Solidarität

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Mannheim: Die Planken erbeten für Rojava

Es war schwer zu schätzen, denn die Menschen standen immer ganz dicht gedrängt: Aber mindestens 2000, mancher schätzte bis 5000 Menschen demonstrierten am Abend des 20. Januar in Solidarität mit dem angegriffenen Rojava über die Planken in der Mannheimer Innenstadt.

Von einem Korrespondenten

Bunt, in den kurdischen Farben und "mit Kind und Kegel", Papas mit Kindern auf der Schulter, viele Kinderwagen, teilweise drei Generationen einer Familie zusammen. Eine große Gruppe kurdischer Jugendlicher hatte eine Riesenfahne über die Straße gespannt. Die Demonstration bewegte sich nur sehr langsam über die Planken Richtung Wasserturm, man stand mehr als dass man ging. Immer wieder lautstarke Parolen zu den Mördern und Terroristen Erdoğan und al-Dscholani und zur Einheit der vier Teile Kurdistans.

 

Niemand hatte wohl mit solchen Menschenmassen gerechnet, denn: Für die Riesendemo waren viel zu wenig Ordner da. Trotzdem hielt sich die Polizei auffällig zurück, auch als vereinzelt Pyrotechnik gezündet wurde (was früher schon öfter zu Einsätzen mit Verhaftungen und Gerichtsverfahren geführt hatte), auch die Lautsprecheranlage, es wurde öfter durchgegeben, das mit den Feuerwerkskörpern zu unterlassen, da Demo und Kundgebung deshalb verboten werden könnten, wurde von höchstens einem Fünftel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gehört, als Reden auf Deutsch und Kurdisch gehalten wurden.

 

Nach Beendigung der offiziellen Abschlusskundgebung zogen dann noch etwa 500 meist jugendliche Kurden mit ihrer Riesenfahne in einer Spontandemo zurück über die Planken und am Paradeplatz um die Ecke bis zum Marktplatz. Nach zweieinhalb Stunden war noch kein Ende. Auch hier griff die Polizei nicht ein. Was sehr vernünftig war. Es passierte auch nichts.

 

Auffallend war, dass kein einziges Öcalan-Bild zu sehen war. Leider waren auch außer der IL (interventionistische Linke) keine einzigen Vertreter deutscher Organisationen anwesend – obwohl Mannheim eine Linke-MdB mit kurdisch-alevitischen Wurzeln hat. Eine im Umfeld einer türkischen ICOR-Organisation mir bekannte Aktive sagte, dass sie bewusst auf ihre Fahnen verzichtet hätten, da die kurdischen Fahnen im Mittelpunkt stehen sollten.

 

In den Nachrichten des Regionalfernsehens war dann die Rede davon, dass die Polizei Einsatzkräfte nachfordern musste – was auch der Grund für deren Zurückhaltung sein kann. Außerdem wurde erwähnt, dass Kurden demonstrierten ("über 1000") und dass Pyrotechnik eingesetzt wurde. Warum demonstriert wurde, darüber wurden die Zuschauer im Dunkeln gelassen. – Bildungs- und Informationsauftrag im Sinne der Herrschenden erfüllt!

 

Jedenfalls war keine der 1.-Mai-Demonstrationen der letzten Jahre mit so vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gewesen, und da hatten sich die bürgerlichen Medien schon mal zu 1500 oder Ähnlichem bekannt.