Weil der „antikommunistische Konsens erodiert“
Neue Sumpfblüten des reaktionären Antikommunismus
Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Blüten des offen reaktionären bis faschistischen Antikommunismus durch die Medien geistern. Wenn eine kritische Poetin in Minneapolis von ICE-Beamten mit drei Schüssen liquidiert wird – dann ist das für die Heimatschutzministerin Noem Notwehr gegen einen linken „Akt des inländischen Terrorismus“.
Der faschistische US-Präsident Donald Trump hatte sogar Anfang November eine „Woche des Antikommunismus“ ausgerufen. Die Rheinische Post brachte es am 30. Dezember 2025 fertig, vor den Statuen für Lenin insbesondere in Gelsenkirchen zu warnen unter dem hetzerischen Titel „Lenin – der andere Massenmörder“. Als Kronzeuge führt der Artikel den ultrareaktionären Historiker Jörg Barbarowski an, der von einem „Inferno paranoider Gewalt im Sozialismus“ fantasiert, das nur deshalb „verblasst“, weil der Hitlerfaschismus „weniger Erlösungslügen“ parat gehabt hätte.
Belege oder auch nur Indizien für diese üble Geschichtsklitterung? Null! Wenn es um den Kampf gegen den Kommunismus geht, ist reaktionärer Presse und Geschichtsschreibung keine Böswilligkeit zu niedrig, keine Lüge zu weitgehend. Dazu heißt es in einem nicht veröffentlichten Leserbrief an die Rheinische Post: „Lenin kämpfte für die Vision einer von kapitalistischer Ausbeutung und Unterdrückung befreiten sozialistischen Gesellschaft. ... Immerhin haben wir maßgeblich ihm das Ende des Ersten Weltkriegs zu verdanken. Und zum Dank dafür wurde das junge Sowjetrussland direkt nach der Revolution von 14 kapitalistischen Ländern überfallen, die einen echten Massenmord begangen haben. ... Lenin mit den Faschisten Goebbels und Hitler – zwei notorischen Antikommunisten – auf eine Stufe zu stellen, da gehört schon viel Verblendung dazu.“
Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Antikommunismus
Stefan Engel
220 Seiten | ab 12,99 €
Stefan Engel kritisierte im Buch „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Antikommunismus“: Der Sozialismus/Kommunismus trat und tritt in „Wort und Tat für die Beseitigung von Ausbeutung und Unterdrückung ein ..., für die höchste Form der Demokratie für die breiten Massen, für internationale Verbundenheit und Solidarität“. Dagegen „stehen die Faschisten für blutige Unterdrückung, barbarischen Massenmord und Rassismus. Während die Kommunisten für den Weltfrieden kämpften und niemals einen Krieg begannen, stehen die Faschisten für imperialistische Kriege bis zum bitteren Ende. Wie tief ist jemand moralisch gesunken, wenn er diese beiden einander unversöhnlich gegenüberstehenden Systeme auf eine Stufe stellen kann?“ (S. 114)
Überhaupt häufen sich momentan Artikel über Lenin, die extrem antikommunistisch sind. Sie gehen damit einher, den Hitlerfaschismus und seine Gräuel zu relativieren und einen linken Zeitgeist zu beklagen, der nicht aggressiv antikommunistisch genug ist. Das ist eine Reaktion auf die Krise des Antikommunismus und seiner zurückgehenden Wirkung unter den Massen. Diese suchen verstärkt nach einer Alternative zum krisengeschüttelten Kapitalismus. Lenin steht für diese Alternative - den Sozialismus, für den sich mehr Menschen öffnen.
Der sogenannte „Politikwissenschaftler“ Hendrik Hansen – der nicht zufällig an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung lehrt – klagt: „Die Sicherheitsbehörden unterschätzen den Linksextremismus (1) definitiv nicht. … Bei der breiten Öffentlichkeit ist das anders. Der antiextremistische Konsens erodiert leider immer mehr in unserer Gesellschaft. In der Wissenschaft lehnen manche mittlerweile schon den Begriff Extremismus im Bezug auf entsprechende linke Positionen ab.“ (FAZ 24.12.2025)
Die antikommunistische Geschichtsklitterung ist auch deshalb gefährlich, weil sie auch den Boden für die faschistische Gefahr ebnet. Verbunden ist das mit einer Attacke auf die Antifaschisten und den Begriff des Antifaschismus. Man wunderte sich ja schon vielleicht, wieso Trump ausgerechnet eine angebliche deutsche „Antifa-Ost“ als einen seiner Hauptgegner auserkoren hat. Hansen jammert im besagten Artikel: „Das Problem ist, dass Antifaschismus heute bis in die Mitte der Gesellschaft hinein als Synonym für den freiheitlich-demokratischen Kampf gegen Rechtsextremismus verstanden wird.“ (…) Der Begriff sei immerhin durch den „Komintern-Kongress“ (von 1936) geprägt und „ein Kampfbegriff gegen kapitalistische Ausbeuter-Systeme. Die Kernthese lautet: Der Kapitalismus ist die Grundlage für den Faschismus …“
Der werte Herr hat natürlich kein einziges Argument dazu parat, dass die Wurzel des Faschismus nicht im Imperialismus läge. Die internationale faschistische Gefahr zeigt ja, dass es eine gemeinsame Wurzel gibt in der Renaissance des offenen Nationalismus und dem Aufkommen des modernen Faschismus als Ausdruck der Krise des Imperialismus.
Das unterstreicht, dass der Kampf gegen den Antikommunismus nicht nur ein Anliegen der Revolutionäre der Welt ist, sondern aller Demokraten und Antifaschisten. Es ist an der Zeit, die Bewegung "Gib Antikommunismus keine Chance!" erheblich zu beleben.
Hier kann man sie unterstützen: www.gibantikommunismuskeinechance.de