Bochum
250 Kollegen beim Hochschulaktionstag im Zeichen der Tarifrunde
Zum zweiten Warnstreik fanden sich am 28. Januar 250 Kolleginnen und Kollegen, aber auch Studierende vor dem Audimax ein. Nicht nur die Tarifforderung nach 7 Prozent mehr Lohn, und mindestens 300 Euro für alle, sondern eine ganze Bandbreite von Missständen brachte sie nach draußen.
In zahlreichen Redebeiträgen von Mitarbeitern, Gewerkschaftern und Studierenden wurde angeprangert: Nach wie vor gibt es kein ernsthaftes Angebot von der Tarifkommission der Länder. Die Ruhr-Universität wird zunehmend kaputtgespart, wenn für die Instandhaltung der Gebäude, mit wackelnden Bodenplatten, Schimmel in Vorlesungssälen und ausreichend Lernplätzen für Studierende, kein Geld da ist.
Kolleginnen und Kollegen, die in Rente gehen, werden nicht ersetzt, und so findet ein schleichender Stellenabbau statt; Doktorandinnen und Doktoranden werden so mit Lehrverantwortung und Drittmittelwerbung beschäftigt, dass sie mit ihrer Forschungsarbeit nicht vorankommen. Ein Tarifvertrag für studentische Beschäftigte wird nach wie vor von den Ländern rundheraus abgelehnt. Einen richtigen Wutausbruch hatte eine Auszubildende, die um die Übernahme bangen muss, welche auch nur für drei Monate gilt.
Über die unmittelbaren Forderungen hinaus, geht es den Streikenden aber auch darum den Zusammenhalt zu stärken. Eine Kollegin sagte bei ihrer Rede: „Manche Kollegen kommen nicht zum Streik mit dem Argument: ‚Ich bin ja eh nur befristet.‘ Aber wo kommen wir denn hin, wenn sich jeder nur noch darum kümmert, was ihn unmittelbar selbst betrifft? Sollen die Befristeten in Zukunft nicht mehr für höhere Löhne einstehen, die Unbefristeten nicht mehr für den Kampf gegen die Befristungen? Sollen die Studierenden nicht für die Mitarbeiter einstehen und umgekehrt? Wir müssen hier zusammenstehen. Denn gerade wenn Trump 'America first' als Parole ausgibt, ist für uns die Solidarität das Zeichen der Zeit!“
Angegriffen wird auch, dass für den Öffentlichen Dienst kein Geld da sein soll, während für die Militarisierung Milliarden ausgegeben werden.
Die Hochschulgruppe der MLPD schrieb in ihrer Solidaritätserklärung:
„Liebe Studierende, liebe Beschäftigte der Ruhr-Uni Bochum, von der Bochumer Hochschulgruppe der MLPD überbringen wir Euch solidarische und kämpferische Grüße und wünschen Euch viel Erfolg zum heutigen Hochschulaktionstag!
Zu Recht prangert ihr baufällige Gebäude, befristete Knebelverträge, Leistungsverdichtung und Outsourcing an! Zu Recht lasst ihr Euch mit vermeintlichen Lohnerhöhungen unter dem Inflationsniveau nicht abspeisen!
Zu Recht fordert Ihr, dass Studium und Wissenschaft nicht nur denjenigen zur Verfügung stehen dürfen, die es sich leisten können! … Der Kapitalismus hat uns wirklich nichts mehr zu bieten: Das Sozialsystem wird kaputtgespart und gleichzeitig werden neue große Kriege vorbereitet, Faschisten erobern immer mehr Regierungen und die Umwelt wird zerstört. Nutzen wir die Tarifrunde auch, um die Solidarität und die Kampfkraft zu stärken, um zukünftig den Kampf um eine Gesellschaft in Frieden und Freiheit, den echten Sozialismus, aufzunehmen.“