Trendwende deutet sich an

Trendwende deutet sich an

Wirtschaft: Deutlicher Auftragszuwachs in der deutschen Industrie

Die Auftragseingänge für die deutsche verarbeitende Industrie stiegen im Dezember um 7,8 Prozent gegenüber dem Vormonat, Inlandsaufträge sogar um 10,7 Prozent. (1) Sie sind im Dezember nicht nur den vierten Monat in Folge gewachsen, sondern auch so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Von ba/rj
Wirtschaft: Deutlicher Auftragszuwachs in der deutschen Industrie
Bild: Yoav Aziz; Bildlizenz: Unsplash-Lizenz

Einige der bürgerlichen Ökonomen reagierten gleich euphorisch. So erklärte Michael Holstein von der der DZ Bank überschwänglich, das sei »der erhoffte kräftige Impuls, der die deutsche Industrie aus ihrer Lethargie reißen und eine neue Dynamik entfachen kann«. Damit sei der »Anfang für eine sich selbst tragende Erholung« gemacht.(2)

 

Was ist davon zu halten? Der Vergleich des Auftragseingangs zum Vormonat ist stark von Zufälligkeiten beeinflusst und für sich kein aussagekräftiger Wert über die Wirtschaftsentwicklung. In einzelnen Monaten gab es in den letzten Jahren schon einige Male eine größere Steigerung. Aber dieses Mal ist es tatsächlich anders: Im ganzen vierten Quartal war es die mit Abstand größte Steigerung des Auftragseingangs im Vergleich zum Vorquartal und zum Vorjahresquartal seit Jahren – ausgenommen den Aufholeffekt nach dem tiefen Einbruch 2020. Dadurch kommt es auch im Gesamtjahr 2025 zu einem Plus gegenüber dem Vorjahr von immerhin 2,8 Prozent. Der Anstieg der Aufträge geht zu einem großen Teil auf staatliche Großaufträge für die Kriegsvorbereitung (Rüstung und Infrastruktur) zurück. Deutliche Steigerungen gibt es bei Metallerzeugnissen (plus 30 Prozent), im Maschinenbau (plus 11,5 Prozent) und bei der Luft- und Raumfahrt (plus 5,6 Prozent). Auch für elektronische und optische Erzeugnisse stiegen die Aufträge. Der Ökonom Robin Winkler von der Forschungsabteilung der Deutschen Bank erklärte, dass die Inlandsaufträge für Waffen und Munition in den letzten beiden Monaten des Jahres 2025 ein beispielloses Niveau erreicht hätten, das mehr als das 20-fache über dem Durchschnitt vor 2022 liegt. Und: »Diese Bestellungen sind nur die Spitze des Eisbergs, da die Regierung auch große Summen für Militärfahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge ausgibt«.(3)

 

Neben der Rüstung bilden noch zwei weitere Erleichterungen für Investitionen eine wesentliche Grundlage für den Auftragsschub im Maschinenbau: Zwischen Sommer 2024 und Sommer 2025 hat die EZB (4) den Leitzins um insgesamt zwei Prozentpunkte auf 2,0 Prozent gesenkt. Die niedrigeren Finanzierungskosten erleichtern Investitionen in Maschinen und Gebäude. Dazu kommen stark gestiegene Abschreibungsmöglichkeiten (5), die das Verschrotten alter Anlagen erleichtern. Seit dem 1. Juli 2025 bis Ende 2027 können so jährlich bis zu 30 Prozent des in diesem Zeitraum investierten Kapitals abgeschrieben werden. Nach zwei Jahren mit negativer Entwicklung wuchs auch der Warenexport aus Deutschland 2025 erstmals wieder leicht um ein Prozent.

