21 Häfen, sechs Länder
Meilenstein der Koordination und Zusammenarbeit: Europaweiter Kampftag der Hafenarbeiter
Auf Initiative von Gewerkschaften aus Griechenland (Enedep), dem spanischen Baskenland (LAB), der Türkei (Liman-Is), Marokko (ODT) und Italien (USB) zum gemeinsamen Streiktag gegen Krieg entwickelt sich ein neues Niveau der Koordinierung und Kooperation der Hafenarbeiter international: "Hafenarbeiter arbeiten nicht für den Krieg!"
„Der Streik wird stattfinden – ein Novum für Europa. Der Streik wird über Parteigrenzen hinausgehen und auch Arbeiter anderer Branchen, Studierende, Antikriegsaktivisten und all jene einbeziehen, die im Herbst auf die Straße gingen und streikten." (Pierpaolo Leonardi vom USB, 5. 2.26).
Der Aufruf richtet sich gegen die Aufrüstungspläne der EU und europäischer Regierungen zur Militarisierung von Häfen und strategischer Infrastruktur. Aber ebenso, dass die Aufrüstungspläne als Vorwand für weitere Privatisierung und Automatisierung von Häfen benutzt werden. Er bezieht klar Position gegen die Auswirkungen der Kriegswirtschaft auf Löhne, Rechte sowie Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Die Europa-Koordinierung der revolutionären Weltorganisation ICOR dazu am 24. Januar: "Dies ist eine hervorragende Möglichkeit der Koordinierung und Kooperation der Klassenkämpfe in Europa und ihrer Revolutionierung. Wir bitten all unsere Mitgliedsorganisationen, entsprechend ihren Möglichkeiten Kampf- und Protestaktionen, Kundgebungen, Streiks und weitere Aktionsformen am 6. Februar in den Häfen und Hafenstädten zu unterstützen bzw. selbst zu initiieren. Informiert weitere Teile der Industriearbeiterschaft, der kämpferischen Frauen- und Jugendbewegung.“
Die Initiative trug Früchte
Der Aufruf trug Früchte! Der Internationale Hafenarbeiteraustausch* für Europa hat seine mitarbeitenden Organisationen aufgerufen, den Streik- und Protesttag aktiv zu unterstützen. In Deutschland gab es kämpferische Aktionen in Hamburg, Rostock und Bremerhaven, von der MLPD aktiv unterstützt. In Rotterdam rief die Hafenarbeiterzeitung „De volle lading“ zum Kampftag auf, in Griechenland die Seeleute-Gewerkschaft P.E.N.E.N.: "Wir streiken für unsere Rechte, für sichere Arbeitsplätze, gegen Kriegspläne, Rüstung und die Umwandlung unseres Landes und unserer Häfen in Stützpunkte für imperialistische Interventionen." In 20 großen Mittelmehrhäfen wurde zu dem Kampftag aufgerufen. zu dem Kampftag aufgerufen. Und es gab Informationen, dass sich auch Hafenarbeiter aus den USA beteiligen.
Hamburg: Diskussionen am Kai und kämpferischer „Anti-Genocide Run“
Der Winter hat Hamburg fest im Griff, heute aber nur mit milden 1 Grad minus. Vor den Toren des Terminals von Eurogate treffen wir uns mit Schildern, Plakaten und Flugblättern. Wir sind Aktivisten des Hafenarbeitererfahrungsaustausches und Mitglieder der MLPD. Mit Sammlung von Unterstützungsunterschriften für den Aufruf „Hafenarbeiter arbeiten nicht für den Krieg“ wandten wir uns in Hamburg an die Kollegen vom Burchardkai (HHLA CTB), Eurogate Containerterminal Hamburg (CTH), vom Containerterminal Altenwerder (HHLA CTA) und an die Auszubildenden für Hafenberufe in der Berufsschule. Auch die Klare Kante (Kollegenzeitung) meldete sich mit einem Extra zu Wort.
