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„Heute ist kein Arbeitstag – heute ist Streiktag“

„Zicke, Zacke, Streik, Streik“, „Wir sind hier, wir sind laut, weil es eine Lösung braucht“. Mit diesen und ähnlichen Parolen, die immer wieder von ca. 700 Streikenden skandiert wurden, zogen gestern Ver.di- und GEW-Kolleginnen bzw. Ver.di- und GEW-Kollegen von der Stadtbücherei bis zum Universitätsplatz in Heidelberg.

Korrespondenz
„Heute ist kein Arbeitstag – heute ist Streiktag“
Gesehen auf der Demonstration in Heidelberg (rf-foto)

Dabei waren u. a. die Beschäftigten der Universitäten von Heidelberg und Mannheim, des Zentralinstituts für seelische Gesundheit Mannheim, des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden in Wiesloch, der Pädagogischen Hochschule, des Studierendenwerkes, der Musikhochschule, des Arbeiter-Samariter-Bunds, von Forschungseinrichtungen sowie Azubis der verschiedenen Betriebe. Letztere traten besonders kämpferisch in Erscheinung.


Einigkeit bestand in den Forderungen nach 7 Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens 300 Euro, 200 Euro für Nachwuchskräfte sowie einem Tarifvertrag für wissenschaftliche Hilfskräfte, die u. a. unter sehr prekären Arbeitsbedingungen beschäftigt werden (zeitlich befristete Arbeitsverträge, geringe Stundenanzahl mit gleichzeitiger Mehrarbeit und schlechter Bezahlung…).


Bereits vor zwei Wochen hatten ca. 600 Beschäftigte in Heidelberg gestreikt. Diese Woche gab es auch etwas Neues: sog. Wirkungsstreiks, bei denen auch Bereiche mit wenigen Mitarbeitern große Wirkung erzielen konnten, z. B. bei den Reinigungskräften, oder dem Servicepersonal in den Mensen.


Neben den oben genannten Forderungen forderten Beschäftigte der Psychiatrie „Pflegezulagen auch für uns“ und „Wir streiken für gleiches Geld für gleiche Arbeit“. Selbstbewusst und mit scharfem Humor wurden die „Lifestyle-Debatten-Hetze“ oder die respektlose Bemerkung des Oberbürgermeisters von Stuttgart „Im Öffentlichen Dienst herrscht Schlaraffenland“ zurückgewiesen und anschaulich widerlegt.


Zwar wurde auch die reformistische Kaufkrafttheorie wieder aufgewärmt, aber insbesondere junge Azubis, die auf der Abschlusskundgebung sprachen, forderten unter großem Beifall, dass dem Klassenkampf der Herrschenden von oben der Klassenkampf von unten entgegengesetzt werden muss und dass man sich von den angeblich leeren Kassen ins Bockshorn jagen lässt.

 

Passend dazu gab es ein tolles Kulturprogramm, bei dem eine Sängerin aus Berlin Lieder der Arbeiterbewegung wie „Bella Ciao“, das Solidaritätslied von Brecht, das Lied der englischen Bergarbeiterfrauenbewegung aus den 1980er-Jahren sowie Antikriegslieder wie „Meine Söhne bekommt Ihr nicht (Reinhard Mey)“ und das Lied vom toten Soldaten vortrug. Das sprach vielen aus dem Herzen und einige, die die Texte kannten, sangen leidenschaftlich mit. Berichtet wurde auch aus einigen Betrieben, dass sie ihre Mitgliederstärke erhöhen konnten. Morgen und übermorgen findet die dritte Verhandlungsrunde in Potsdam statt.