Gastbeitrag

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Wohin geht der Befreiungskampf in Myanmar?

Den folgenden Artikel einer Freundin, die aus Myanmar stammt, schickte eine Leserin an die Redaktion. Wir bedanken uns herzlich dafür:

Korrespondenz

Am 1. Februar 2026 waren es fünf Jahre seit dem Putsch in Myanmar. Die Menschen, die für das Land und für die zukünftige Generation kämpfen, sind im Dschungel bei ethnischen bewaffneten Gruppen, oder manche kämpfen unabhängig. Was haben wir in diesen fünf Jahren erreicht?


Die Optimisten betrachten es als den längsten Widerstand, den es je in Myanmar gegeben hat. Natürlich sehen sie nicht, wie die Gewerkschafterinnen, die früher an den Grenzen von Thailand und Myanmar waren, über zehn oder sogar 20 Jahre lang gekämpft haben. Ich betrachte die Revolution in Myanmar als ein blindes Pferd – betreffend die Leute, die im Land kämpfen, und die Burmesinnen (ich meine hier alle ethnischen Gruppen, die aus Myanmar kommen, u.a. Chin, Kachin, Karen, Rohingya, Mon, Shan etc.). Warum ein Pferd? So viel Kraft, aber blind – deswegen weiß es nicht, in welche Richtung es läuft.

 

Die Burmesinnen hier in Deutschland versuchen, monatlich Fundraising zu machen, um die Revolution in Myanmar zu unterstützen. Meistens sind es die Frauen, die die Arbeit hineinstecken. Es sind arbeitende Frauen, die sowohl Mütter sind als auch Vollzeit arbeiten. Manche arbeiten in Krankenhäusern, in gastronomischen Bereichen. Und sie schaffen es noch, für die Revolution in Myanmar zu organisieren. Ich bin sehr stolz auf diese Frauen. Sie machen mit, obwohl das, was in Myanmar los ist, nicht ihr eigenes Leben betrifft. Ich sage es, weil manche in Deutschland seit den 1980ern hier leben und deutsche Pässe haben.

 

Mein Lebenspartner und ich waren am 29. Januar vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Es gab dort ein Verfahren wegen des Rohingya-Genozids. Gambia hat Myanmar vor Gericht gebracht. Es gab eine Demonstration von burmesischen Migrantinnen, die in den Niederlanden leben, vor dem Gericht.


Mein Lebenspartner hatte Schilder dabei, die zeigten, dass Aung San Suu Kyi zusammen mit Militärchef Min Aung Hlaing gearbeitet hat. Die Frau ist in westlichen Medien als Nobelpreisträgerin und Freiheitskämpferin bekannt. Es ist ein Widerspruch zu dem, wofür sie steht: Als Rohingya aus dem Land vertrieben wurden und ein Völkermord an dieser Volksgruppe geschah, stand sie auf der Seite des Militärs.

 

Wegen der Schilder, die wir mitgebracht hatten, kam es zu Unstimmigkeiten mit den anderen burmesischen Demonstrantinnen und Demonstranten. Ich ging zu ihnen und sagte: „Hallo" und fragte: „Ihr seid auch für die Rohingya hier?" Sie antwortete sofort: „Wir respektieren die Rohingya, aber wir sind für Myanmar hier." In der burmesischen Kultur solle man nicht konfrontieren; das sei unhöflich. Ich tat so, als hätte ich ihre Antwort nicht gehört, und war auch irgendwie sprachlos. Vielleicht bin ich nicht mutig genug.

 

Trotzdem haben wir mit den Rohingya, die dort waren, Solidarität gezeigt. Ich habe ihnen gewünscht, dass sie Erfolg haben sollten und dass sie eines Tages nach Hause gehen können. In diesem Moment war ich so hoffnungsvoll, ihnen das sagen zu können.