Briefwechsel

Briefwechsel

Vierschanzentournee: Hinweise auf Betrug

Am 6. Januar wurde auf Rote Fahne ein Artikel zur Vierschanzentournee im Skispringen, "Millimeter entscheiden – aber anders als man denkt" veröffentlicht. Wir dokumentieren einen kritischen Leserbrief dazu und die Antwort des Autors (beides gekürzt).

Vierschanzentournee: Hinweise auf Betrug
Blick von der Sprungschanze im österreichischen Bischofshofen (foto: Ewald Ehtreiber (CC BY-SA 4.0))

Aus dem Leserbrief

Ich bin erstaunt über den folgenden Abschnitt: "Doch das eigentlich Beschämende an dieser Angelegenheit ist das oberpeinliche Drumherumgerede des deutschen Skiverbandes, mit loyaler Unterstützung der Medien, über die Ursachen des plötzlichen Leistungsabfalles der deutschen Skispringer Karl Geiger und Andreas Wellinger. Seit den verschärften Skianzugregeln schafften sie es zum Teil nicht mal in die Qualifikation. Für jeden, der eins und eins zusammenzählen kann, hatten ihre bisherigen guten Weiten mehr als offensichtlich mit der besonderen Kreativität ihres Anzugschneiders zu tun."


Hat der Autor dafür irgendwelche konkreten Belege? Dann müssen die auf den Tisch. Oder ist das nur die Mutmaßung, dass es doch "offensichtlich" so sein muss, weil nur mit Betrug Spitzenleistungen zu erzielen sind? Ehrlich gesagt halte ich das für reine Spekulation, die auch den jungen Sportlern nicht gerecht wird.

 

In vielen Fällen steigen Sportler auf dem Höhepunkt ihrer Leistung aus (oder kurz danach). Andere erholen sich nach einer Phase mit geringeren Leistungen. ... Andere halten auch länger durch. Dass neue Kräfte in der Spitzengruppe "besser damit zurechtkommen" liegt einfach daran, dass sie noch nicht ausgebrannt sind. ...

Aus der Antwort des Autors

Du hast auf jeden Fall in dem Punkt recht, dass ich die Vermutung wegen der Anzüge noch mit entsprechenden Hinweisen einschließlich Quellenangaben hätte besser unterlegen müssen. Das Netz ist voll davon.

 

So berichtete vor wenigen Tagen das Online-Portal des Bayerischen Rundfunks BR24: "Seit diesem Winter müssen die Anzüge noch enger geschnitten sein, sodass die Athleten weniger Tragfläche haben. Eine Neuerung mit großen Auswirkungen auf das Flugsystem, wie der ARD-Skisprung-Experte Sven Hannawald erklärt: 'Dadurch, dass die Fläche weg ist, müssen sie (Geiger und Wellinger, Anm. d. Red.) alles andere, was sie bisher so gewohnt waren, mit breiten Füßen und den Anzug spannen, umstellen. Das funktioniert so nicht mehr. Wenn sie es jetzt machen würden mit dem engeren Anzug, würden sie merken, dass sie gefühlt durch die Ski durchfallen und stürzen', sagte der 51-Jährige."

 

Ich habe mich extra vorsichtig ausgedrückt und keinen offensichtlichen Betrug unterstellt, sondern die sehr kreative Auslegung bestehender Regeln für den Skianzug. Das eigentlich Abstoßende ist doch die Unehrlichkeit und Ehrenkäsigkeit der Betroffenen und der Funktionäre des Skiverbandes. Warum sagen sie nicht einfach offen und ehrlich, dass Geiger und Wellinger mit den engeren Anzügen nicht zurechtkommen und quasi den Sprung völlig neu lernen müssen? Das hat auch tatsächlich, wie du angesprochen hast, was mit ihrem Alter zu tun. Denn mit zunehmendem Alter wird es immer schwieriger, sich eine komplett neue Sprungtechnik anzueignen.


Stattdessen zogen sie es vor, um ein negatives Gerede im Zusammenhang mit Manipulationsvorwürfen bei Skianzügen während der Vierschanzentournee zu vermeiden, sich darüber auszuschweigen und drumherumzureden. Dass sie mit diesem Vorgehen Kenner der Skisprungszene nicht täuschen können, wissen sie ganz genau. Es geht in erster Linie um eine schön gefärbte Berichterstattung für die Millionen von Zuschauern.