Monopolkampagne
Arbeiter sollen verzichten - verhindert das eine massive Arbeitsplatzvernichtung?
NRW-Metallverbands-Chef Arndt G. Kirchhoff forderte jüngst einen „wirtschafts- und sozialpolitischen Befreiungsschlag“ (1). Ansonsten, so der Tenor von Konzernchefs und bürgerlichen Ökonomen drohe die Vernichtung Zehntausender industrieller Arbeitsplätze.
26,8 Prozent am Bruttosozialprodukt macht in Deutschland die industrielle Produktion aus. Das ist die höchste Industriequote unter den imperialistischen Ländern (2). Seit den 1990er Jahren wurde Verlagerung der Produktion in andere Länder zu einem Konkurrenzvorteil für die deutschen Monopole. Denn der maßgebliche Einfluss auf die Weltmarktpreise und Weltproduktion wurde Voraussetzung, um Maximalprofit zu erzielen und auf dem Weltmarkt zu überleben. So hat z.B. VW 39 Werke in China, gegenüber 10 in Deutschland.
„Arbeitskosten“: Schuld an der Arsabeitsplatzvernichtung?
Unisono sind für die Konzernchefs und Bundeskanzler Friedrich Merz die angeblich zu hohen Arbeitskosten wesentlich mit schuld an der Vernichtung zehntausender Arbeitsplätze. (3) Damit lenken sie bewusst von den tatsächlichen Ursachen ab, die alle ihre Wurzeln in der kapitalistischen Produktionsweise haben.
Nach wie vor hat die deutsche Industrie die Überproduktionskrise nicht überwunden. Die Industrieproduktion lag 2025 noch 14,3 Prozent unter dem Stand vor Ausbruch der Krise 2018. Ausländische Konkurrenten haben vor allem in der Autoindustrie, aber auch im Maschinenbau technologisch mit deutschen Konzernen gleichgezogen oder ihnen sogar den Rang abgelaufen. Der Umstieg auf die E-Mobilität und die Digitalisierung haben einen Umbau der kapitalistischen Produktion in bisher nicht gekanntem Maße zur Folge. Das Ausmaß der Arbeitsplatzvernichtung wird eine bisher nicht gekannte Dimension annehmen. Das wäre nur noch vergleichbar mit der Arbeitsplatzvernichtung im deutschen Steinkohlebergbau. Inzwischen stehen ganze Werke auf der Abschussliste bzw. auf der Kippe: Ford in Saarlouis und Köln, sieben Werke von Stellantis in Europa, darunter Eisenach und Rüsselsheim. Allein innerhalb eines Jahres gab es im dritten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorjahr fast 50 000 Arbeitsplätze in der Autoindustrie weniger. (4)
Einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge summiert sich die Arbeitsplatzvernichtung bis 2030 auf nahezu 100 000. „Dem massiven Stellenabbau steht nur eine geringe Zahl neuer Arbeitsplätze gegenüber. Die Forscher prognostizieren für den Zeitraum bis 2030 lediglich 5.600 neu geschaffene Stellen.“ (5) Diese Entwicklung hat auch negative Auswirkungen auf die Lebensverhältnisse ganzer Regionen. Das IW hat 36 Regionen ausgemacht, die besonders betroffen sind. „Salzgitter steht dabei im Fokus: Hier hängen 14 Prozent aller Arbeitsplätze am Verbrennungsmotor. Im Saarpfalz-Kreis sind es immerhin noch knapp neun Prozent.“ (6)
Wie soll sich die Arbeiterbewegung zu diesen Angriffen positionieren?
Das IG-Metall-Magazin von Januar titelt: „Jobabbau stoppen!“ Dafür den Kampf zu organisieren, das erwarten die Mitglieder und Vertrauensleute von ihrer Gewerkschaft. Auf der Delegiertenversammlung der zweitgrößten Ortsverwaltung Stuttgart am 13. Dezember sprachen sich viele Redner für richtige Streiks aus. Nur mit gewerkschaftlichen und selbständigen Streiks können die Arbeiterinnen, Arbeiter und Angestellten nicht nur die Angriffe abwehren, sondern auch in die Offensive im Kampf für ihre grundlegenden Interessen kommen. Ein Weg, den die Betriebsgruppen der MLPD aktiv unterstützen und fördern.
„Kein Kampf darf mehr alleine sein!“
Streiken schön und gut, aber geht das in einer Situation, in der die Geschäftsführungen mit der Produktionsverlagerung drohen? Müssen wir nicht froh sein, wenn wir durch Sozialpläne wenigstens die Arbeitsplatzvernichtung „sozial abfedern“ und so angeblich das Schlimmste verhindern können?
Zunächst einmal spielen die Löhne bei der Verlagerung ins Ausland keine entscheidende Rolle. Viel wichtiger sind den Unternehmern die Nähe zu Absatzmärkten und Rohstoffen, die staatlichen Subventionen, Höhe der Steuern und die bestehenden Arbeitsgesetze. Wenn ein Kapitalist mit der Verlagerung droht, hat er entweder bereits die Verlagerung geplant und schiebt die Verantwortung dafür den Beschäftigten in die Schuhe. Oder er hat gar nicht vor, zu verlagern, und nutzt die Drohung nur zur Erpressung. Darum gibt es keinen Grund, sich erpressen zu lassen!
Auf der 3. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz im indischen Pune im November 2025 wurde deutlich, wie die internationalen Automonopole versuchen, die Beschäftigten gegeneinander auszuspielen. Viel wichtiger aber war die Erkenntnis, welch überlegene Kraft die Millionen Automobilarbeiter sind, wenn sie lernen, ihre Spaltung zu überwinden, indem sie lernen, von ihren Klasseninteressen auszugehen. Dazu müssen sie vor allem mit den Einflüssen einer Denkweise fertig werden, die sie abhängig von den Interessen „ihres“ Landes, „ihres“ Unternehmen macht. Aber auch von einer Denkweise, die ihnen verbieten will, sich Gedanken über eine grundsätzliche gesellschaftlichen Alternative zu machen. Dazu beschlossen die Delegierten in Pune, ihre Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen, sich gegenseitig zu unterstützen und ihre Kämpfe über Ländergrenzen hinweg zu koordinieren. Diese internationale Arbeitereinheit ist heute angesichts der drohenden Weltkriegsgefahr, der weltweit drohenden faschistischen Gefahr und der begonnenen Umweltkatastrophe zu einer Frage des Überlebens der Menschheit geworden!
Deshalb ist es zu begrüßen, wenn jetzt in verschiedenen Regionen Veranstaltungen stattfinden über die Ergebnisse und Beschlüsse der 3. IAC. Die zu besuchen ist sicher lehrreich für alle Beschäftigten.