Tino Chrupalla bei Caren Miosga

Tino Chrupalla bei Caren Miosga

Das große „WIR“ der AfD - alles für die deutschen Kapitalisten

Dass der Chef der faschistischen AfD ein Podium in der Talkshow von Caren Miosga zur besten Sendezeit Sonntag Abend bekommt, ist ein Medienskandal - eigentlich. Nur ist es inzwischen so gängige Praxis, dass der Skandal in den bürgerlichen Medien gar nicht mehr erwähnt wird.

Von fh

Solche Auftritte sind für die AfD Gold wert, weil sie hier ihre „moderne“ Fassade pflegen kann. Wie funktioniert das?

 

Caren Miosga war bemüht, auch kritische Fragen zu stellen. Teilweise kratzte sie dabei auch an empfindlichen Stellen der AfD. So zählte sie auf, wie viele Familienmitglieder von AfD-Funktionären allein in Sachsen-Anhalt gut dotierte Jobs bei Bundestagsabgeordneten oder anderen Mandatsträgern der AfD haben. Mit der Frage, ob die AfD nicht mit der Kritik an der Selbstbedienungsmentalität und der Vetternwirtschaft der großen Parteien angetreten sei, brachte sie Chrupalla ins Stottern. Aber das Problem ist die durchgängige Methode, kritische Fragen nur aufzuwerfen, aber dann in keiner Frage auf den Punkt zu bringen: Die AfD betreibt deshalb genauso wie die anderen Selbstbereicherung und Vetternwirtschaft, weil sie genauso wie die anderen eine bürgerliche Partei ist, die von der bürgerlichen Ideologie und der kleinbürgerlichen Denkweise geleitet wird. Sie hat noch ausdrücklicher als die anderen bürgerlichen Parteien den Egoismus als weltanschauliche Grundlage. Das sagt aber Frau Miosga nicht.

 

Miosga hatte auch zwei „Experten“ für Wirtschaftspolitik eingeladen, die kritisch zur AfD stehen. Aber das Wort „Faschismus“ kam bei allen dreien nicht über die Lippen. Stattdessen wurde zum Maßstab der Debatte erhoben, was am besten „für unser Land“ oder „für unsere Wirtschaft“ ist. Das ist eine Steilvorlage für die AfD, denn in puncto Nationalismus sind sie kaum zu schlagen.

 

So entfaltete sich eine schräge Debatte, ob Freihandel oder Protektionismus („Germany first“) besser für „unsere Wirtschaft“ sei. Beides sind kapitalistische Methoden, die je nach Bedarf angewandt werden, und beides dient nicht dem Wohlstand der Arbeiter und auch nicht der Bauern in Deutschland, sondern dem Maximalprofit der Kapitalisten.

 

Das eigentlich Erhellende an dieser Talkshow waren nicht die strittigen Themen. Erhellend ist vielmehr zu sehen, worüber es keinen Streit gab. Unausgesprochen, aber umso selbstverständlicher war die Eintracht aller Beteiligten über die Fragestellung: Alle diskutierten, was für „unser Land“ gut oder schlecht sei. Wer ist denn „unser Land“? Niemand diskutierte, was für die Arbeiter gut ist, und schon gar nicht was für die Menschen auf der Flucht vor Kriegen, Hunger und Unterdrückung gut ist. Deshalb gab es die größte Einigkeit darüber, dass „wir“ Zuwanderung „in den Arbeitsmarkt“ brauchen, aber nur qualifizierte Fachkräfte. Unwidersprochen konnte Chrupalla pauschal über die angebliche Kriminalität der angeblich „illegalen Migranten“ herziehen.

 

Die Rechtsentwicklung der Herrschenden fördert und braucht die AfD als eine extrem nationalistische, faschistische Partei. Sie vertritt heute nicht die Mehrheitsmeinung der maßgeblichen Monopole in Deutschland, aber sie steht bereit für die „Drecksarbeit“. Solange die AfD nicht in der Position wie Donald Trump ist, paramilitärische Truppen gegen Migranten, Linke und protestierende Massen loszulassen, ist Chrupalla auch schlau genug, sich von den Morden der ICE in Minneapolis zu distanzieren. Dass die AfD in Bayern schon vorgeprescht ist und eine ICE-Truppe in Deutschland fordert, ist einer der Punkte, wo das Wesen der AfD als faschistische Partei aufblitzt. Wenn aber an keiner dieser Punkte dieses faschistische Wesen auch nur benannt wird, helfen solche Fernsehdebatten der AfD bei ihrer „modernen Fassadenmalerei“.