Leipzig

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Minus Vier für plus Sieben

Minus Vier für plus Sieben - was zunächst nach Grundschulmathematik klingt, beschreibt tatsächlich den heutigen Streiktag in Leipzig.

Korrespondenz
Minus Vier für plus Sieben
(rf-foto)

Seit 3:30 Uhr stehen die Streikposten der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) vor den Betriebshöfen. Sie stehen im Streik für den sogenannten TVN, den Tarifvertrag Nahverkehr. In fast allen Bundesländern ruft die Gewerkschaft Ver.di heute zum Streik.

 

Das macht es wiederum den Streikposten am Uniklinikum Leipzig sowie der Universität und Landesdirektion Sachsen nicht so einfach, zu ihren Streikposten zu kommen. Sie streiken heute im Rahmen der Tarifrunde der Länder (TdL). Irgendwie haben sie es trotzdem geschafft und stehen seit 5 Uhr auf ihren Posten. Die Drähte zwischen Streikleitung und Pflegedienstleitung laufen heiß. In verschiedenen Abteilungen wird der Nachtdienst nicht abgelöst, weil die Frühschicht mehrheitlich oder komplett zum Streik gegangen ist. Jetzt muss die Pflegedienstleitung bei der Streikleitung anrufen, um darüber zu verhandeln, ob der Notdienst ausreichend ist.

 

Stolz wärmen sich die Beschäftigten an den Feuertonnen. Die minus vier Grad Kälte haben sie nicht vom Streik für sieben Prozent mehr Lohn (mindestens 300 €) abgehalten. Um 10:30 Uhr formiert sich eine Demonstration zum Gewerkschaftshaus. Auf einer Zwischenkundgebung gibt es eine Verbrüderung mit den Streikenden der LVB. Auch ein Kollege von DHL ist direkt von seiner Nachtschicht zur Kundgebung gekommen und überbringt solidarische Grüße. Es wird auch zur Solidarität mit Christopher, dem gekündigten Vertrauensmann bei DHL, aufgerufen.

 

Beim Aufwärmen im Gewerkschaftshaus ist dann auch Gelegenheit, mit solidarischen Kolleginnen und Kollegen zu diskutieren, die heute in Streik stehen, aber (noch) nicht Mitglied der Gewerkschaft sind. Einige entschließen sich, diesen Schritt heute zu machen. Jetzt stärken sich alle mit einem Mittagessen, bevor sie zurück zum Uniklinikum ziehen, um die Streikposten für die Spätschicht zu bilden.

 

Eine der Rufparolen auf der Demonstration heute war: "Zusammen - geht mehr!" Nachdem heute die Beschäftigten der LVB, der Uni, der Landesdirektion und des Uniklinikums gemeinsam streiken, muss es eigentlich heißen: "Ohne uns - geht gar nichts!"