Viele Kollegen, das bestätigte sich auch in vielen intensiven Gesprächen bei der Kundgebung am gestrigen 6. Februar vor dem CTH (Eurogate) sind für den Frieden. „Ja das ist genau richtig, was ihr hier macht!“ Aber gleichzeitig kommen dann Bedenken: „Was soll ich denn tun!“. Wir diskutierten bei der Kundgebung intensiv: Gerade weil heute ein Hafenarbeiter ein Vielfaches schafft im Vergleich zu früher, erzielt jeder Kollege in einem Streik ebenfalls ein Vielfaches an Wirkung. Ein Elektriker gab uns sofort Recht: „Ja wenn kein Strom mehr da ist, da bewegt sich keine Brücke mehr!“ Aber auch Bedenken: "Was wenn ich den Job verliere?“ Kollegen haben viel Sympathien mit der Aktion hatten, sind aber auch zurückhaltende. „Hier geht das zickig auf dem Kai zu!“ So deutete ein Kollege die verschärfte Ausbeutung und Unterdrückung an, wenn einer am Kai nicht in der Spur läuft.
Der Anti-Genocide-Run in der Hamburger Innenstadt konzentrierte sich auf die Betriebe, die besonders an dem Gaza-Krieg verdienen: Reedereien, Firmen und Institutionen, die im Hamburger Hafen beteiligt sind an Waffenlieferungen, an Aufrüstung, an der Unterstützung des Krieges gegen das palästinensische Volk und daran, den Hafen zum NATO-Hafen zu machen. Kundgebungen gab es unter anderem vor den Reedereien MSC, COSCO, Maersk, Hapag-Lloyd, der HHLA und dem amerikanischen Konsulat. Menschen aus verschiedensten Bewegungen und Organisationen: aus Friedensinitiativen, Palästina- und Venezuela-Solidarität, von „Kein NATO-Hafen“, „Waffenlieferungen stoppen“, Umweltgewerkschaft, Spartakist-Arbeiterpartei, MLPD und mehr. Mit großer Sachkenntnis machte der Vertreter von „Waffenlieferungen stoppen“ deutlich, wie etwa die weltgrößte Reederei MSC, mit der israelischen Reederei ZIM gemeinsam, neben Lebensmitteln auch Kriegswaffen und militärische Ausrüstung nach Israel liefert. 17.000 Kisten Munition gingen in den letzten drei Jahren von Hamburg aus per Schiff nach Haifa und Ashdod. Der hafenpolitische Sprecher der MLPD ging darauf ein, dass Kriege untrennbar zum Kapitalismus gehören und grundlegend abgeschafft werden, wenn dieses System durch ein sozialistisches weltweit abgelöst wird. Das sollte über allen Tagesforderungen nicht vergessen werden.
Am Hafenarbeiter-Aktionstag im Rostocker Überseehafen
Mit einem Plakat „Hafenarbeiter-Aktionstag – Hafenarbeiter arbeiten nicht für den Krieg!” verteilten Aktivisten den „Aufruf zu einem internationalen Tag des gemeinsamen Kampfes der Häfen”, kamen mit vielen Kolleginnen und Kollegen vor der Hafenkantine ins Gespräch und sammelten dafür mehrere Unterschriften. Bei einer aufgeschlossenen Stimmung wurde meist positiv und zustimmend reagiert: „Ja richtig, bin auch gegen Krieg.” „Sehe das auch so.” In den Gesprächen gingen wir vor allem auf den militärischen Ausbau auch des Rostocker Seehafens ein, was einigen neu war und sie auch nicht gut fanden: „Habe das auch gelesen, das ist schlimm!“ Dass damit ein neuer Weltkrieg vorbereitet wird, wird aber noch stark unterschätzt, wenn einer meinte: „Das ist übertrieben, soweit kommt es nicht.“ Hauptfrage war, dass die Hafenarbeiter eine große Verantwortung haben, sich klar gegen diese Kriegsvorbereitung zu stellen und nicht davor die Augen zu verschließen. „Ja, Generalstreik wäre gut“, meinte einer. Aber dazu müssen sich die Arbeiter viel stärker organisieren, gemeinsam kämpfen und sich international zusammenschließen. Diese Frage muss weiter geklärt werden. Dennoch erhielten wir einige Unterschriften für den Aufruf.
