Leserbrief zu Artikeln zu Merz' Hetze Lifestyle-Teilzeit
Tausende in solidarische „Lifestyle“-Teilzeit!
Der folgende Leserbrief erreichte die Redaktion:
Natürlich ist es eine richtige Antwort auf die CDU-Hetze über die „Lifestyle“-Teilzeit, die Kritik an fehlender Kinderbetreuung, für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowie ausreichende Vollzeitarbeitsplätze zu führen. Die meisten machen gezwungenermaßen Teilzeitarbeit.
Allerdings ist deshalb die Hetze gegen alle, die es aus anderen Gründen machen, noch lange nicht berechtigt. Eine weitere Antwort auf die CDU sollte deshalb auch die Offensive einer solidarischen „Lifestyle“-Teilzeit sein! Denn es geht doch nicht um „work“ oder „life“(style), sondern um die Frage: Was für Arbeit und was für ein Leben/„Lifestyle“?
Wenn Friedrich Merz sagt, es soll mehr gearbeitet werden, dann interessiert ihn an der Arbeit ja nicht, ob wir unseren Lebensunterhalt davon bestreiten können, ob die Arbeit gesellschaftlich sinnvoll ist oder die Arbeitenden erfüllt. Ihn interessiert, wie aus unserer Arbeit Profit gezogen werden kann. Im gleichen Tenor sind für die CDU annehmbare Gründe für Teilzeit auch nur solche, die der Ausbeutung dienen: neue Arbeitskräfte heranziehen oder berufliche Weiterbildung, die persönliche Verantwortung für die Pflege von alten Angehörigen, aus denen kein Profit mehr zu holen ist.
Insofern sollte man mit Teilzeit und einem „Lifestyle“, der eben nicht im Profitinteresse ist oder sogar das Profitsystem bekämpft, ruhig noch mehr in die Offensive gehen: Nicht selten gibt es auch Kollegen, die Teilzeit arbeiten, weil sie aktiv in Sportvereinen oder im sozialen Bereich sind, oder um politisch aktiv zu sein und für eine bessere Welt zu kämpfen. Wenn sich jemand dafür ehrenamtlich engagiert und sogar auf Lohn verzichtet: Das ist doch ein Lifestyle, den man nur propagieren kann! Und arbeiten tun diese Kollegen meist nicht weniger als Vollzeitbeschäftigte – aber eben nicht profitträchtig und nicht so, wie es der CDU gefällt.
Die richtige Antwort auf den Vorstoß der CDU wäre also, dass Tausende weitere Menschen ihr Recht auf Teilzeitarbeit wahrnehmen, um sich ehrenamtlich zu engagieren!
So ein selbstloser Einsatz ist nicht immer unumstritten. Zum Teil ist es negativ belegt, weil die Herrschenden auch die „Selbstlosigkeit“ in ihr System der kleinbürgerlichen Denkweise integriert und verfälscht haben: Wenn man sich „selbstlos“ für seinen Konzern aufopfern oder gar für das Land in den Krieg ziehen soll. Das ist das Gegenteil von der Selbstlosigkeit der Arbeiterbewegung – die der eigenen Klasse und den breiten Massen zugutekommt und damit jedem auch selbst wieder.
Über dekadenten Lifestyle sollte Privatjet- und Porsche-Millionär Friedrich Merz ohnehin lieber schweigen. Sein geschätztes Privatvermögen von 12 Millionen ist v. a. erzielt durch die Spekulation der Heuschrecke Blackrock mit von uns Arbeitern hart erarbeitetem Mehrwert. Solche „Arbeit“ und solchen „Lifestyle“ können wir uns wirklich sparen!