Bauarbeiterstreik
Warum die COP30-Klimakonferenz beinahe schon gescheitert wäre, bevor sie angefangen hatte
Hinter der Glitzerfassade der Bauten für die COP 30 in Brasilien spielten sich auch harte Kämpfe der Arbeiter in Brasilien um ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen ab. Ein nachträglicher Bericht der Delegation bei der UNO-Konferenz in Belem im November 2025 aus Repräsentanten u.a. von Umweltgewerkschaft, MLPD gibt interessante Einblicke.
2063 Reais Monatslohn erhalten gelernte Maurer und andere Facharbeiter laut Tarifvertrag im Bundesstaat Para im Norden Brasiliens. Umgerechnet ca. 330 Euro. Als ungelernter Arbeiter sogar nur 1518 Reais. Die Lebensmittelpreise steigen jedoch seit Jahren und sind mittlerweile nicht mehr weit vom europäischen Niveau entfernt. Von Wohnraum ganz zu schweigen. Während mehrere Hundert Familien im Vorfeld der COP30-Konferenz enteignet wurden, um Großbauten Platz zu machen, wurden im Stadtkern Luxus-Hochhäuser mit „Angeboten“ bis 18 Millionen Reais je Wohnung hochgezogen. 726 Jahre müsste der Bau-Facharbeiter, der die Wohnhäuser mit seinen Händen baut, dafür arbeiten. Der ungelernte Bauarbeiter 988 Jahre.
Diese immer stärkere Zuspitzung der sozialen Verhältnisse in Brasilien hat zu der Entschlossenheit geführt, mit der mehr als 5000 Bauarbeiter Belems am 15. September die Provokation der Baukonzerne zurückwiesen und in den unbefristeten Streik für höhere Löhne traten. Der Bau-Kapitalistenverband hatte mit lediglich 5,13 Prozent Erhöhung exakt die Höhe der offiziellen Inflationsrate angeboten.
Aurinor Gomes, Koordinator der Bauarbeiter-Gewerkschaft STICMBA Belem (Gewerkschaft Beschäftigte der Bauindustrie Belem), fasste die Wut der Arbeiter zusammen: „Ein beschämender Vorschlag. Eine große Respektlosigkeit gegenüber den Arbeitern und Arbeiterinnen, die Tag und Nacht arbeiten, damit die Bauarbeiten für die COP30 rechtzeitig fertiggestellt werden.“ Denn was für Arbeiter Reallohnverlust bedeutet, vergrößert noch die Profite der Baukonzerne, die sich mit den COP30-Bauprojekten in Höhe von 6 Milliarden Reais (1 Mrd. Euro) die Konten vollmachen.
„Es gibt keine Kompromisse! Wenn es keine Lohnerhöhung gibt, wird es keine COP30 geben“, erklärten die Arbeiter. Die Gewerkschaft STICMBA organisierte tägliche Demonstrationen, Versammlungen und Besuche weiterer Baustellen. Schließlich standen 80 Prozent der Baustellen im Großraum Belem still, darunter die Bauarbeiten an den COP30-Konferenzstätten sowie dem Luxus-Ressort für die Staatsoberhäupter. Zeitweise wurde eine COP30-Baustelle von Arbeitern besetzt. Die gewaltsame Einkesselung und Räumung durch Bereitschaftspolizei rief eine Welle der Solidarität hervor. Eine Massendemonstration Tausender Bauarbeiter und Anwohner erzwang die Freilassung der Bauarbeiter und kehrte diese Unterdrückung ins Gegenteil um.
Am 24. September nahm die Gewerkschaftsversammlung die ausgehandelte Lohnerhöhung an. Mit 6,5 Prozent Lohnerhöhung wurde das vorher gesteckte Streikziel von 5,5 Prozent noch übertroffen. Es bedeutet Reallohnsteigerung von 1,37 Prozent. Zusätzlich wurde eine Gewinnbeteiligung bis 350 Reais vereinbart.
Aurinor Gomes erklärte das aus der Kraft des Streiks und dem politischen Druck, den sie aufgebaut haben: „Die Bevölkerung von Belem stand auf unserer Seite. Verschiedene Gewerkschaften aus Pará und anderen Teilen Brasiliens haben ihre Unterstützung bekundet. Der Streik fand in der internationalen Presse Beachtung. All das trug dazu bei, die Kapitalisten zum Einlenken zu bewegen und Verhandlungen mit der Gewerkschaft zu führen. Sie haben die Kraft des Streiks gespürt.“