Rote Hilfe

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Demonstration „Oury Jalloh – das war Mord“: Aufklärung und Gerechtigkeit nach tödlichen Polizeieinsätzen!

Anlässlich des Jahrestags des Todes von Oury Jalloh am 7. Januar schreibt der Bundesvorstand der Roten Hilfe:

Demonstration „Oury Jalloh – das war Mord“: Aufklärung und Gerechtigkeit nach tödlichen Polizeieinsätzen!
Oury Jallohs Freund Mouctar Bahr zusammen mit Lisa Gärtner auf dem Rebellischen Musikfestival 2014, dessen Schirmherr er war (rf-foto)

Am 7. Januar 2026 jährt sich der brutale Tod von Oury Jalloh zum 21. Mal. Wie jedes Jahr findet an diesem Datum die Gedenkdemonstration „Oury Jalloh – das war Mord!“ statt, um endlich Aufklärung durchzusetzen.


Die steigende Zahl von tödlichen Polizeieinsätzen und ungeklärten Todesfällen im Gewahrsam macht das Thema umso drängender. Oury Jalloh wurde am 7. Januar 2005 in Dessau rechtswidrig in polizeilichen Gewahrsam genommen, körperlich misshandelt, in einer Zelle an Händen und Füßen auf einer brandsicheren Matratze fixiert und angezündet. Im Nachgang unterbanden Polizei und Justiz die Aufklärung systematisch und vertuschen die Umstände noch immer. Familie und Freund*innen von Oury Jalloh kämpfen bis heute dafür, die Ermittlungen wieder aufzunehmen und juristisch gegen die Täter*innen in Uniform vorzugehen.


Dank zahlloser Gegenermittlungen und selbstfinanzierter Gutachten liegen alle Beweise auf dem Tisch: Rassistische Polizeibeamt*innen aus Dessau haben Oury Jalloh getötet und mithilfe von Brandbeschleunigern verbrannt.


Oury Jalloh ist für Dessau kein Einzelfall: In derselben Zelle 5 desselben Reviers wurde bereits am 29. Oktober 2002 der wohnsitzlose Mario Bichtemann eingesperrt und überlebte die Nacht nicht. Bei der Kontrolle am nächsten Morgen war er tot – ursächlich war ein Schädelbasisbruch. Noch weit bekannter ist der Fall von Hans-Jürgen Rose, der am 7. Dezember 1997 von der Dessauer Polizei für mehrere Stunden festgenommen wurde. Wenige Stunden später wurde er mit zahllosen Verletzungen nur wenige Meter vom Revier entfernt aufgefunden und starb im Krankenhaus. Auch in diesen Fällen wurde die Aufklärung systematisch unterbunden, die Polizeiakten wurden nachweislich gefälscht und Ermittlungen gezielt in andere Richtungen gelenkt.

 

Insbesondere durch die Arbeit der "Initiative in Gedenken an Oury Jalloh" ist inzwischen auch hier offensichtlich, dass die Täter*innen im Revier zu suchen sind.


Nach fast demselben Muster wurde versucht, den Mord an der Studentin Li Yangjie zu vertuschen – Mutter und Stiefvater des Beschuldigten arbeiteten beide bei der ermittelnden Polizei in Dessau-Roßlau und mischten sich in die Ermittlungen ein.


Doch mörderische Polizeigewalt gibt es nicht nur in Dessau: In den letzten Jahren hat sich die Zahl der tödlichen Schüsse durch Beamt*innen rapide erhöht, deren Opfer meist Menschen in psychischen Ausnahmesituationen, mit Einschränkungen und Verhaltensauffälligkeiten oder von Rassismus Betroffene sind. Im Jahr 2025 zählte die Organisation CILIP – Bürgerrechte und Polizei 17 Fälle, im Vorjahr sogar 22 tödliche Schusswaffeneinsätze. 2023 waren es "nur" zehn polizeiliche Erschießungen gewesen. Weitere Tote gab es in Polizeigewahrsam – auch hier Tendenz steigend.


„Die zunehmende Militarisierung der Polizei und die oft tödlichen Schusswaffeneinsätze müssen beendet werden – ebenso wie die zahllosen brutalen und teils mörderischen Misshandlungen auf den Revieren, die aus diesen Fällen sprechen“, erklärte Hartmut Brückner vom Bundesvorstand der Roten Hilfe e. V. „Ob Oury Jalloh, Mario Bichtemann und Hans-Jürgen Rose in Dessau, ob Mouhamed Dramé in Dortmund oder Lorenz in Kassel – wir stehen an der Seite der Hinterbliebenen und setzen uns mit ihnen für rückhaltlose Aufklärung ein. Die Demonstration am 7. Januar 2026 in Dessau setzt ein klares Zeichen: Schluss mit der tödlichen Polizeigewalt!“