Merz und der Krankenstand
Geht gefälligst arbeiten
Laut aktueller Statistik kommt ein Beschäftigter in Deutschland pro Jahr auf 14,5 Krankentage. Kanzler Friedrich Merz sagt dazu: "Das sind fast drei Wochen, in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?" Was treibt ihn um?
Die Sorge um unser aller Gesundheit ist es nicht. Er will "dass wir alle zusammen in dieser Bundesrepublik Deutschland eine höhere volkswirtschaftliche Leistung gemeinsam erreichen". Weil seine eigentliche Botschaft ist: „Geht gefälligst arbeiten!", ignoriert er die weithin bekannten Gründe, für den Anstieg. Krankenkassen und Ärzte sagen einhellig, dass mit der flächendeckenden Einführung der elektronischen Krankmeldung die Erfassung besser wurde. Das heißt, wir sind nicht mehr krankgeschrieben, die Statistik ist nur genauer geworden. Genauso wenig ist Merz daran interessiert, warum die Leute krank sind und was man da verbessern könnte.
Unterbesetzung, krankmachender Stress oder Arbeitsbedingungen auf der Arbeit und im Alltag – für ihn kein Thema. Seine Vorschläge, lassen tief blicken, weil sie zeigen, worum es ihm eigentlich geht. Er will die telefonische Krankmeldung abschaffen. Laut Kassenärztlicher Vereinigung eine der wenigen gelungenen Maßnahmen des sonst immer beschworenen "Bürokratieabbaus". Damit sagt er im Grunde: Die Leute sind faul und machen blau. Der Hausarzt Marc Hanefeld findet klare Worte: "Wer behauptet, dass die telefonische AU an diesen Zahlen ‚schuld sei‘, ist entweder ein Amateur oder ein Lügner. Beides halte ich für Menschen in Regierungsverantwortung für inakzeptabel.“ Außerdem befeuert Merz die Debatte, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für die ersten Tage zu streichen. Damit will er erreichen, dass man aus finanziellen Gründen trotz Krankheit zur Arbeit geht.
Um die "Volkswirtschaft" geht es ihm dabei auch nicht. Denn sein Mitleid für den Geldbeutel der Beschäftigten ist gelinde gesagt gering. Eine Abschaffung der telefonischen Krankmeldungen verursacht hohe Kosten für die Volkswirtschaft. Verschleppte Krankheiten ebenso. Es geht ihm um etwas anderes. Eine Studie besagt, dass die Fehltage der Beschäftigten im Jahr 2024 "Produktionsausfälle von insgesamt 134 Mrd. Euro" verursacht hätten. Die Währung von Friedrich Merz ist nicht unsere Gesundheit und nicht die Volkswirtschaft. Nur die Profite der Monopol-Konzerne zählen. Kein Wunder also, dass sein Vorstoß mal wieder eins zu eins dem Forderungskatalog des Kapitalistenverbandes BDA entspricht. Am 1. Januar berichtete ntv: "Arbeitgeber wollen Axt an Lohnfortzahlung für Kranke legen". Friedrich Merz brauchte nur zwei Wochen, um diesen Auftrag brav anzunehmen. Wenn er die Rechnung da mal nicht ohne uns gemacht hat.