Industriell erzeugte Treibhausgase

Industriell erzeugte Treibhausgase

Schwefelhexafluorid (SF6) – Umweltskandal in Baden-Württemberg

Die Bedeutung bestimmter Treibhausgase wird in der öffentlichen Diskussion vernachlässigt. Mengenmäßig hat das durch die Verbrennung fossiler Energieträger erzeugte CO2 den größten Anteil an der Destabilisierung der im Verlauf der Evolution herausgebildeten Gaszusammensetzung der Erdatmosphäre.

Von dr
Schwefelhexafluorid (SF6) – Umweltskandal in Baden-Württemberg
Bild vom Umweltkampftag in Ulm 2024 (rf-foto)

Einseitige Diskussionen um die „Decarbonisierung“ vernachlässigen den Treibhauseffekt neuer industriell erzeugter Treibhausgase, die durch ihre lange Lebensdauer und Stabilität die Klimaveränderungen beschleunigen und nachhaltig manifestieren. 

Frankfurter Universität misst größere Mengen SF6

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität in Frankfurt am Main registrierten in ihrer Messstation im Taunus seit 2020 hohe Mengen SF6, wenn der Wind aus Süden kam. Durch Kombination mit Daten des internationalen Messwerknetzes (ICOS) deckten sie 2023 den Verursacher auf, das Werk des belgischen Chemiekonzerns Solvay in Bad Wimpfen bei Heilbronn. Solvay hat 9000 Beschäftigte in 40 Ländern. In Bad Wimpfen ist die europaweit einzige Produktionsanlage für SF6. Das Treibhausgas ist chemisch sehr stabil, farb- und geruchlos, ungiftig und nicht ozonschädigend. Aber eine Tonne heizt die Erde über 100 Jahre gerechnet etwa 25.000-mal so stark auf wie eine Tonne CO2. Es verbleibt 3.200 Jahre in der Atmosphäre. Trotz dieser Kenntnisse nutzte der Sportartikelhersteller Nike es 14 Jahre weiter in den gedämpften Turnschuhen der Air-Serie. Umwelt egal, Hauptsache der Profit stimmt. Viele Jahre wurde es in schallisolierten Fenstern eingesetzt, heute vor allem als Isolator in elektrischen Schaltanlagen in der Stromnetzinfrastruktur (80 Prozent), aber auch als Ätzgas in der Halbleiterindustrie.

Systematische Fälschung durch Solvay

In der EU müssen Industriebetriebe ihre Emissionen an die verantwortlichen Behörden melden, SF6-Emissionen ab 50 Kilogramm. Solway gab lange Emissionen von 60 Kilogramm pro Jahr an, für 2024 310 Kilogramm. Das Forscherteam aus Frankfurt schätze dagegen die Menge auf 30 Tonnen pro Jahr, also 500 mal soviel, wie Solvay offiziell angab. Das ist ein Drittel aller SF6-Emissionen in Deutschland, der andere Teil entweicht beim Recycling oder im Betrieb SF6-haltiger Anlagen. Das Management hatte jahrelang bewusst gelogen. Die über Abluftkamine emittierte Menge entspricht einem Äquivalent von 730.000 Tonnen CO2, vergleichbar mit dem Klimaschaden von 250.000 Langstreckenflügen. Schon 2010 warnten Wissenschaftler, dass die von ihnen gemessenen SF6-Emissionen höher sind, als die von den Ländern an die Vereinten Nationen gemeldeten Mengen. Die „Sachstandsberichte“ des Weltklimarates (IPPC) verfälschen dadurch die reale Entwicklung.

Umweltministerium deckt Umweltverbrechen

Im Juni 2023 informierte das Forscherteam das baden-württembergische Umweltministerium und das Regierungspräsidium Stuttgart über ihren Verdacht. Doch statt sofort Maßnahmen anzuordnen, stellt das von der Grünen-Politikerin Thekla Walker geführte Umweltministerin deren Studie zunächst in Frage, „da es noch andere Verwender von SF6 im Regierungsbezirk Stuttgart gäbe.“ Da muss man schon tief gesunken sein, sich so rauszureden, nur um Konzerne wie Solvay zu decken. Erst 2025 erließ es strengere Auflagen, gegen die Solvay klagte. Inzwischen hat Solvay die Emissionen gesenkt, aber der vorgegebene Wert ist immer noch um das Zehnfache über den zu weichen Vorgaben. Die Deutsche Umwelthilfe erstattete am 11. Dezember 2025 Strafanzeige wegen Luftverunreinigung. Ein zwischen Land und Solvay vereinbarter Testlauf bis Mitte Mai 2026 soll Emissionen weiter reduzieren. Jetzt versuchen sich angesichts der anstehenden Landtagswahlen die bürgerliche Parteien reinzuwaschen, vor allem die CDU mit der Kritik, dass sie nicht informiert wurden. Dabei sitzen doch die Vertreter der CDU als Koalitionspartner auch in allen Ämtern und Ministerien. Und außerdem sind alle gemeldeten Emissionsdaten öffentlich (Thru.de). Die von den Monopolparteien geäußerte Empörung ist reine Heuchelei.

Verbot von SF6 weltweit – Jedes Gramm ist zuviel!

Die Verwendung von SF6 in Schaltanlagen von Windkraftanlagen nutzte die AfD in ihrem Feldzug, um diese als umweltschädlich zu verteufeln. Was die „umweltbesorgte“ AfD aber selektiv bewusst weglässt, ist, dass SF6 breit in allen elektrischen Schaltanlagen in der Stromnetzinfrastruktur eingesetzt wird, also auch bei Umspannwerken, Atom- und Kohlekraftwerken, die sie ausbauen will. Solch einer verlogenen Partei darf man kein Wort glauben. Die weltweite Produktion von SF6 beträgt derzeit etwa 8.000 Tonnen pro Jahr. China ist der größte Produzent. Pro Jahr emittiert China 5.160 Tonnen, die USA 480 Tonnen und die EU 250 Tonnen. Ein weltweites Verbot von SF6 muss durch den aktiven Widerstand der Volksmassen erkämpft werden. Bestehende Anlagen müssen umgebaut und bis dahin ständig auf Leckagen kontrolliert werden.