Deutsche Bahn
Wenn die Bahn nicht fährt
1966 entwickelte die Bundesbahn den Werbeslogan: "Alle reden vom Wetter. Wir nicht." Im Bild eine Lok, die sich wacker durch Schnee und Eis kämpft. 2026 legt die Bahn den Fernverkehr in ganz Norddeutschland vorsorglich lahm. Hunderttausende Menschen stranden unterwegs, oder können gar nicht erst aufbrechen.
Warum sind Schnee und Eis 60 Jahre später ein unüberwindliches Hindernis? Warum hat man den Eindruck, dass die Bahn eigentlich keiner Wetterlage mehr gewachsen ist, egal ob im Winter oder Sommer?
Der Vorstand der Bahn weiß natürlich zu berichten, was er nicht alles in der Infrastruktur gemacht hat. Ein Großteil der Weichen sei inzwischen beheizt. Ein Vergleich mit der Schweiz, mit Österreich oder skandinavischen Ländern sei unfair, weil deren Bahnnetze kleiner seien. Gut, entsprechend wird ihr Budget ja auch kleiner sein. Aber der Vorstand ist sich schlicht keiner Schuld bewusst.
Dirk Flege, Geschäftsführer des Interessenverbands Allianz pro Schiene, sagt dagegen, dass die Länder, in denen in Extremwetterlagen ein Normalbetrieb möglich sei, schlicht "einen deutlich besser ausgestatteten Maschinenpark und genügend Reservezüge" haben, "um den Verkehr aufrechtzuerhalten.“
Und auch der Pro-Bahn-Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann kritisiert, dass die Bahn "früher mehr Beschäftigte für solche Aufgaben" hatte. Das eigentliche Problem ist also nicht das Wetter.
Also nehmen wir den Slogan wörtlich: Reden wir nicht vom Wetter. Reden wir über den Zwang zur Profitmaximierung. Das ist nämlich der Grund, aus dem die Bahn es schlicht für ineffektiv hält, dauerhaft den nötigen Fuhrpark und die Beschäftigten vorzuhalten, die dann bei Extremwetterereignissen schnell und flächendeckend reagieren könnten.