GSA-Überblick
Weltweit ging ein sehr kämpferisches Jahr zu Ende
Die GSA e.V. erfasst und wertet die Kämpfe der Arbeiter und Volksmassen monatlich aus, auch gegen die Unterdrückung dieser Informationen durch die bürgerlichen Massenmedien
Mit den Dezemberzahlen lohnt sich auch ein Rückblick auf das ganze Jahr. Die Zahl der Streikenden und Demonstrierenden weltweit nahm um rund 50 Prozent von 32 Millionen im Jahr 2024 auf über 50 Millionen im vergangenen Jahr zu – und da sind die 250 Millionen beim Generalstreik im Juli in Indien noch nicht eingerechnet! Die Schwerpunkte lagen mit über 24 Millionen in Europa, gefolgt von rund 15 Millionen in den USA und 3,8 Millionen in Lateinamerika. In Deutschland beteiligten sich 5,1 Millionen Menschen an Streiks und Demonstrationen – nach 7,6 Millionen im Jahr 2024.
Arbeiterkämpfe waren leicht auf über 17 Millionen angestiegen – dazu kommen noch die 250 Millionen beim indischen Generalstreik gegen den Abbau von Arbeiterrechten durch den Faschisten Modi. Schwerpunkt waren Kämpfe zur Verteidigung von Arbeitsplätzen und um Lohnerhöhungen. Eine bedeutende neue Entwicklung waren die politischen Streiks von Hafenarbeitern in Griechenland und Italien gegen Waffenlieferungen für den Völkermord der Netanjahu-Regierung in Gaza.
Die erfolgreiche Gaza-Solidarität war auch der Schwerpunkt der weltweiten Proteste und Demonstrationen. Wütende Massenproteste führten in Frankreich und Bulgarien zum Sturz der Regierungen. Nach anfänglicher Lähmung beteiligten sich in den USA unter dem Motto "No Kings" im Juli und im Oktober jeweils über 7 Millionen Menschen landesweit an meist örtlichen Demonstrationen gegen die Politik Trumps.
Eine Schwäche im vergangenen Jahr war der Rückgang der Kämpfe zum Schutz der natürlichen Umwelt. Auf diesem Hintergrund sticht der Klimamarsch in Karachi (Pakistan) im Dezember mit 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern heraus: Ein Bündnis aus Gewerkschaften, Frauenorganisationen und Umweltinitiativen fordert von der Regierung Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung!
Im vergangenen Dezember brachten vor allem in Europa die Auseinandersetzungen um die Haushaltspläne 2026 in mehreren Ländern Zehntausende bis Hunderttausende auf die Straße. Im Mittelpunkt des Protests bzw. des Widerstandes stand die Zurückweisung der Abwälzung der Krisen- bzw. Aufrüstungskosten auf die Rücken der Arbeiterinnen und Arbeiter, z. B. durch einschneidende Verschärfungen im Arbeitsrecht.
In Portugal beteiligten sich 3 Millionen Menschen am Generalstreik gegen die sogenannte „Arbeitsreform“ der Montenegro-Regierung. In Italien streikten und demonstrierten 500.000 gegen den Haushalt der Meloni-Regierung und die gesteigerten Rüstungsausgaben. Das war eine neue Qualität der Kämpfe dort. Insgesamt gab es in 21 europäischen Ländern im Dezember Proteste – gegen Korruption, Einschränkung der demokratischen Rechte, gegen Verschlechterungen im staatlichen Gesundheits- und Bildungssystem usw.
In Lateinamerika fanden in Brasilien länger andauernde Streiks statt bei der staatlichen Post und beim staatlichen Erdölkonzern Petrobras. Hintergrund waren bei beiden auch Privatisierungspläne. Beeindruckend war ein landesweiter Protest gegen Femizide mit mindestens 40.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. In Argentinien gab es einen großen gewerkschaftlichen Protest gegen Präsident Mileis „Arbeitsrechtsreform“. Bedeutend ist der Widerstand in der Weinbaustadt Mendoza gegen die Aufhebung des Bergbauverbots wegen der befürchteten Umweltschäden. In Bolivien entwickelte sich im Dezember ein Massenprotest gegen die Subventionsstreichung für Treibstoff und die daraus resultierenden explodierenden Preise. In den USA ging es bei der Hälfte der Proteste um Widerstand gegen Razzien der Einwanderungsbehörde ICE.
Weltweit haben wir im Dezember dreizehn Proteste erfasst, bei denen die Jugend dominierte oder eine wichtige Rolle spielte. Schüler sind vor allem besonders aktiv in den USA gegen Einsätze von ICE gegen Migranten. In den meisten anderen Fällen waren Studenten führend im politischen Protest gegen die Mullahs im Iran, in Bangladesch gegen die Ermordung eines Studentenführers, in Serbien gegen das korrupte Vucic-Regime – auch wenn diese Proteste im Dezember relativ klein ausfielen.
In Deutschland fanden in der Tarifauseinandersetzung im Öffentlichen Dienst der Länder im Dezember vielfältige Warnstreiks und Kundgebungen statt. Ver.di zählt rund 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Kleinere Aktionen mit jeweils einigen Hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern gab es im Zusammenhang mit der weiteren Arbeitsplatzvernichtung und drohenden Betriebsschließungen – nach unserer Erfassung waren es insgesamt 10.770 Beteiligte.
Vor allem Schüler machten von sich reden. Rund 55.000 an 90 Orten demonstrierten lautstark am Freitag, den 5. Dezember 2025, gegen die schrittweise Einführung des Wehrdienstes und blieben trotz Einschüchterung dem Unterricht fern. Am 13. Dezember 2025 fanden antifaschistische Großdemonstrationen in Hamburg und München mit 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Die Bewegung „PRÜF“ forderte die Überprüfung reaktionärer Organisationen durch das Bundesverfassungsgericht. Weiter gingen andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie die Omas gegen Rechts, die das Verbot der AfD forderten, auf die Straße.