Mit großem Mut wurden in 21 Häfen in sechs Ländern Streiks organisiert
In Italien waren die Häfen in Palermo, Salerno, Civitavecchia, Genua, Livorno, Triest, Ravenna, Ancona, Bari, Crotone beteiligt. In Griechenland Piräus und Elefsina. In Spanien Bilbao und Pasaja. In der Türkei Antalya und Mursini. In Frankreich: Marseille und in Marokko: Tanger, Casablanca und Safi. Diese Streiks zeigten die führende Rolle der Arbeiterklasse im Kampf gegen die Vorbereitungen eines Dritten weltweiten imperialistischen Kriegs. In Italien zwangen die Streikposten das mit Waffen beladene Schiff „ZIM Virginia“ dazu, vor der Küste von Livorno zu ankern, da es nicht anlegen konnte. Das Gleiche galt für mehrere andere Schiffe. Am Freitagnachmittag wurden Streikversammlungen in einer Reihe von Häfen durchgeführt. In einer Erklärung betonte der USB-Gewerkschafter Jose Nivoi, dass ein solcher Streik beispiellos sei: „Es ist das erste Mal, dass Hafenarbeiter mit Forderungen mobilisieren, die nicht nur 'eng' Arbeitsfragen, sondern mit Forderungen, die mit moralischen und politischen Fragen zusammenhängen. Ziel der Blockaden ist es, den Betrieb der Häfen zu beeinträchtigen, um deutlich zu machen, dass wir Arbeiter uns nicht zu Komplizen der Kriegswirtschaft machen lassen! (…) Bis heute dauert der Völkermord an den Palästinensern an! Wir erklären klar und deutlich, dass wir als Hafenarbeiter den Export von Waffen aus unseren Häfen nach Israel nicht zulassen werden, um diesen Völkermord zu unterstützen und zu verstärken!“ Er fügte hinzu, dass dieser Streik ein wichtiges Beispiel für alle Gewerkschaften sei, die sich an Initiativen zur Koordinierung der Hafenarbeiter beteiligt haben. Am Freitagmorgen wurden auch im Baskenland (Nordspanien) in den Häfen von Pasaja und Santurce (in Bilbao) Streikposten aufgestellt. In einem Beitrag betonte die Gewerkschaft LAB, die die Organisation des Streiks angeführt hatte, wie wichtig diese Mobilisierung in den großen Häfen des gesamten Mittelmeerraums gewesen sei.
Großer erfolgreicher Streik in Piräus und Elefsina
Am 6. Februar sind die Arbeiterstadt Elefsina, die Werften, die Raffinerien, die Industriebetriebe und die großen Logistiklager, die Büros und Schulen sowie alle Dienstleistungen zum Erliegen gekommen! Gemeinsam streikten die Metallarbeiter der Werftreparaturzone, die Hafenarbeiter bei COSCO, die Seeleute. Der Hafen von Piräus ist von einem Ende zum anderen „lahmgelegt“, kein Schiff hat abgelegt, die Motoren der Schiffe bleiben ausgeschaltet, die Kräne an den Kais stehen still und in der Werftzone fällt kein Hammer.
Das Gleiche gilt für die Baustellen in Piräus und andere Arbeitsstätten. An den Kais 2 und 3, wo die Hafenarbeiter den Streik bewachen, bewegt sich kein Kran. Das Schiff „Faistos Pallas“ ist voll in der Hand der streikenden Seeleute und ihrer Gewerkschaft P.E.N.E.N. Die Beteiligung der Leiharbeiter in den Werften von Elefsina war durchweg hoch trotz der Versuche der Reeder, alle gegeneinander auszuspielen. Dutzende Gewerkschaften und Arbeiterorganisationen in Piräus, Thessaloniki, Patras und weiteren organisierten seit Wochen diese antimilitaristische und politische Aktion mit großem Erfolg. Respekt an alle. Die Sprecher der Gewerkschaften machten in den Versammlungen die ständig durchgeführt werden deutlich: „Täglich wächst die Armut in den Arbeiter- und Rentnerfamilien, in der ganzen Gesellschaft. Die Löhne sind am 15. des Monats aufgebraucht. Die Ursache liegt in der kapitalistischen Krise und dem Krieg, den sie vorbereiten.“