Anspruch auf Teilzeit abschaffen?

Anspruch auf Teilzeit abschaffen?

CDU bläst zum Kulturkampf

Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU will das freiwillige Recht auf Teilzeit abschaffen. Bisher ist durch Gesetz geregelt, dass Jede und Jeder Anspruch auf Teilzeit hat, es sei denn betriebliche Gründe sprechen dagegen.

Von gp

Der Wirtschaftsflügel der Union will in einem Antrag an den Parteitag der CDU „Kein Recht auf Lifestyle-Teilzeit“ dieses Recht bis auf wenige Ausnahmen wie Kinderbetreuung oder Pflege Angehöriger abschaffen.

 

Im Jahr 2024 waren gut 13 Millionen aller Erwerbstätigen in Teilzeit beschäftigt, dies entspricht 30,8 % aller Beschäftigten. Von den rund 16 Mio. berufstätigen Frauen arbeiteten im März 2025 erstmals mehr als die Hälfte in Teilzeit, von den Männern waren es nur 13,4 Prozent.

 

Die Gründe für Teilzeit sind recht unterschiedlich.

 

  • Die Arbeitssuchenden bekommen nur eine Teilzeitstelle angeboten.
  • „Ich halte die schwere Arbeit keine 38 oder 40 Stunden durch,“ so eine Krankenpflegerin. Ähnlich geht es Kolleginnen und Kollegen in vielen anderen Berufen.
  • Sechs Prozent der Teilzeitbeschäftigen wollten 2024 in Vollzeit arbeiten. Von dieser sogenannten „Teilzeitfalle“ sind vor allem Frauen betroffen.
  • Der Hauptgrund für die Teilzeitbeschäftigung, vor allem bei Frauen, sind fehlende Kita-Plätze oder andere Formen der Kinderbetreuung. Zwei von drei Frauen geben als Grund für ihre Teilzeit die Kinderbetreuung an. Das sind doppelt so viele wie im EU-Durchschnitt.

 

„Statt unser Recht auf Teilzeit anzugreifen, sollte sich die CDU erst Mal darum kümmern, dass es genügend Betreuungsplätze oder auch Betriebskindergärten gibt. Dazu gehören auch bessere Bezahlung von Erziehern und Pflegekräften, Verbesserung der Arbeitsbedingungen usw.,“ empört sich eine Mutter, die zwei Kinder zuhause hat.

 

Der Vorschlag des in der CDU einflussreichen „Wirtschaftsflügels“ reiht sich ein in eine seit Wochen anhaltende Kampagne vor allem von der CDU. Kanzler Merz: "Mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche“ lasse sich der Wohlstand in Zukunft nicht erhalten. Außerdem wirft er den Arbeiterinnen, Arbeitern und Angestellten vor, zu faul zu sein und sich zu viel krank zu melden. Eine Unverschämtheit und Frechheit. Merz dürfte sicher bekannt sxein, dass die Hälfte der geleisteten Überstunden, nämlich rund 600 Mio. (!) unbezahlt geleistet werden! Wirtschaftsministerin Katharina Reiche: „Wir müssen in Deutschland insgesamt mehr arbeiten“ z.B. durch eine Erhöhung des Renteneintrittsalters. Auch der Plan der Koalition zur Abschaffung des 8-Stunden-Tages läuft auf eine Verlängerung der Arbeitszeit hinaus. Die Forderung von Merz, das Arbeitszeitgesetz ganz abzuschaffen und durch die Tarifparteien regeln zu lassen, wäre ein Freifahrschein zur nahezu unbegrenzten Ausdehnung und Flexibilisierung der Arbeitszeit für die Hälfte aller ohne Tarifbindung Beschäftigten!

 

Die ganze Kampagne ist nicht nur ein Angriff auf die sozialen Rechte und Errungenschaften, sondern die CDU macht daraus einen „Kulturkampf“. Die Kampfbegriffe dabei sind „Lifestyle“ und „Wokeness“. Sie richten sich gegen den Kampf für berechtigte Forderungen zur Verbesserung nicht nur der Arbeits- sondern auch der Lebensbedingungen. Die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich z. B. ist doch keine Forderung der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung, um sich auf die faule Haut zu legen! Sie ist eine notwendige und logische Forderung als Antwort auf die bereits erfolgte und angekündigte massive Vernichtung von Arbeitsplätzen, eine Antwort auf die massiv gestiegene Arbeitsbelastung. Sie eine Forderung, mit der die Arbeiterinnen und Arbeiter ihren Anteil an dem Produktivitätsfortschritt einfordern. Eine Forderung, mehr am sozialen und politischen Leben teilnehmen zu können, mehr Zeit für die Familie zu haben. Eine Forderung, die letztlich auch die Frage aufwirft, warum der gesellschaftliche Fortschritt nicht der ganzen Gesellschaft zu Gute kommt.