Ausstellung in Krefeld
Charlotte Perriand: L’Art d’habiter / Die Kunst des Wohnens
Charlotte Perriand war eine bemerkenswerte Designerin und Künstlerin. Viele kennen ihre Möbel oder kaufen gerne in großen Möbelhäusern ein, die mit Erfolg ihre Entwürfe und Ideen vermarkten.
Das Kunstmuseum Krefeld (Kaiser-Wilhelm-Museum, Haus Esters, Haus Lange) widmet ihr eine sehenswerte Ausstellung, die noch bis 15. März 2026 läuft.
Charlotte Perriand (1903 - 1999) bewarb sich 24-jährig 1927 bei Le Corbusier und wurde als Innenarchitektin eingestellt. Dort entwickelte sie maßgeblich die unter dem Namen Le Corbusier bekannten Stahlrohr-Sessel und eine elegante Liege, heute eine Designe-Ikone. Wegen politischer Meinungsunterschieden verließ sie zehn Jahre später sein Büro und machte sich selbstständig. Sie war Sozialistin und Mitglied der KPF und er sympathisierte mit den französischen Faschisten und später sogar mit den Nazis. Daraufhin verschwieg Le Corbusier die maßgebliche Beteiligung von ihr und gab die Möbel unter seinem Namen heraus.
Was zeichnet eine Architektin mit sozialistischem Bewusstsein besonders aus? Es sollte nicht nur die schöne Form sein, sondern auch einen zeitgemäßen Grundriss haben. So stellte sie immer die Frage: Sind genügend Stauräume vorhanden und wo liegt die Küche in der Wohnung? Und sie beteiligte sich an gesellschaftlichen Aufgaben und die gab es reichlich. Mit Beginn der Volksfront stellte sie sich sofort in ihre Dienste und gestaltete 1936 für die Ausstellung „Household Arts“ (Neue Lebensweise) „Das Elend von Paris“ - eine riesige Fotomontage von über 60 Quadratmetern, 15 Meter lang. Die Fotos stammen von ihr und der Agentur Wild World. Die Botschaft war: Eine andere, eine sozialistische Welt ist möglich und machbar.
Diese Ausstellung löste einen Skandal aus und wurde nach ihrem Ende mutwillig von den Faschisten zerstört. 1937 gestaltete sie gemeinsam mit dem Maler Fernand Leger die grafische Präsentation des Agrarprogramms der Volksfront-Regierung um Leon Blum. Durch ihre Reisen in die Sowjetunion kannte sie die neue revolutionäre Foto- und Plakatkunst und setzte sie für die Ausstellung und den Pavillon um. Ein Teil dieses Pavillons ist in der Krefelder Ausstellung zu sehen.1940 eröffnet sie gemeinsam mit Jean Prouve und Georges Blanchon ein Architekturbüro zur Gestaltung von Fertighäusern aus Aluminium.
Während der Besetzung von Frankreich hält sie sich hauptsächlich im Ausland auf. Zwischen 1947 und 1950 arbeitet sie an der Innenausstattung einschließlich der Küche der Unite d‘Habitation in Marseille. Viele Projekte wie etwa die Einrichtung von 2000 Studentenappartements in Antony bei Paris (mit Jean Prouvé) zeigen ihr soziales Engagement.