 

Die verarbeitende Industrie in Deutschland liegt zwar 2025 immer noch deutlich unter dem Vorkrisenstand 2018: Um fast neun Prozent beim Volumen des Auftragseingangs und um fast 15 Prozent beim Produktionsindex, der seit 2021 jedes Jahr weiter zurückgeht. Die aktuellen Zahlen deuten aber eine Trendwende an im Rahmen der weltwirtschaftlichen Belebung mit dem Ende der seit 2018 anhaltenden Weltwirtschafts- und Finanzkrise. In dieser Belebungstendenz verschärft sich der Vernichtungskrieg zwischen den internationalen Übermonopolen. (6) Ein Teil der in Deutschland ansässigen Monopole strategisch wichtiger Branchen kann dabei mit chinesischen, US-amerikanischen oder auch indischen Konkurrenten nicht mithalten. So gingen die Auftragseingänge in der Autoindustrie (minus 6,3 Prozent), der Chemieindustrie (minus 2 Prozent, von einem schon sehr niedrigem Niveau) oder der Stahlproduktion auch im Dezember weiter zurück. Diese Verschiebung von Kräfteverhältnissen ist eine Gesetzmäßigkeit des Kapitalismus in seinem imperialistischen Stadium. (7)

 

Gleichzeitig erzielen in Deutschland ansässige Monopole einen zunehmenden Teil ihres Profits durch Produktion im Ausland. Das taucht dann in der Statistik der deutschen Industrieproduktion aber nicht auf und verfälscht so das Bild. Tatsächlich ist fraglich, ob die industrielle Produktion in Deutschland ihr Vorkrisenniveau je wieder wird erreichen können. Das ist aber nicht mehr eine Wirkung der Überproduktionskrise, sondern vor allem der verschiedenen Strukturkrisen. Bürgerliche Ökonomen beschwören immer wieder das Märchen von den zu hohen »Arbeitskosten« als »Strukturproblem«. Die Sonderabschreibungen, die Senkung des Industriestrompreises und der Kosten für die Netznutzung, die die Regierung den Monopolen als Geschenk bereitet hat, würden nicht ausreichen, »um die Stimmung zu drehen«. Wenn Bundeskanzler Merz es nicht schaffen würde, »die hohen Kosten für Löhne und Energie, die ausufernde Bürokratie sowie die hohen Steuern und Abgaben drücken«, würden auch die »konjunkturellen Impulse« durch das staatliche Ausgabenprogramm verpuffen.

 

Mit diesem Märchen sollen die Folgen der kapitalistischen Strukturkrisen auf die Arbeiter und die Massen abgewälzt werden. Tatsächlich ist Deutschland besonders betroffen von den Strukturkrisen im Zuge der Digitalisierung und Umstellung auf E-Mobilität wie auch von der Strukturkrise in der Umstellung auf erneuerbare Energien. Durch das geforderte »Reformprogramm« kann aber der Rückfall im Konkurrenzkampf auf dem Weltmarkt auch nicht aufgeholt werden.

 

Die Abwälzung der Krisenlasten auf die Massen durch Erhöhung ihrer Sozialversicherungsbeiträge und anderer Abgaben, sowie durch Verschlechterung der sozialen Leistungen, können zwar die Profite zeitweilig hoch halten, aber das wirkliche »Strukturproblem« nicht lösen: »Die modernen Produktivkräfte verlangen nach Produktionsverhältnissen, die ihrem internationalen Charakter entsprechen, aber diese sind nur in vereinigten sozialistischen Staaten der Welt zu verwirklichen.« (8) Eine Wirtschaftsordnung, die nicht in einem Krisensumpf versackt, die nicht den verheerenden Konkurrenzkampf der Monopole auf dem Rücken der arbeitenden Bevölkerung austrägt, und die nicht auf eine gewaltsame Neuaufteilung der Welt hinaus läuft – eine solche Wirtschaftsordnung kann nur in vereinigten sozialistischen Staaten der Welt funktionieren. Dann werden alle Vorteile der im internationalen Maßstab vergesellschafteten Produktion im Interesse der arbeitenden Bevölkerung genutzt und gleichberechtigt und zum gegenseitigen Nut-zen zusammen gearbeitet.