Glosse

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Der politische Aschermittwoch der CSU in Passau

Der Politische Aschermittwoch hat in Bayern eine lange Tradition. Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten sich in Vilshofen an diesem Tag die Bauern zum Viehmarkt getroffen. Dabei feilschten sie nicht nur um Tierpreise, sondern nahmen beim Bier auch die bayerische Regierung ins Visier.

Korrespondenz aus Salzgitter

Damals gab es noch keine CSU. Seit es die CSU gibt, ist davon fast nur das Bier geblieben und die Reden der bayerischen Politprominenz, also die Reden jener, die früher im Visier der Teilnehmer stand.


Der Bayerische Rundfunk gönnt uns alljährlich einen Einblick in diesen Aschermittwoch. Wir kennen die Bilder: sich selbst feiernde Politiker und ein grölendes Publikum, bei dem die Menge des Bierverbrauchs im Vordergrund zu stehen scheint, mit allen Folgeerscheinungen der Düngung der Pflanzenwelt außerhalb des Bierzeltes.


Welche Bedeutung der Aschermittwoch der CSU hat, erklärten uns in der Vergangenheit bereits ihre Anführer in ihren Reden! So der Problembär Stoiber: „Die CSU ist durch den Politischen Aschermittwoch weltpolitikfähig geworden." Für Monika Hohlmeier (geb. Strauß) hat der Aschermittwoch für die CSU eine „politische Leitfunktion“. Und Ministerpräsident Markus Söder: „Der Politische Aschermittwoch ist nicht irgendeine Veranstaltung, sondern eine wichtige Standortbestimmung. Hier wird der Kompass neu ausgerichtet."


Es bedarf der CSU also eines Zeltes bierseliger, haxengefüllter Leiber, um ihre politische Marschroute zu definieren – bis zum nächsten Aschermittwoch. Das erklärt auch die Worte von Edmund Stoiber (bei anderer Gelegenheit): „Wenn ich die CSU ansehe, die Repräsentanten dieser Partei, an der Spitze in den Ländern, in den Kommunen, dann bedarf es nur noch eines kleinen Sprühens sozusagen, in die gludernde Lot, in die gludernde Flut … Und deswegen in die lodernde Flut, wenn ich das sagen darf." Na denn: Oans, zwoa, Gsuffa.