpfer ungefähr dem der Ukraine. Deren „Internationale Legion der Territorialverteidigung der Ukraine“ gibt ihre Stärke ebenfalls mit circa 1 500 an.
Das ist aber nur die aktuelle Zahl – tatsächlich ist die Zahl der Söldner auf beiden Seiten deutlich höher, denn man muss sowohl die Verluste, als auch das Ausscheiden von Söldnern oder anderweitig freiwillig dienenden ausländischen Staatsangehörigen einkalkulieren. Außerdem sind die ukrainischen Zahlen hiermit so wie so nicht vollständig, denn mittlerweile hat sich in der Ukraine eine Praxis etabliert, bei der jede Brigade oder auch Regiment seine eigenen Rekruten anwirbt.
Russland wirbt vor allen Dingen deswegen um ausländische Kämpfer, weil jeder Russe, der in einem Leichensack nach Hause zurück kehrt, den Unmut in der Bevölkerung nährt, der schnell wieder in echten Widerstand umschlagen könnte – wie bei der bislang einzigen Mobilisierungswelle des Krieges. Eine zweite will das Putin-Regime um jeden Preis verhindern.