Hüttenwerke Krupp-Mannesmann (HKM)
Die Hütte bleibt! Der Kampf um jeden Arbeitsplatz geht weiter!
Überraschend wurde am Freitag bekannt gegeben: thyssenkrupp und Salzgitter haben sich geeinigt – HKM bleibt erhalten und wird unter alleiniger Regie von Salzgitter weitergeführt.
Thyssenkrupp verkauft seine Anteile zum 1. Juni 2026 an Salzgitter, Valourec (hält noch 20%) muss noch zustimmen. Die für 2032 gekündigte Brammenlieferung von HKM an ThyssenKrupp Steel (tkSE) endet vorzeitig 2028. Die Produktion wird halbiert, die Hochöfen werden stillgelegt, ein Elektrolichtbogenofen wird gebaut. Für diesen Neubau ist Salzgitter „all in“ gegangen: Vorbereitungsarbeiten laufen bereits, denn die Zusage für stattliche staatliche Subventionen laufen in zwei Jahren aus. 200 Millionen Euro will der Staat auf Kosten der Steuerzahler locker machen.
Damit ist die Drohung von Lopez, HKM komplett zu schließen vom Tisch! Das ist zweifellos auch ein Erfolg der Warnstreiks und der kämpferischen Aktionen der HKM-Kollegen der letzten Tage und Wochen und der wachsenden Solidarität anderer Belegschaften. War beim ersten Warnstreik die Stimmung „gut dass endlich was passiert“ so hatte sich zuletzt mehr und mehr durchgesetzt „dass endlich mehr passieren, richtig gestreikt werden muss.“ Offensichtlich kamen die Konzernvorstände schwer unter Druck und wollen dringend vermeiden, dass es zum angekündigten unbefristeten Streik kommt. Könnte ein solcher Streik womöglich noch Schule machen bei anderen Belegschaften, die derzeit gegen Schließungen und Entlassungen kämpfen! Könnte ein solcher Streik womöglich noch selbständig geführt werden, angesichts des kastrierten Streikrechts für die Gewerkschaften!
Also: Aufatmen, gute Nachricht für die Region, Perspektive für die Belegschaft – wie die Verlautbarungen der Konzerne und die Medien suggerieren? Mitnichten! Die Beschlüsse bedeuten die Vernichtung von 2.000 der derzeit noch 3.000 Arbeitsplätze bei HKM. An jedem Stahlarbeitsplatz hängen fünf weitere bei Lieferanten, Fremdfirmen, Logistik usw. Deshalb kann es auch keine „sozialverträgliche Lösung“ durch Salzgitter geben, auf die der Betriebsrats-Vorsitzende setzt. Denn jeder vernichtete Arbeits- und Ausbildungsplatz fehlt der Jugend und der ganzen Region!
Und das, wo bei tkSE selbst bereits 5.000 Arbeitsplätze vernichtet und 6.000 ausgelagert werden sollen. Die Kollegen wollen um jeden Arbeitsplatz, nicht nur um jeden dritten kämpfen. Deshalb drohen Lopez & Co, die Alternative sei nur die komplette Stilllegung! Nein! Eine wirkliche Alternative für die Stahlarbeiter und ihre Familien ist der Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz – gemeinsam mit den anderen Stahlbelegschaften und einer breiten Solidarität. Für die sofortige Einführung der 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich, Aufstockung der Sollstärken in den Abteilungen statt verstärkter Arbeitshetze, für die Schaffung notwendiger Ersatzarbeitsplätze durch die Konzerne!
Für diesen Kampf ist lehrreich, was derzeit bei tkSE geschieht: kaum ist der Sozialtarifvertrag zwischen IG Metall und Konzern vereinbart, wird er in Frage gestellt. Jindal fordert für eine Übernahme von tkSE, gewerkschaftliche Rechte zu schleifen und weitere 3.000 Arbeitsplätze zu vernichten. Mit dem Verkauf von HKM will Lopez dafür den Weg frei machen. Gleichzeitig setzt bei tkSE ein Massenmobbing gegen Kranke ein, werden Ausgliederungen zu schlechteren Löhnen und Arbeitsbedingungen vorangetrieben, ein kämpferischer Betriebsrat abgemahnt. Auch hier gilt: Der Kampf geht in die nächste Runde!
Die Stahlbelegschaften haben es in der Hand, Verantwortung für die Zukunft, für die ganze Richtung in der Gesellschaft zu übernehmen! Warum jetzt den Kampf abbrechen, wo unsere Kampfkraft Wirkung zeigt? „Stahl hat Zukunft!“, so die Parole der IG Metall. Ja! Aber die Stahlkonzerne interessiert nicht die Zukunft, sondern ihr heutiger Profit. Und der muss maximal sein. Dafür wird der Weltstahlmarkt neu geordnet, mit Hauen und Stechen, mit „Kriegstüchtigkeit“ für einen Dritten Weltkrieg, auf Kosten von Mensch und Natur.
Deshalb gehört in unsere Auseinandersetzungen die Frage nach einer gesellschaftlichen Alternative, um den echten Sozialismus. Der Vertrauenskörper-Leiter von tkSE hat es bei der Kundgebung an Tor 3 bei HKM auf den Punkt gebracht: „Wenn die Frage steht: wofür sollen wir kämpfen? Dann geht in die Kinderzimmer, nehmt die Decke zurück und schaut Eure Kinder an!“
Für diesen Kampf müssen wir besser organisiert sein als Konzerne und Regierungen. Wir brauchen das Selbstvertrauen, unseren eigenen Plan zu verfolgen, statt auf diesen oder jenen Konzernplan zu setzen (der morgen bereits wieder Makkulatur ist). Wir brauchen unsere Gewerkschaft als Kampforganisation; Kollegenzeitungen wie den „Stahlkocher“, in denen wir selbst zu Wort kommen. Die Betriebsgruppen der MLPD haben das Know-how, solche Kämpfe zu führen, stehen für den Weg der Arbeiteroffensive und der Abschaffung jeder Ausbeutung von Mensch und Natur. Antikommunistische Attacken einiger Betriebsräte sind deshalb mehr als fehl am Platze. Im Gegenteil: die Stärkung der Betriebsgruppen der MLPD ist derzeit sicher nicht die schlechteste Investition in die Zukunft!