Zukunft statt Kündigung

Zukunft statt Kündigung

Warnstreik vor der Thyssenkrupp-Hauptversammlung in Bochum

Bis zu 800 Stahlkolleginnen und Stahlkollegen führten im Rahmen einer Warnstreik-Aktion eine Protestkundgebung vor der Thyssenkrupp-Hauptversammlung in Bochum durch. Sie kamen vor allem von HKM Duisburg, teils auch von Thyssenkrupp Duisburg und Delegationen von anderen Standorten, sowie einige von den sogenannten „Neben“betrieben.

hs/of
Warnstreik vor der Thyssenkrupp-Hauptversammlung in Bochum
Die Auszubildenden waren aktiv und begeistert mit dabei - es geht um ihre Zukunft! (rf-foto)

Während sie gegen die Vernichtung von Tausenden Arbeitsplätzen bis hin zur Schließung ganzer Werke kämpfen, soll heute auf der Aktionärs-Hauptversammlung eine Dividenden-Ausschüttung in Höhe von knapp 100 Millionen Euro beschlossen werden. „Sowas von unverschämt und empörend!“ war noch das harmloseste, was die anwesende HKM-Belegschaft dazu meinte. Auf der Frühschicht stehen heute weite Teile des Duisburger HKM-Werks, so ein Hochofen, das Stahlwerk und die Lehrwerkstatt beteiligte sich geschlossen daran; andere Bereiche fuhren nur gedrosselt.

 

Entgegen den Verlautbarungen in vielen Medien, waren nicht ein Sozialplan oder Abfindungszahlungen, die sich im Grunde mit der Arbeitsplatzvernichtung abfinden, das Hauptanliegen der Mehrheit der Streikbeteiligten. Sondern der Kampf um die Arbeits- und Ausbildungplätze. Den meisten Jubel und Beifall gab es dann auch, wenn dies in Reden gefordert wurde, sowie der Aufforderung eines Gewerkschaftsvertreters: "Der Mensch gehört in den Mittelpunkt, nicht die Rendite". Treffend stand auf einem hochgehaltenen IG-Metall-Plakat "Zukunft statt Kündigung“.

 

Das erste Lehrjahr war begeistert von der Teilnahme am Warnstreik. „Wir haben doch gerade erst angefangen, damit wir arbeiten gehen können. Das lassen wir uns doch nicht wieder nehmen!“, so ein ganzer Trupp Lehrlinge. Auf die Skepsis eines ihrer Kollegen, „bringt das denn überhaupt noch was“, entgegneten sie: „Du spielst doch Fussball im Verein, sprichst du da etwas auch so bei einem Spiel? Wer nicht kämpft hat doch schon eine Niederlage.“ Dem konnte er nur zustimmen. Eine Gruppe von Azubis aus Bochum ging es nicht nur um den Kampf um den Arbeits- und Ausbildungsplatz, sondern für sie war auch die Solidarität mit Palästina sehr wichtig. Sie wollen mit dem Jugendverband REBELL zusammenarbeiten.

 

Viele wünschen sich gemeinsame Streikaktivitäten der Belegschaften von HKM, Thyssenkrupp und auch der Nebenbetriebe. „Die BussHGK-Hafen-, HKM-, Thyssenkrupp-Mannschaft – Gemeinsam!“ war auf einem Schild zu lesen. Dafür gibt es am kommenden Montag die nächste gute Gelegenheit, wo bei HKM gestreikt wird. Ein älterer Kollege meinte: »Alle müssten mitmachen, auch die Dortmunder, die Bochumer, die vom Duisburger Norden. Aber das wird ausgebremst, das ist Politik.« Da ist noch Klärungsbedarf, damit die Arbeiterinnen und Arbeiter die reformistische Klassenzusammenarbeit so gründlich kritisieren, dass sie sich ihrer Stärke bewusst werden und sich ihr Recht auf gewerkschaftliche und selbstständige Streiks nehmen. Einige Adressen wurden ausgetauscht, um darüber weiter zu beraten.

 

Leider wurde die Aktion schon nach knapp einer Stunde wieder beendet. „Viel zu kurz, da sind wir ja länger auf der Autobahn als hier bei der Aktion.“ Doch an die Schippe geht es heute auf der Frühschicht nicht mehr, sagen die Kollegen: „Das ziehen wir jetzt bis 13 Uhr schon durch, wir fahren nicht mehr an. Da steht nur noch Duschen auf dem Programm.“