Ukrainekrieg
12 Menschen sterben bei Angriff russischer Drohne auf Bus
Zwölf Tote und sechzehn Verletzte, neun von ihnen schwer. Das ist die Bilanz des Angriffs einer russischen Drohne auf einen Bus mit Angestellten des Kohlebergbauunternehmens DTEK bei Pawlohrad im Oblast Dnipropetrowsk. Neun der Getöteten waren Bergleute. Es ist ein weiteres Kriegsverbrechen an Unschuldigen.
Der Bus fuhr die Kumpel mit weiteren Angestellten von der Schicht nach Hause, als er gegen drei Uhr nachmittags örtlicher Zeit am 1. Februar von einer Drohne getroffen wurde, in Brand geriet und gegen eine Halle fuhr. Bis in die Nacht wurde das Werk angegriffen, wobei mehrere Gebäude beschädigt, aber niemand weiteres getötet wurde.
Bei der Explosion oder dem folgenden Feuer verloren diese Minenarbeiter ihr Leben:
- Denys Boikov, stellvertretender Abteilungsleiter
- Yevhen Tarasenko, Abteilungsmechaniker
- Vitalii Bulash, Bergbauvorarbeiter
- Ruslan Chichiekov, Bergmann
- Denys Karmelytskyi, Reparaturarbeiter für den Bergbau
- Mykola Dovbysh, Bergmann
- Roman Lysohoria, Bergbaumaschinenführer
- Andrii Smorhunov, Bergmann
- Roman Mukhonko, Untertage-Elektriker
Schwer verletzt, weil er anderen half
Der Chefarzt des Regionalkrankenhauses Dnipropetrowsk sagte, dass die überlebenden Opfer des Angriffs von den Bergleuten unterstützt werden. Einer von ihnen ist der 22-jährige Dmitry, der seine gesamte Familie versorgt da sein Vater auf Grund einer Behinderung nicht arbeitsfähig ist. Er sprang nach der ersten Explosion aus dem brennenden Bus.
Obwohl Dmitry dem Inferno damit weitgehend unverletzt entkommen war, begann er dann, seine verletzten Freunde aus dem brennenden Wrack herauszuziehen. Bis er bei einer weiteren Explosion doch noch schwer verwundet wurde. Seither wurde er zwei Mal operiert. Die internationale Solidarität mit den Bergleuten ist jetzt wichtig; die internationale Bergarbeiterkoordinierung hält Kontakt zu Bergleuten auch in der Ukraine.
Missbrauch und Schweigen
Die ukrainische Kriegsdemagogie hat den Fall von vorne herein in einer rassistisch-hetzerischen Art aufgegriffen hat. In einer frühen Erklärung heißt es schon: „Світла пам'ять тим, чиї життя обірвали російські нелюди.“ („Wir gedenken derer, deren Leben von russischen Unmenschen ausgelöscht wurde.“), wobei „російські нелюди“ sich nicht ganz ins Deutsche übertragen lässt – „russische Nicht-Menschen“ wäre eine wörtlichere Übersetzung, oder umgangssprachlich: russische Monster. Die Artikel lassen wenig Zweifel daran, dass sich diese Entmenschlichung an alle Russen richtet. Dieses Verbrechen dafür zu instrumentalisieren, objektiv ukrainische Arbeiter auf russische Arbeiter zu hetzen, ist schändlich, aber schmälert das Verbrechen der russischen Militärs nicht.
Ungewöhnlich ist das Schweigen in den russischen Medien: Wenn sonst der Kreml spätestens am nächsten Tag gewöhnlich eine Erwiderung zu ukrainischen Meldungen in einen nur als „nasal“ beschreibbaren Tonfall herausgibt, schweigt der Kreml völlig. Eine einzige Tass-Mitteilung berichtet von einem Angriff auf das Werk der DTEK bei Pawlohrad. Keine Erwähnung des Busses, keine Erwähnung von Opfern, keinerlei Details. Woran das liegt, kann man nur spekulieren, aber wahrscheinlich geht die russische Führung sowohl davon aus, diese Sache nicht drehen zu können, als auch davon, dass die Sympathie der russischen Massen hier bei den sinnlos getöteten Arbeitern liegen würde. Zumal das Putin-Regime den Krieg nach wie vor angeblich zur Befreiung der ukrainischen "Brüder und Schwestern" führt.
Ob der Angriff auf den Bus planvoll war, oder übereifrig oder was auch immer – man kann es nicht wissen. Aber das ändert nicht viel, denn das russische Militär greift zivile Ziele der Infrastruktur genau so hemmungslos an, wie das ukrainische Militär solche Ziele in Russland, und damit nimmt man den Tod von Arbeiterinnen und Arbeitern von vorne herein zumindest billigend in Kauf. ABer bewiesen ist: Russland greift auch ganz gezielt Bergwerke an und damit Bergleute. So wurde am 12. Dezember das selbe Werk über sechs Stunden angegriffen, wobei zwei Menschen starben. Insgesamt gab es sieben Angriffe in den letzten zwei Monaten. Am 22. Januar war auch die Stadt Pawlohrad selbst Ziel russischer Drohnenangriffe, wobei acht Häuser und vier Autos getroffen sowie eine Frau verletzt wurde. Es ist ekelhaft, wie die Kreml-Propaganda und auch deutsche Nachbeter trotzdem immer behaupten, Russland wende sich ja nur gegen militärische Ziele.
Wieder beweist dieser Krieg seine ungerechte Natur
Die MLPD verurteilt diesen Angriff auf unschuldige Arbeiter und Angestellte - ob absichtlich oder nicht handelt es sich hier um ein Kriegsverbrechen in einem auch ansonsten verbrecherischen Krieg. Wir verurteilen es aber auch, dass Verbrechen zu missbrauchen, um einen Keil zwischen die ukrainischen und russischen Arbeiter zu treiben. Die imperialistische Kriegsführung offenbart sich und belegt anschaulich, dass dieser Krieg von beiden seiten ein ungerechter Krieg ist, der nicht dem Wohl der Menschen dient. Wir trauern um die Opfer und drücken unser Beileid und Mitgefühl den Familien und den Verletzten aus.