Briefwechsel
Das hat nichts mit einer sozialistischen Weltanschauung zu tun
Zu dem Artikel „Stromausfall beendet, ‚Linksextremismus‘-Kampagne läuft – wem nützt das alles?", der am 7. Januar auf Rote Fahne News erschienen ist, schreibt ein Leser aus Duisburg:
In der Stuttgarter Zeitung vom 8. Januar heißt es: „ … Linksextremisten bekämpfen die freiheitliche Demokratie. … Sie schrecken vor Straftaten und Angriffen gegen Polizisten und politische Gegner nicht zurück. ... Das Spektrum reicht von dogmatischen Linksextremisten, die sich in der ehedem DDR-treuen Deutschen Kommunistischen Partei (knapp 2700 Mitglieder) oder der Marxistisch-Leninistischen Partei MLPD (2800 Mitglieder) organisiert haben, über anarchistische Splittergruppen wie die Freie Arbeiter-Union (1800) bis zum Milieu der Autonomen, dem aktuell 8600 Personen zugerechnet werden.“ ...
In Rote Fahne News vom 7. Januar wird der anarchistische Sabotageakt als „Vollschuss ins Wasser“ und „sektiererische Dummheit“ bezeichnet. Das ist tatsächlich ein „Vollschuss“ (!), eine totale Verharmlosung der Tat. Diese ist keine sektiererische Dummheit, sondern Ausdruck von Menschenverachtung und legt weltanschauliche Gemeinsamkeiten mit Anarchismus nahe! Wir gehen als Marxisten-Leninisten von einer tief verbundenen Einheit mit dem Leben der Massen aus. ... Zehntausenden Menschen Strom und Heizung wegzusprengen, Hunderten Patienten in den Kliniken und Alten in den Heimen die lebensnotwendige Versorgung zu gefährden – das hat nichts mit einer sozialistischen Weltanschauung gemen. Das ist im Gegenteil Ausdruck des Einflusses der imperialistischen Denkweise à la Trump auf das Denken und Handeln dieser und ähnlicher Gruppen.
Davon müssen wir uns klar distanzieren, damit es keinen Anlass gibt, uns als eine mögliche Variante des „linksextremistischen Milieus“ darzustellen. Damit soll eine echte sozialistische Alternative verunglimpft werden. ...
Aus der Antwort des Autors
Lieber Kollege, vielen Dank für Deine kritischen Zeilen zu meinem Artikel „Stromausfall beendet, ‚Linksextremismus‘-Kampagne läuft – wem nützt das alles?" vom 7. Januar. Ich stimme Dir zu, dass ich mit meiner Qualifizierung des Anschlags diesen objektiv verharmlost habe. Wir haben ja gleich nach dem Anschlag auch einen Artikel veröffentlicht, in dem die Auseinandersetzung mit der massenfeindlichen Weltanschauung geführt wird, die in dem Bekennerschreiben zum Ausdruck kommt: Sabotage an Kraftwerk - Antwort eines Arbeiters an die Anarchisten auf dem Holzweg. Darauf hätte ich nochmal Bezug nehmen sollen.
Ich denke aber, dass Du übers Ziel hinausschießt, wenn Du der "Vulkangruppe" eine „imperialistische Denkweise à la Trump" unterstellst.
Solche Gruppen sind kleinbürgerlich-antiautoritär und vom Anarchismus beeinflusst. Willi Dickhut schreibt dazu im Revolutionären Weg 3 „Antiautoritarismus und Arbeiterbewegung“: „Der antiautoritäre Kleinbürger tritt mit großem Pathos für die sofortige Revolution ein, für die Revolution ‚hier und jetzt‘. In diesem Punkt ist er scheinbar revolutionärer als die marxistisch-leninistische Partei des Proletariats, die die Durchführung eines Aufstands ohne revolutionäre Situation für verhängnisvolles Abenteuertum hält. … So wie der Kleinbürger keinen Blick für das Proletariat als neuartige Klasse hat, so auch nicht für die Struktur der zukünftigen Gesellschaft, in der das Proletariat die dominierende Klasse sein wird, die die ganze Gesellschaft langsam aber sicher nach ihrem Bilde umgestalten wird. Im Gegensatz dazu stellt sich der Antiautoritäre die Revolution als Akt der Zertrümmerung der bestehenden Gesellschaft in ihre individuellen Elemente vor – weil er selbst eins von diesen Elementen darstellt."
Das trifft meiner Meinung nach auch auf die Täter von Berlin zu.
Wir haben in unseren Artikeln zu dem Stromausfall in Berlin auch den Berliner Regierenden Bürgermeister und den Senat ins Visier genommen, die sich keinen Deut um die Leute gekümmert haben. Auch wäre so ein Stromausfall lange nicht so verhängnisvoll, wenn die Energieerzeugung dezentral auf erneuerbare Ressourcen umgestellt wäre.
Beste Grüße!