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Der 35. Afrika-Cup im Spannungsfeld von exzellentem Fußball, Machtgehabe und knallharten Profitinteressen

Heute, um 17 Uhr, beginnen die Achtelfinalspiele des 35. Afrika-Cups in Marokko. Er ist das bedeutendste Ereignis im afrikanischen Profifußball. Noch bis zum 18. Januar kämpfen 24 Teams um seine Krone.

Von hk
Der 35. Afrika-Cup im Spannungsfeld von exzellentem Fußball, Machtgehabe und knallharten Profitinteressen
Gut gefüllte Fanzone in Rabat (foto: RACHID BAYA (CC BY-SA 4.0))

Fußball in Afrika hat durch die Internationalisierung im Sport inzwischen Anschluss an die führenden Teams im Weltfußball gefunden. Gastgeber Marokko stand immerhin im Halbfinale der Weltmeisterschaft von 2022, erkämpfte sich gegen Ägypten Bronze bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 und ist zusammen mit Portugal und Spanien Mitveranstalter der übernächsten WM 2030. Die „Atlaslöwen“ sind also besonders heiß auf den Titel. 


Aber auch die Elfenbeinküste als Titelverteidiger und Ägypten mit sechs gewonnenen Titeln als Rekordsieger gehören zu den Top- Favoriten. Und Algerien, Nigeria, Senegal, Tunesien, Mali, Kamerun, Mali und Südafrika sollte man ebenfalls auf dem Zettel haben. Der Afrika-Cup ist nicht umsonst bekannt für seine Überraschungen.

 

Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bildet der Afrika‑Cup bisher allerdings nur eine Randerscheinung, obwohl er alles bietet, was den Fußball ausmacht. Wer als Fan von exzellentem Fußball dabei sein will, ist weitgehend auf bezahlbare Streamingdienste angewiesen. 


Das hat nichts mit dem fußballerischen Niveau zu tun, wie die jetzt abgeschlossene Vorrunde wohl schon hinreichend bewiesen hat, mit vielen spektakulären Höhepunkten. Gänsehaut pur gab es zum Beispiel, als in der 74. Minute des Auftaktspiels gegen die Komoren Marokkos Mittelstürmer Ayoub El Kaabi im Strafraum per Fallrückzieher den Ball ins linke Eck jagte und 70.000 im Stadion von Rabat vor Freude tobten.


Doch längst ist auch der Afrika-Cup den Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus unterworfen, die den Fußball weltweit inzwischen dominieren. Bei der ersten Austragung 1957 stand er noch symbolisch für die sportliche Unabhängigkeit eines ganzen Kontinents.

 

Inzwischen gibt die FIFA den Ton an. FIFA-Präsident Infantino, der sich gern als väterlicher Freund des afrikanischen Kontinents inszeniert, kam den europäischen Klubs entgegen und zog das Turnier weiter nach vorn. Er verschob am 3. Dezember 2025 überhaupt nicht regelkonform den Abstellungszeitraum für Spieler von europäischen Spitzenklubs kurzerhand vom 8. auf den 15. Dezember, damit diese nicht allzu lange auf ihre afrikanischen Spitzenspieler verzichten müssen. Bereits 2018 waren 8 Prozent der Spieler in den europäischen Profiklubs Afrikaner, und die Zahl ist seitdem noch gestiegen.

 

Was schert die FIFA-Oberen denn auch eigene Regeln oder die Interessen von Spielern und Trainern mit bereits gebuchten Unterkünften, Reisen und geplanten Testspielen, wenn der Mammon winkt? Der senegalesische Trainer des Ligue-1-Klubs Stade Rennes, Habib Beye, brachte die berechtigte Kritik daran nüchtern auf den Punkt: „Mit dem Afrika-Cup kann man machen, was man will.“


Und wie zum Beweis verkündete der Präsident des afrikanischen Fußballverbands CAF, der Milliardär Motsepe aus Südafrika, nur einen Tag vor dem Turnierstart eine weitere weitreichende Änderung: Ab 2028 soll das Turnier nur noch alle vier Jahre stattfinden, was vor allem auf Kosten kleinerer Fußballnationen aus ärmeren Regionen Afrikas gehen dürfte.


Für die eigentlichen Herrscher Marokkos, die marktbeherrschenden Konzerne unter Führung des Königs Mohammed VI., ist die Ausrichtung des Afrika-Cups ein Probelauf für die WM 2030. Sie erhoffen sich die Möglichkeit, sich über dieses sportliche Großereignis nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent, sondern auch international stärker zu positionieren. Für die Fans allerdings droht damit etwas von der früheren, wunderbaren Unberechenbarkeit des Turniers verloren zu gehen. Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Die Proteste der Jugendbewegung GenZ im Vorfeld des Afrika-Cups verdeutlichen die wachsende Kritik in der marokkanischen Bevölkerung an der Förderung von Investitionen für die WM 2030 auf Kosten von Gesundheit, Bildung und Beschäftigung.