Faschistische Vetternwirtschaft

Faschistische Vetternwirtschaft

AfD-Basis in Sachsen-Anhalt gerät in Unruhe

Wer die AfD wirklich kennt, den kann das natürlich nicht überraschen. Viele ihrer Anhänger und selbst Mitglieder sind jedoch schockiert: AfD-Funktionäre in Sachsen-Anhalt haben etliche ihrer Verwandten untereinander auf Kosten der Staats- oder auch mal Parteikasse angestellt. Jetzt wenden sich Mitglieder in einem Brief an ihre eigene Führung.

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Hochgekocht ist die Sache, weil der AfD-Landtagsabgeordnete Tobias Rausch mindestens fünf Familienangehörige mit Jobs bei der Partei versorgt hatte. Die Vorwürfe betreffen allerdings auch den AfD-Spitzenkandidaten für die in Sachsen-Anhalt anstehende (und die AfD höchst wichtige) Landtagswahl im September, Ulrich Siegmund, dessen Vater ein hohes Gehalt als Mitarbeiter eines AfD-Bundestagsabgeordneten aus dem Landesverband bezogen haben soll. Die sachsen-anhaltische AfD reagiert, wie man das so kennt, und gibt zu den Beschäftigungsverhältnissen seit Tagen keine Auskunft mehr – Datenschutz.

 

Erst einmal versuchen die noch nicht diskreditierten AfD-Politiker, die Basis wieder zusammenzutreiben, indem sie sich der Empörung anschließen: „Die Vorgänge sind ein Schlag ins Gesicht für alle Mitglieder, die an der Basis harte Arbeit für unsere Partei leisten“, so schreibt Hannes Loth – der einzige hauptamtliche Bürgermeister der AfD in Sachsen-Anhalt und damit – ja, genau – komplett aus der Staatskasse bezahlt. Weil die ganze Sache die Wahlen gefährdet, wenden sich ein paar Funktionäre auch in einem Brief an den Bundesvorstand und wollen gerade von dem eine „unabhängige“ Prüfung.

Wozu hätte Egoismus als Prinzip denn führen sollen?

Eigentlich ist es selbsterklärend, dass die Funktionäre einer faschistischen Partei, die, schon weltanschaulich begründet, den Egoismus und die Konkurrenz als treibende Kräfte des rechten Fortschritts (also: Rückschritts), Eliten als ihren besten Ausdruck und die Unterdrückung als Methode predigt, dann auch mal kräftig im eigenen Interesse zulangen und sich aus den Geldern der Gesellschaft bedienen. Das ist tatsächlich gelebte AfD-Ideologie: Sie sagen „Wir zuerst“, aber meinen „Ich“!

 

Ein erheblicher Teil der Anhänger und sogar Mitglieder hat das hingegen schockiert und irritiert. Sie unterstützen die Faschisten schließlich vor allem, weil sie deren Demagogie auf den Leim gegangen sind, die sich vermeintlich gegen „die da oben“ und den korrupten Filz der bürgerlichen Parteien (der ja nun einmal wirklich da ist) richtet. Der (somit durchaus berechtigte) Hass auf diese kleinbürgerlichen und bürgerlichen Schmarotzer ist, so ironisch es auch erscheinen mag, ein Hauptmotiv der AfD-Massenbasis.

 

Der Schock führt aber noch nicht zwangsläufig zur Erkenntnis, also muss man es deutlich sagen: Die AfD ist nicht nur keinen Deut weniger korrupt, als andere bürgerliche Parteien, sondern sie ist schon zwanghaft korrupter (und verbannt die CSU damit nach jahrzehntelanger Führung auf Platz 2).