Große Herausforderungen

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Was tun gegen die massive Arbeitsplatzvernichtung?

„Die Zeiten sind längst vorbei, wo man, wie ich, nach der Ausbildung bis zur Rente im selben Betrieb gearbeitet hat,“ sagt ein Mercedes-Arbeiter aus Mannheim. Heute müssen Jung und Alt, quer durch fast alle Branchen, befürchten, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.

Von gp
Was tun gegen die massive Arbeitsplatzvernichtung?
Kämpferische Automobilarbeiter protestieren vor dem Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart am 24. November 2025 (rf-foto)

Allein die im DAX und M-DAX geführten Monopole haben die Vernichtung von 186.000 Arbeitsplätzen angekündigt. Rechnet man die kleineren und mittleren Betriebe hinzu, kommt man leicht auf weit über 200.000 Arbeitsplätze, die zur Disposition stehen. Zudem sind massenhaft Ausbildungsplätze betroffen. Die Automobilindustrie steht bei der Arbeitsplatzvernichtung an der Spitze, in der Qualität nur vergleichbar mit der Vernichtung der Kohlebergbauarbeitsplätze im Ruhrgebiet.


Arbeitsplatzvernichtung in der Autoindustrie:

Oktober 2025 gegenüber 2024 Minus 47.008;

gegenüber 2018 Minus 112.357

Arbeitsplatzvernichtung in der Metallerzeugung:

2025 gegenüber 2018 Minus 80.310

Arbeitsplatzvernichtung im Maschinenbau:

2025 gegenüber 2018 Minus 53.501

 

Dazu wälzen insbesondere die Autokonzerne ihre Krisenlasten auch auf die Zuliefererindustrie ab. So wurden bei den Automobil-Zulieferfirmen von 2019 bis 2025, bezogen auf die Gesamtarbeitsplätze, mit 16 Prozent doppelt so viele Arbeitsplätze vernichtet, wie in der Automobilindustrie mit 7,8 Prozent.

Kräfteverschiebung auf dem Automobil-Weltmarkt

Die Arbeitsplatzvernichtung in der Autobranche hat hauptsächlich folgende Gründe: Die nach wie vor in Deutschland wirkende Überproduktionskrise fällt mit zwei Strukturkrisen als Folge der Umstellung auf nichtfossile Antriebe und Digitalisierung zusammen. Außerdem hat sich eine Kräfteverschiebung auf dem Automobil-Weltmarkt entwickelt. Das ist unter anderem ein Grund, weshalb die Autoproduktion in Deutschland von 6,2 Millionen 2006 auf 4,1 Millionen 2023 gesunken ist. Eine wichtige Rolle, gerade bei den Zulieferern, spielt auch die Verlagerung von Produktionen nach Osteuropa.

 

Die Gewichtungen der verschiedenen Ursachen muss noch genauer untersucht werden. Dazu sind Kolleginnen und Kollegen aufgefordert, der Roten Fahne Redaktion die Analysen „ihres“ Werks bzw. „ihres“ Konzerns zukommen zu lassen.

 

Mit der Neuorganisation der weltweiten Autoproduktion ab 1990 haben sich Produktion und Nachfrage in die asiatischen Länder verlagert. Im Jahr 2023 wurden fast 60 Prozent aller Kraftfahrzeuge weltweit in Asien gebaut und fast 50 Prozent dort verkauft. Dieser Entwicklung sind die deutschen Autokonzerne gefolgt. So hat VW in China 39 Werke. Doch auch dort verliert VW Marktanteile. Von 14,5 Prozent 2023 auf 10,9 Prozent 2025. Die chinesischen Konkurrenten haben Boden gut gemacht, und außerdem sitzt bei vielen Chinesen das Geld für teure deutsche Autos nicht mehr so locker.

Was ist, wenn nicht mehr so viel Stahl gebraucht wird, nicht mehr so viele Autos verkauft werden können?

Viele Kolleginnen und Kollegen sind angesichts dieser Lage verunsichert. Wenn die Autoindustrie nicht mehr so viele Autos baut, braucht sie auch weniger Stahl. Und wenn sich der Automarkt nach Asien verlagert, werden zwangsläufig in Deutschland weniger Autos produziert. Ist da der Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz nicht eine Illusion, ein Kampf gegen Windmühlenflügel?


Die Arbeiterinnen und Arbeiter müssen ihre Arbeitskraft an die Kapitalisten und Monopole verkaufen, damit sie und ihre Familien überhaupt leben können. Die Forderung nach dem Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz ist eine Klassenforderung, die das zum Ausdruck bringt. Natürlich fordern die Stahlarbeiter keine Arbeitsplätze unbedingt am Hochofen, wenn der durch eine umweltfreundlichere Direktreduktionsanlage ersetzt werden kann. Unter der Profitmaxime im Kapitalismus ist es aber für sie ein Problem, dass damit auch weniger Personal eingesetzt werden soll. Genauso wenig können die Automobilarbeiter die strikte Aufrechterhaltung einer Montagelinie "auf Teufel komm raus" fordern, wenn die Produktion nachhaltig gesunken ist.

 

Sollen die Kolleginnen und Kollegen sich aber deshalb der kapitalistischen Logik beugen und die Vernichtung von tausenden Arbeits- und Ausbildungsplätzen als unabwendbares Schicksal hinnehmen? Das können sie aufgrund ihrer Klassenlage und auch im Interesse der Zukunft der Jugend nicht, denn sie sind auf die Arbeitsplätze angewiesen, unabhängig vom krisenhaften Auf und Ab der kapitalistischen Produktion.

 

Deshalb ist der Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz für die Stahl- und Automobilarbeiter erst recht ein Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit - und zwar bei vollem Lohnausgleich. Sowie zur Schaffung von gleichwertigen Ersatzarbeitsplätzen auf Kosten der Konzerne. Im Umweltschutz, Nahverkehr, Pflege usw. gibt es genügend Arbeit, die gesellschaftlich nützlich und notwendig ist. Das wird allerdings nur durch hart geführte gewerkschaftliche und selbständige Streiks durchzusetzen sein!

 

Noch bevor die Forderungen gestellt werden, geht das Gejammer der Konzernbosse los. „Wir haben kein Geld.“ „Wir brauchen das Geld für unsere Wettbewerbsfähigkeit“, usw. Von wegen, kein Geld ist da. 2025 haben sich allein die Aktionäre der 40 Dax-Konzerne 54 Milliarden Euro angeeignet. Alles Geld, das aus den Kolleginnen und Kollegen gepresst wurde. Das Problem für das Finanzkapital ist nicht zu wenig Kapital, sondern zu viel, mit dem dann an der Börse spekuliert wird.

Loslösung von der Kapitallogik

Deshalb gilt es, mit dieser Kapitallogik zu brechen. Das wirkt befreiend, setzt ungeahnte Kräfte frei. Und die werden gebraucht im Kampf zur Verteidigung und Verbesserung unserer Lebensverhältnisse, im Kampf gegen die drohende Gefahr eines Dritten Weltkriegs, gegen die akute faschistische Gefahr und gegen die ungebremste weitere Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur. Und letztlich, um diesem überlebten und verkommenen System endlich ein Ende zu bereiten. Die Welt schreit nach einer sozialistischen Perspektive. Warum sollten die Arbeiter, die alle Werte aus den Naturstoffen verarbeiten, nicht auch den Staat führen können? Wie schon Lenin sagte: „Die Köchin lernt, den Staat zu führen.“