„Gut, dass endlich was passiert!“

„Gut, dass endlich was passiert!“

Besuch beim Warnstreik der HKM-Kollegen

„Gut, dass endlich was passiert!“ – das war eine Grundstimmung beim gestrigen Warnstreik der HKM-Kollegen in Hüttenheim.

Korrespondenz aus Duisburg
Besuch beim Warnstreik der HKM-Kollegen
Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) in Duisburg (foto: Michael Kümmling (CC BY-SA 3.0))

Gestern wurden zu den Schichtwechseln für jeweils vier Stunden alle Tore dichtgemacht, nur eine Notbelegschaft konnte rein. Die Anlagen standen, auch die Hochöfen wurden nach einer Reparaturschicht am Vortag gestern nicht hochgefahren. Vor Tor 4: eine endlose Autoschlange durch ganz Hüttenheim. Wir waren mit einer Delegation der MLPD vor Ort, um den Kollegen unsere solidarischen Grüße zu überbringen (siehe Soli-Erklärung).


Der Hintergrund: Der thyssenkrupp-Konzern, dem HKM zu 50 Prozent gehört (30 Prozent Salzgitter, 20 Prozent Valourec), will den Stahlbereich loswerden und in dem Zuge HKM schließen. Salzgitter hat vorerst noch Interesse, HKM weiter zu betreiben – mit reduzierter Produktion und einem Drittel der Belegschaft! Und das auch nur, wenn ordentlich Steuergelder für einen Elektroofen fließen und thyssenkrupp sich an den Kosten beteiligt. Darüber feilschen die Konzerne! IG-Metall- und Betriebsratsspitze unterstützen den Salzgitter-Plan und verhandeln über einen Sozialtarifvertrag. Nach der Provokation des Thyssenkrupp-Vorstands – „Es gibt zurzeit nichts zu verhandeln“ – jetzt der Warnstreik!


500 unserer Solidaritäts-Erklärungen gingen an die Kollegen in den Autoschlangen. Großes Interesse, viele haben sich bedankt – haben sie doch erst durch uns erfahren, worum es geht. Interessiert wurden unsere Argumente gelesen – in der langen Schlange war genügend Zeit. Viel Zustimmung, dass es gilt, um jeden Arbeitsplatz zu kämpfen, nicht schon 2000 kampflos aufzugeben. Zustimmung gab es auch dazu, dass es um die ganze Richtung in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung geht: Sollen sich die Arbeiter der „Kriegsertüchtigung“ der ganzen Wirtschaft und Gesellschaft unterordnen? 


Nicht wenige haben schon ein ganzes Karussell an Stilllegungen und Versetzungen hinter sich: erst Rheinhausen, dann Bochum, jetzt HKM … Sie bringen die Erfahrung mit: Verzicht bringt uns mit dem Rücken zur Wand. Nur wenige Kollegen argumentierten, dass der Salzgitter-Plan besser ist als nichts. „In Rheinhausen musste Krupp durch unseren Kampf jedem einen Ersatzarbeitsplatz schaffen“, so ein Kollege. Einige diskutierten mit uns aufgeschlossen über den echten Sozialismus als Alternative zum kapitalistischen Krisenchaos.

 

Nicht wenige Kollegen sagen: „Wir haben uns lange genug verarschen lassen.“ Gerade Kollegen von Fremdfirmen unterstrichen: Wir sind eine Belegschaft! Sie haben kein Verständnis dafür, dass sie schlecht informiert werden, und wollen in den Kampf einbezogen werden. Die Provokation von Thyssenkrupp empört die Kollegen.


Gestern war ein Auftakt – jetzt muss es weitergehen. Ob, wofür und wie weiter gestreikt wird, auch weil es kein Streikrecht für den Kampf um Arbeitsplätze gibt, darüber muss jetzt die Auseinandersetzung geführt, müssen Entscheidungen getroffen werden.


Lange Autoschlangen zu produzieren, um Aufmerksamkeit zu schaffen, ist das eine – aber es gab weder eine Zusammenkunft, noch eine Kundgebung, schon gar keine Streikversammlung, wo die Kollegen zu Wort kommen.


Aus dem Umfeld der Betriebsratsspitze hieß es zu unserem Solidaritätsbesuch: „Politik gehört nicht hierhin“. Die ganze Auseinandersetzung ist längst politisch – hochpolitisch! Konsequente Arbeiterpolitik ist gefragt! Das sieht sicher nicht nur der Kollege so, der uns aus dem Auto entgegenrief: „Was ist das nächste? Alle auf die Straße nach Berlin? So kann es doch nicht weitergehen.“ Der Kollege sieht es anders als die Betriebsratsspitze.

 

Hier gibt es die Solierklärung der MLPD Duisburg-Niederrhein-Oberhausen mit der Belegschaft