Arbeitszeit
„Hände weg vom Acht-Stunden-Tag – Mit Macht für die Acht!“
Nach dem Vorschlag der Bundesregierung soll der Acht-Stunden-Tag abgeschafft und durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit ersetzt werden.
Die beträgt im Augenblick noch 48 Stunden. Abweichend davon sind nach dem bestehenden Arbeitszeitgesetz bereits jetzt vorübergehend bis zu 60 Stunden (zehn Stunden / Tag) zulässig, sofern innerhalb von sechs Monaten oder 24 Wochen ein Ausgleich auf durchschnittlich 48 Stunden erfolgt. Diese Flexibilisierung reicht den "Unternehmer"-Verbänden schon lange nicht mehr.
Ein Korrespondent schreibt dazu: „Damit wird der Ausbeutung der Beschäftigten Tür und Tor geöffnet. Die tägliche Arbeitszeit könnte – wenn auch nur für einige Tage in der Woche – fast unbefristet sein.“ In den Betrieben, Krankenhäusern, und Büros reagieren die Kolleginnen und Kollegen größtenteils empört. „Spinnen die denn? Ich bin bei dem Arbeitstempo schon nach sechs Stunden platt“, so eine Kollegin bei Amazon.
Ver.di reagiert mit der Forderung: „Hände weg vom Acht-Stunden-Tag – Mit Macht für die Acht!“. Und ihr Vorsitzender, Frank Werneke, kündigt an: „Daran lassen wir als Gewerkschaften nicht rütteln. Wir sind bereit, für den Erhalt des Arbeitszeitgesetzes zu kämpfen – in den Betrieben und auf der Straße!“ Und die IG-Metall-Vorsitzende, Christiane Benner, ergänzt: „Demonstrationen, Aktionen, auf die Straße gehen und laut werden, das ist für uns als Gewerkschaft immer eine Möglichkeit.“
Verstoß gegen das Grundrecht auf die Unverletzlichkeit der Person?
Der Plan, die Abschaffung des Acht-Stunden-Tages mit der Verabschiedung einer „nationalen Tourismusstrategie“ zu verkaufen, ist ein mehr als plumper Versuch, die Öffentlichkeit zu täuschen. Gleich gar nicht wird es der Regierung gelingen, dadurch den Widerstand kleinzuhalten. "Wir entlasten Unternehmen, bauen Bürokratie ab und schaffen mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt", erklärte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Jetzt wird endlich klar, was unsere Regierung mit „Abschaffung der Bürokratie“ und „Entlastung der Unternehmen“ meint: Endlich die Beschäftigten flexibel, möglichst ohne große gesetzliche Beschränkung durch Gesetze, ausbeuten zu können.
Dazu unser Korrespondent: „Liebe Frau Reiche, was ist mit den Beschäftigten? Richtig ist, dass gerade in der Gastronomie lange Schichten an der Tagesordnung sind und die Arbeitskräfte diesen Stress nicht lange ohne gesundheitliche Schäden durchstehen können! Haben Sie vielleicht auch daran gedacht, dass die Gastronomen, bei denen ‚der Laden brummt‘, mehr Leute für einen Schichtbetrieb einstellen müssten?
Klar, dann müssten auch Teilzeitstellen eingerichtet werden, das stünde im Gegensatz zu der geplanten Abschaffung der Teilzeit! Durch Entfristung der täglichen Arbeitszeit entfielen dann auch jetzt bezahlte Überstunden! Auf jeden Fall wird die Gesundheit der Beschäftigten geschädigt. Damit verstieße dieses neue Gesetz meines Erachtens gegen das Grundrecht auf die Unverletzlichkeit eines Menschen!“
Es geht um Grundsätzliches und den Sechs-Stunden-Tag
Die geplante Abschaffung des Acht-Stunden-Tages reiht sich ein in die Forderung nach Abschaffung des freiwilligen Rechts auf Teilzeit durch den Wirtschaftsflügel der CDU und in den Vorschlag von Kanzler Friedrich Merz nach Abschaffung des Arbeitszeitgesetzes. Damit geht es nicht nur um einzelne Änderungen. Es ist ein politischer Angriff auf hart erkämpfte Arbeiterrechte. Dafür steht vor allem der Acht-Stunden-Tag.
Der Kampf um den Acht-Stunden-Tag ist eine der ältesten Forderungen der Arbeiterbewegung. Sie wurde Anfang des 19.Jahrhunderts zum ersten Mal von dem Sozialreformer Robert Owen aufgestellt: „Acht Stunden arbeiten, acht Stunden schlafen und acht Stunden Freizeit und Erholung,“ war sein Motto. Zu der Zeit waren Arbeitszeiten bis 16 Stunden keine Seltenheit.
Das war auch mit ein Grund, weshalb in Großbritannien 1848 erstmals der Zehnstundentag verbindlich festgelegt wurde. Denn viele Arbeiter waren durch die langen Arbeitszeiten untauglich für den Kriegsdienst. Auf dem Kongress der Internationalen Arbeiter Assoziation (IAA) 1866 in Genf wurde unter maßgeblichem Einfluss von Karl Marx und Friedrich Engels die internationale gesetzliche Einführung des Acht-Stunden-Tages als allgemeine Forderung der internationalen Arbeiterklasse aufgestellt.
Am 1. Mai 1886 begannen in den USA Massenstreiks für den Acht-Stunden-Tag. In Gedenken an die dabei von der Polizei provozierten blutigen Auseinandersetzungen erklärte der Internationale Arbeiterkongress in Paris 1889 den 1. Mai 1890 zum Internationalen Kampftag der Arbeiterklasse. Im Mittelpunkt stand dabei die international einheitliche Forderung nach dem Acht-Stunden-Tag. Der Kampf um den Acht-Stunden-Tag und die Auseinandersetzung darum haben beim Aufbau und bei der Stärkung der nationalen und internationalen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung eine wichtige Rolle gespielt.
Und dieser Kampf war eng verbunden mit dem Kampf um den Sozialismus. Deshalb hat die Verteidigung des Acht-Stunden-Tages über die konkrete aktuelle Seite hinaus grundsätzliche Bedeutung. Es geht dabei nicht nur um die Verteidigung der Errungenschaften der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung und deren Vermächtnis! Angesichts der weltweiten Arbeitsplatzvernichtung, steigernder Arbeitshetze und Flexibilisierung und einer damit verbundenen Ausbeutung steht heute der Kampf um die 30-Stunden-Woche bzw. den Sechs-Stunden-Tag von Montag bis Freitag auf der Tagesordnung: „Greift dieses Thema in Betrieben und auch an anderen Arbeitsplätzen auf und reagiert mit Gegenwehr!“