Chemieindustrie
Strategische Bedeutung für den deutschen Imperialismus
Am 11. Dezember 2025 wurde unter Federführung der Bundesregierung der Auftakt für eine Chemieagenda 2045 „Für eine starke und wettbewerbsfähige Chemieindustrie in Deutschland und Europa“ eingeleitet.
Dabei waren führende Chemieunternehmen, der VCI (Verband der Chemieindustrie), Bundes- und verschiedene Vertreter aus Länderregierungen und Gewerkschaftsvertreter. Bundeskanzler Friedrich Merz hat diese Agenda zu seiner Chefsache erklärt. „Ohne innovative Chemie keine leistungsfähigen Batterien, keine Impfstoffe, keine klimafreundlichen Kunststoffe, keine sauberen Produktionsprozesse. Deutschland braucht die Chemie und die Chemie braucht ein Deutschland, das an seinen industriellen Kern glaubt und ihn entschlossen stärkt.“ (Bundesministerin K. Reiche, Pressemitteilung 11.12.25)
Ziel ist es, diese Agenda bis Frühjahr 2026 zu entwickeln. Diese kurze Zeit ist ein Hinweis darauf, wie wichtig ihnen diese Angelegenheit ist. Die Pressemitteilung für die breite Berichterstattung gedacht, kommt harmlos daher: Der VCI wird in einem Positionspapier zur Ammoniakproduktion schon deutlicher: „Als Basischemikalie dient Ammoniak der Herstellung zahlreicher Produkte, darunter Dünge- und Arzneimittel, Fasern, Papier, sowie Kunst- und Sprengstoffe. … Die Verteidigungsfähigkeit sowie Durchhaltefähigkeit Deutschlands kann nur mit einer resilienten lokalen Wertschöpfungskette ohne Importabhängigkeiten (z.B. Munition- / Sprengstoffherstellung) sichergestellt werden.“ (VCI 30.10.2025)
Diese Agenda ist eine Maßnahme im verschärften internationalen Konkurrenzkampf und bei der Umstellung auf Kriegswirtschaft. Ohne Chemieindustrie keine moderne Kriegsführung.
Für die Munitionsherstellung: Nitrozellulose für Treibladepulver, Erdöl- und synthetische Kraftstoffe, Medikamente, auf der einen Seite. Desinfektionsmittel, Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen Waffen, aber auch für deren Forschung und Produktion auf der anderen Seite. Um nur einige Punkte zu nennen.
Besonders stärker beachten sollten wir den Einsatz von Chemiewaffen, der heute mit der entwickelten Luftwaffe und Drohnen wieder möglich wird, ohne die eigenen Truppen zu gefährden. Im Zweiten Weltkrieg, der ein Bewegungskrieg war, wurden vor allem deshalb keine Chemiewaffen
eingesetzt. ( siehe RW 22 S. 62)
Offiziell werden keine Chemiewaffen in Deutschland produziert. Bei der Produktion von Insektiziden/Pestiziden werden chemische Substanzen hergestellt, die ganz gezielt Lebewesen und Pflanzen töten. Liest man auf der offiziellen Internetseite von Bayer Agrar die Einteilung insektizider Wirkstoffe, kann einem ganz anders werden. Unterschieden wird zwischen Fraß-, Atem- und Kontaktgiften. Ganz genau erforscht sind die unterschiedlichen Wirkmechanismen, nach Nervengiften, Energieblockern, Wachstumsregulatoren und Häutungshemmern. Diese Gifte wirken auch bei Menschen, im Sprachgebrauch von Bayer "Warmblüter".
Der Schritt, diese als chemische Waffen einsetzen zu können, ist nicht groß, und das Wissen aus zwei Welt- und anderen Kriegen wie Vietnam ist vorhanden. Aus diesem Grund (neben der Umweltfrage) gilt auch höchste Wachsamkeit, wenn der VCI fordert, dass die EU die Kontrollen bei Chemikalien auf „gefährliche Eigenschaften“ (VCI Position 22.10.25) lockern soll.
Das gilt es abzulehnen. Die Beschäftigten in der Chemieindustrie stehen hier im Kampf für das Verbot und die Vernichtung aller ABC- Waffen vor einer Herausforderung. Ebenso sollte dieser Kampf in der Friedensbewegung wieder mehr Raum einnehmen.