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GDL und Deutsche Bahn AG: „Tarifrunde – diesmal ohne Streiks?“

Am 8. Januar 2026 startete in Berlin die erste Tarifverhandlung zwischen der Gewerkschaft deutscher Lokführer (GDL) und der Deutschen Bahn AG.

Von wb

Ein normaler Vorgang, wären da nicht die früheren erbitterten und erfolgreichen Streiks unter Führung von GDL-Chef Claus Weselsky. Sie legten den Zugverkehr lahm (heute tut's der Schnee) und stecken bis heute dem DB-Vorstand in den Knochen. „Tarifrunde - diesmal ohne Streiks?“ (1) - diese Schlagzeile der Tagesschau drückt deshalb die Hoffnung des Bahnvorstands aus.

 

Die GDL fordert für die Tarifrunde 2026 insgesamt acht Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Im Einzelnen eine Einmalzahlung von 1000 Euro, 3,8 Prozent mehr Lohn, eine Erhöhung der Zulagen um acht Prozent, die Einführung einer weiteren Lohngruppe, höhere Vergütungen für Ausbilder und Prüfer sowie eine Fahrtkostenentschädigung und die Erhöhung des Mietkostenzuschusses.

 

„'Die vergangenen Jahre waren geprägt von Inflation, explodierenden Lebenshaltungskosten und einem realen Kaufkraftverlust', betonte der neue GDL-Chef Mario Reiß. Reallohnzuwächse bei früheren Tarifabschlüssen seien so vollständig aufgezehrt worden. Gleichzeitig wachse die Verantwortung der Beschäftigten stetig. Die Bahn soll mehr leisten für Mobilität, Klima und Versorgungssicherheit.“ (2)

 

In den bürgerlichen Medien wird hervorgehoben, dass Reiß einen umgänglicheren Stil pflege. Auch wird die Hoffnung genährt, dass die neue Bahn-Chefin Evelyn Palla ebenfalls mehr Entgegenkommen zeige. Diese appelliert an die GDL-Führung, dass sie eine "gemeinsame Verantwortung (trügen), die Krise zu meistern und den Neustart zum Erfolg zu bringen". (1) Doch es sind nicht die Lokführer, die die Krise der Bahn zu verantworten haben. Weselsky hat immer wieder angeprangert, dass das Schienennetz heruntergewirtschaftet wird u.a.m.. Das bestätigt sich doch wahrhaftig jeden Tag. Claus Weselsky war ein aktiver, verlässlicher und kämpferischer Gewerkschaftsführer, wie es ihn nicht häufig gibt.

 

Wenn die Kapitalisten und Manager mit einem "umgänglichen Stil" daherkommen, meinen sie, dass die „lieben Mitarbeiter“ zur Überwindung der Krise mit Verzicht auf eigene Forderungen beitragen sollen und der Konzern der Belegschaft das Blaue vom Himmel herunter verspricht. Deshalb ist die GDL und sind ihre Mitglieder gut beraten, sich von diesem Schmusekurs nicht beeindrucken und vom Kampf um ihre mehr als berechtigten Forderungen abhalten zu lassen. Der nächste Verhandlungstermin findet am 22. Januar statt. Die Friedenspflicht endet Ende Februar – was aber nicht heißt, dass die Lokführer solange nur warten müssten.