Duisburg
Warnstreik heute am HKM-Tor 3
Heute war wieder Warnstreik bei den Hüttenwerken Krupp-Mannesmann, diesmal mit großer Kundgebung an Tor 3. Um die 800 Kolleginnen und Kollegen zeigten ihre Kampfbereitschaft und Entschlossenheit. Die IG Metall hatte zum Warnstreik aufgerufen.
Mit Jubel begrüßt wurden Delegationen aus anderen Stahlbetrieben wie ThyssenKrupp, Arcelor und Salzgitter sowie von der heute ebenfalls streikenden Duisburger Verkehrsgesellschaft DVG. Betont wurde immer wieder der gemeinsame Kampf und die Solidarität unter den Stahlbelegschaften. HKM-Azubis und HKM-Rentnerinnen und -Rentner waren ebenso dabei wie Kollegen und Kolleginnen vom Solikreis "Keiner schiebt uns weg". Die Kollegenzeitung Stahlkocher wurde an die Reingehenden verteilt.
Große Solidarität war auch in allen Reden von der Bühne ein durchgängiges Merkmal. Das bekräftigte u.a. der IG-Metall-Vertreter aus Salzgitter, der zusammen mit 15 Vertrauensleuten und Betriebsräten bei Salzgitter extra angereist war. Ein Vertreter der Gewerkschaft ver.di überbrachte die Solidarität und Unterstützung der Kollegen bei Bus und Bahn in Duisburg, die heute ganztägig in Duisburg und im ganzen Ruhrgebiet streiken. Er betonte, wie wichtig die ver.di-Forderung nach Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich für seine Kollegen ist. Die Vernichtung tausender Stahlarbeitsplätze lehnte er empört ab, Stahl werde überall gebraucht, ohne Stahl z.B. für Schienen könnten auch die Verkehrsbetriebe nicht arbeiten.
Der Leiter des Vertrauenskörpers bei Thyssen-Krupp im Duisburger Norden fragte: „Wofür kämpfen wir?“ Da müssen wir bloß in unsere Kinderzimmer zuhause schauen, in unsere Familien, um deren Existenz geht es doch. Das fand auch ein Kollege von der HKM-Hauptwerkstatt genau richtig, denn wenn tausende Arbeitsplätze vernichtet werden, ist die Existenz tausender Familien gefährdet. Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich, so eine MLPD-Vertreterin im Gespräch, ist auch eine wichtige Forderung für die Stahlarbeiter! Gemeinsam mit den ver.di-Kollegen wären sie eine doppelt starke Kraft.
Auf dem Bühnen-LKW sprach auch politische Prominenz: Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Duisburg, orientierte auf Gipfel von Politik und Konzernen und auf eine Regulierung des europäischen Stahlmarktes gegen Billigimporte aus China, Indien und Russland. Duisburg Oberbürgermeister Sören Link, ebenfalls SPD, erklärte, dass dieser beeindruckende Aufmarsch der HKM-Belegschaft "keine Folklore" wäre, sondern es wäre bitter ernst und ginge um Arbeitsplätze und Existenzen. Er hätte ruhig noch ergänzen können: Durch die massenhafte Arbeitsplatzvernichtung würde die ganze Stadt ins Mark getroffen durch Wegfall von Steuereinnahmen, Massenarbeitslosigkeit und Folgekonkursen von Handwerksbetrieben bis zur Bäckerei.
Der VKL-Leiter von Salzgitter empfahl auch für die HKM eine staatliche Beteiligung durch das Land NRW (bei Salzgitter ist das Land Niedersachsen Mitgesellschafter) und verwies auf die 500 Milliarden Euro "Sondervermögen" des Bundes für Investitionen. Bisher hat aber noch keine Staatsbeteiligung an Konzernen etwas an den kapitalistischen Gesetzmäßigkeiten und der Sanierung auf dem Rücken von Belegschaft und Steuerzahler geändert - also bitte keine Illusionen in diesen Weg!
Breit war die Stimmung: gewarnt und geredet ist genug, jetzt muss endlich was passieren! Auf jeden Fall reichen nicht 2 Stunden Warnstreik! Alles dicht machen, die Brocken hinwerfen, sonst tut sich nix!. Diese Stimmung hat sich inzwischen deutlich verstärkt. Zwar gibt es auch noch Hoffnung auf Salzgitter oder auf Hilfe durch die Politik, aber va. gab es verschiedene Diskussionen, wie ein richtiger Streik organisiert werden kann und welche selbständigen Initiativen dafür ergriffen werden müssten. Dafür wechselten u.a. ein paar Streikrechtsbroschüren den Besitzer und wurden Adressen ausgetauscht. Sicher sehen wir uns bald wieder!