Leserbrief

Leserbrief

Zur Brandkatastrophe von Crans-Montana

Zur Brandkatastrophe von Crans-Montana schreibt ein Leser aus Gelsenkirchen:

Korrespondenz aus Gelsenkirchen

Zum Brandgeschehen in der Schweiz gibt es einiges zu sagen: Das Lokal der Feier nennt sich „Bar“. Was ist das für eine Bar, wo 300 Leute reingehen? Es handelt sich wohl eher um eine Disco. Eine Disco ist auch eher ein Ort, wo viele junge Leute zum Feiern hingehen. Die Deklarierung als „Bar“ hat ohne Zweifel Einfluss auf die Anforderungen an den baulichen Brandschutz, aber auch nur, wenn die zuständige Behörde beide Augen zudrückt. Dass dieselben Leute, die das ggf. getan haben, jetzt die Aufklärung in der Hand haben, ist höchst bedenklich.


Die Ausgestaltung der Decke mit Schaumstoff ist ein No-Go, ebenso das Hantieren mit funkensprühendem Zeugs im geschlossenen Raum. Insofern ist die Frage der fahrlässigen Tötung begründet. Jedoch sind der Schaumstoff und das Funkensprühen keine ausreichende Erklärung für das katastrophal schnelle Brandgeschehen. Entzündet durch Funkenflug würde der Schaumstoff sich erst in einem längeren Prozess eines langsam schwelenden Brandes, der sich langsam immer weiter in den Schaumstoff hineinfrisst, im Ergebnis zu einem größeren Brandgeschehen entwickeln. Währenddessen würde der Raum zusehends verrauchen und die Leute würden ihrem Instinkt folgend den Raum verlassen.

 

Das Brandgeschehen war jedoch vollkommen anders. Augenzeugen haben berichtet, dass, als eine „Kerze“ (Funkensprüher) der Decke zu nahe kam, diese sich in Sekunden auf der gesamten Fläche entflammt hat und dann kam es unmittelbar zu einer Explosion, mit den bekannten Opfern und schwersten Verletzungen. Das ist ein Szenario, das auf das Vorhandensein von Brandbeschleuniger hinweist.


Woher kann der kommen? Nur in den allerersten Berichten war von Springbrunnen auf allen Tischen die Rede. Wären sie nur mit Wasser gefüllt gewesen, wäre das nicht relevant. Hat aber jemand, wenn auch aus bester Absicht, Duftstoffe hinzugefügt, sieht das anders aus. Solche Duftstoffe bestehen zu 60 Prozent und mehr aus Alkoholen, sind also leicht entflammbar.

 

Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, indem die Brunnen über einen längeren Zeitraum Brandbeschleuniger in die Luft abgeben und durch die tanzende Menge die Luft und der Brandbeschleuniger innig verwirbelt werden. So entsteht das perfekte zündfähige Gemisch. Zudem hat der Schaumstoff an der Decke alle Zeit, sich in seinen Randschichten mit dem Brandbeschleuniger zu benetzen. Unter diesen Voraussetzungen genügt ein einziger Funke, um das Inferno auszulösen. Auch die katastrophalen Brandverletzungen (60 Prozent der Körperoberfläche verbrannt) weisen darauf hin, dass alle im Zentrum einer Verpuffung gestanden haben, die vor allem durch zwei Größen gekennzeichnet ist: großer Druck und große Hitze.

 

Der Verweis in der Berichterstattung auf den „Flashover“ ist irreführend. Ein Flashover kommt bei jedem Brandgeschehen früher oder später vor. Es ist der Sprung eines erst langsam entstehenden und sich entwickelnden Brandes zum Vollbrand. In der langsamen Entwicklung erhitzen sich sämtliche Oberflächen im Raum und fangen, wenn sie ausreichend erhitzt sind, an, kontinuierlich auszugasen. Diese Gase entzünden sich dann in einer mächtigen Stichflamme und ab da sind alle Flächen und Gegenstände in einem Raum im Vollbrand. Ein Flashover tritt nicht adhoc auf.