Hintergrund
Was steckt hinter dem Angriff der USA auf Venezuela?
Laut New York Times töteten die USA rund 80 Menschen bei ihrem Angriff am 3. Januar auf Venezuela. Allein 32 kubanische Leibwächter müssen durch das US-Militär bei der Entführung Maduros ermordet worden sein. Laut Donald Trump geht es dabei um den Kampf gegen die Drogen. In Wahrheit besitzt Venezuela mit 303 Milliarden Barrel die größten Ölvorkommen der Welt.
Die USA sind zwar selbst zum größten Ölproduzenten der Welt aufgestiegen. Aber die Kontrolle über die reichen Rohstoffe in Venezuela will der US-Imperialismus auf keinen Fall den imperialistischen Konkurrenten überlassen. Donald Trump setzt damit um, was er in der „Nationalen Sicherheitsstrategie“ im Dezember 2025 angekündigt hat.
Kampfansage an China und Russland
In dieser Sicherheitsstrategie heißt es wörtlich: „Nach Jahren der Vernachlässigung werden die Vereinigten Staaten die Monroe-Doktrin wieder geltend machen und durchsetzen, um die Vorrangstellung Amerikas in der westlichen Hemisphäre wiederherzustellen… Wir werden Wettbewerbern außerhalb der Hemisphäre die Möglichkeit verweigern, Streitkräfte oder andere bedrohliche Kapazitäten … zu positionieren oder strategisch wichtige Vermögenswerte zu besitzen oder zu kontrollieren.“¹
Selbst die BILD-Zeitung schreibt: „Die Operation in Venezuela ist auch eine Erniedrigung Russlands und eine Kampfansage an China.“² Und eben darum geht es: Die noch einzige imperialistische Supermacht USA geht unter dem Faschisten Trump mit allen Mitteln gegen den wachsenden Einfluss der neuimperialistischen Länder China und Russland vor. Der gesamte südamerikanische Kontinent wird frech unter den Besitzanspruch der USA gestellt, wo sie keinerlei Konkurrenten mehr dulden. Trump fordert „totalen Zugang“ der USA und der US-Monopole zur venezolanischen Öl-Infrastruktur, also zu Förderanlagen, Straßen und Pipelines. Der inzwischen eingesetzten Interimspräsidentin Rodríguez droht er unverhohlen, sie werde ansonsten „einen sehr hohen Preis zahlen, wahrscheinlich einen höheren als Maduro“ – was nichts anderes als eine Morddrohung ist.
Weitere Drohungen richten sich gegen Grönland, das als Teil Dänemarks zum NATO-"Partner" und zur EU gehört.
Der offene Bruch des Völkerrechts ist dabei keine Nebensache, sondern ein bewusst gewähltes Mittel. Bei aller berechtigten Kritik an der revisionistischen Maduro-Regierung muss die Freilassung und Wiedereinsetzung des venezolanischen Präsidenten gefordert werden, eben weil er von einer fremden Macht mit Gewalt entführt wurde. Auch wenn Friedrich Merz das für zu „komplex“ hält, um sich dazu zu verhalten: Eine offenere Einmischung in die Angelegenheiten einer doch angeblich unabhängigen Nation kann es nicht geben!
Dass Maduro sich nur zum Schein einen „Sozialisten des 21. Jahrhunderts“ nennt, das er mit ausgesprochen bürokratischen Mitteln regierte – all das ändert nichts daran, dass es das fundamentale Recht des venezolanischen Volks ist, selbst darüber zu entscheiden, wenr sein Präsident ist.
Die Wandlung der Monroe-Doktrin
Die ursprüngliche Doktrin stammt aus dem Jahr 1823 und ist nach dem damaligen US-Präsidenten James Monroe benannt. In Süd- und Mittelamerika tobten die Kämpfe vieler Völker um nationale Befreiung gegen die alten europäischen Kolonialmächte, die wiederum versuchten, ihre alten Pfründe zu behalten oder zurückzuerlangen. In dieser Situation sagte Monroe: „Die amerikanischen Kontinente sind aufgrund ihrer freien und unabhängigen Stellung, die sie eingenommen haben und aufrechterhalten, fortan nicht mehr als Objekte für eine zukünftige Kolonialisierung durch europäische Mächte anzusehen.“ Und: „Wir würden jeden Versuch europäischer Mächte, ihr System auf irgendeinen Teil dieser Hemisphäre auszudehnen, als Gefahr für unseren Frieden und unsere Sicherheit betrachten.“³
Damals waren die USA noch nicht imperialistisch. Doch die USA selbst wandelten sich. Mit ihrem Aufstieg zur imperialistischen Supermacht wurde dieselbe Doktrin zur Rechtfertigung für eine neue koloniale und später neokoloniale Unterdrückung des südamerikanischen Kontinents durch die USA. Das begann 1904 unter Theodor Roosevelt und hinterließ bis heute eine blutige Spur in der Geschichte der Länder Lateinamerikas.
Trump beruft sich also verlogen auf eine ursprünglich antikoloniale Doktrin, während er dazu übergeht, mit faschistischen Methoden den imperialistischen Machtanspruch der USA in der ganzen Region und letztlich global durchzusetzen.
Gestohlenes Öl
Die Verfassung Venezuelas aus dem Jahr 1976 deklariert die Rohstoffvorkommen des Landes als „Volkseigentum“. Doch das stört Donald Trump nicht im Geringsten. Berauscht vom Erfolg der Militäraktion in Venezuela sagte er am 3. Januar 2025 bei seiner Pressekonferenz: „Die Ölindustrie Venezuelas wurde mit amerikanischem Talent, Ehrgeiz und Können aufgebaut. Das sozialistische Regime hat sie gestohlen … Sie haben unser Öl genommen und wir wollen es zurück.“ Weil also die US-amerikanischen Öl-Monopole schon in der Vergangenheit an der Ausbeutung des venezolanischen Öls führend beteiligt waren, gehört es quasi ihnen. Unter Hugo Chávez wurden ConocoPhillips und ExxonMobil teilweise enteignet, weil sie eine Mehrheitsbeteiligung der staatlichen venezolanischen Ölgesellschaft an ihren Unternehmungen nicht akzeptieren wollten.
Man muss sich für einen Moment das wirklich wahnhafte faschistische Weltbild Trumps vor Augen führen. Nimmt man US-Monopolen weg, was sie sich zur Ausplünderung angeeignet hatten, ist das Diebstahl. Klar, jede Wahl, die ein Donald Trump verliert, ist ja schließlich auch gestohlen. Es wäre zum Lachen, wenn dieser nackte imperialistische Machtanspruch heute nicht mehr und mehr die Weltpolitik bestimmen würde.