Kontroverse Debatte

Kontroverse Debatte

Was ist von einem Verbot von sozialen Medien für Minderjährige zu halten?

Seit Herbst 2024 gibt es weltweit eine kontroverse Debatte in den bürgerlichen Medien, unter bürgerlichen Politikern und unter den Massen über die Jugendgefährdung sozialer Medien und über die Sinnhaftigkeit eines Verbots für Minderjährige.

Von jj
Was ist von einem Verbot von sozialen Medien für Minderjährige zu halten?
(shutterstock_2437117183)

In Australien dürfen seit dem 10. Dezember Jugendliche, die noch nicht 16 Jahre alt sind, keine Konten mehr bei Tiktok, Instagram, Facebook, Snapchat, X und Youtube betreiben. Die Betreiber digitaler Netzwerke sind verpflichtet, mehrschichtige Modelle der Altersüberprüfung anzuwenden und Konten von Minderjährigen zu löschen oder zu deaktivieren. Das wird von den Online-Diensten unterschiedlich umgesetzt: Tinder nutzt Gesichtserkennung, die Spieleplattform Roblox „Age-Assurance“-Technologien. Apple kündigte an, in Plattformen Altersinformationen zu stellen. Sie müssen auch die Umgehung des Verbots mithilfe von VPN-Diensten verhindern. Bei Verstößen drohen bis zu 31 Millionen Euro Strafzahlungen. In der EU sprechen sich bisher sieben Länder für eine Altersbegrenzung sozialer Medien aus (1).

 

Laut einer Jugend-Digital-Studie der Postbank 2024 verbringen Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren im Schnitt über 70 Stunden pro Woche im Netz. Das sind mehr als zehnmStunden pro Tag. Fast vier Stunden davon sind sie in sozialen Netzwerken unterwegs (2). Soziale Netzwerke ermöglichen einerseits eine Fülle an Möglichkeiten, sich zu informieren, sich auszutauschen und zu vernetzen, und kreativ zu sein. Die Jugend-Digital-Studie zeigt auch auf, dass 4,6 Stunden für Schule, Ausbildung oder Studium genutzt werden. Der Haken: Eine Handvoll Tech-Monopole (wie Meta oder Bytedance) kontrollieren die dominantesten Plattformen und nehmen so wesentlichen Einfluss darauf, was (und was nicht) und wie angezeigt wird.

 

Eine übermäßige Nutzung von Social Media kann zu gesundheitlichen Schäden führen. Tatsache ist, dass psychische Erkrankungen unter Kindern und Jugendlichen allgemein zunehmen, spezifisch die Zahl der „Mediensüchtigen“. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Nationalakademie Leopoldina fordern in einem Diskussionspapier ein „striktes Nutzungsverbot für Kinder unter 13 Jahren“. Sie empfehlen einen eingeschränkten Zugang zu sozialen Medien von unter 17-Jährigen. Funktionen wie „Livestreaming, Push-Benachrichtigungen und endloses Scrollen“ sollten für Jugendliche unter 16 Jahren verhindert werden. 13- bis 15-Jährige sollten nur mit elterlicher Begleitung soziale Medien nutzen dürfen. In Kitas und Schulen ist ein Verbot von Smartphones bis zur 10. Klasse empfohlen. Eine Expertenkommission ist von der Bundesregierung beauftragt, bis Sommer 2026 Vorschläge zu entwickeln. Digitalminister Carsten Wildberger kann sich ein Verbot nach australischem Modell vorstellen.

 

In Hessen gelten seit Anfang des Schuljahrs alle Schulen als „Smartphone-Schutzzonen“ (Handys müssen in den Taschen bleiben, wobei es Ausnahmen für höhere Klassenstufen gibt). Ähnliche Regelungen gibt es für Grundschulkinder auch in Brandenburg, Bayern und Thüringen. In NRW wird es den Schulen selbst überlassen.
Eltern, Lehrkräfte und Schüler engagieren sich in Selbsthilfegruppen oder Mediensucht-Präventionsprogrammen, Pilotprojekte an Schulen sprießen wie Pilze aus dem Boden.

 

Die MLPD vertritt in ihrem Parteiprogramm von 2016 eine klare Haltung zum Jugendschutz und zur Erziehung bezogen auf Medien und Kommunikationsmittel. „Sie fördert den bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit Medien und Kommunikationsmitteln und erzieht die Jugend gegen den Konsum von Rausch- und Suchtmitteln“ (S. 130). Das schließt ein, sie über das Suchtpotenzial und Überwachungsrisiko aufzuklären.

 

Wesentlich ist, Bewusstsein darüber zu schaffen, dass die Herrschenden über soziale Medien den Kampf um die Denkweise unter den Massen in ihrem Sinne manipulieren. Ein generelles Nutzungsverbot für Minderjährige lehnt die MLPD ab. Das schließt jedoch differenzierte Einschränkungen nach Altersstufen und an Schulen nicht aus. Als Forderungen und Losungen stellen wir dazu zur Diskussion:

 

  • Handy- und Social Media-Verbot in Grundschulen und Kindertagesstätten!
  • Erprobung des Unterrichtsfachs „Medienkompetenz“
  • Verpflichtung der Plattformen, eine jugendgemäße Nutzung ihrer Plattformen zu verwirkliche
  • Verpflichtung zu wirksamen anonymen Altersüberprüfungen nach neuestem technischen Stand
  • Techkonzerne müssen faschistische Inhalte schneller und konsequenter löschen. Verbot faschistischer Propaganda durchsetzen – auch im Netz!
  • Der Staat muss faschistische und kinderpornographische Inhalte lückenlos verfolgen und bestrafen!
  • Abschaffung von suchtfördernden Algorithme
  • Verbot von Onlinespielen, die Glücksspiel nachempfunden sind oder Gewaltverherrlichung ermöglichen
  • Make socialism great again!

 

Die kapitalistischen Medienkonzerne sind zu richtigen Multiplikatoren für faschistische, rassistische, sexistischer und religiös-fundamentalistische Inhalte geworden. Im Sozialismus wird Umgang mit den Social Media auch bei Jugendlichen anders gestaltet werden können, auch weil faschistischem Gedankengut systematisch der Boden entzogen wird.

Die Nutzung von dezentralen Netzwerken wie Mastodon oder Pleroma oder PeerTube sind für Kommunikation und Informationssuche teils gute Alternativen. Diese Dienste betreiben keinen Registrierungszwang.