Neues Jahr 2026

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Zum neuen Jahr – von Erich Weinert 1925

Das Gedicht "365 Tage" von 1925 stammt von Erich Weinert. Es ist in vielem noch so aktuell wie vor 100 Jahren. In ihm klingt die Überzeugung und Hoffnung durch auf einen zukünftigen Neujahrstag in einer von Ausbeutung und Unterdrückung befreiten Welt.

Zum neuen Jahr – von Erich Weinert 1925
Erich Weinert, zweiter von links, 1946 (foto: Deutsche Fotothek‎ (CC BY-SA 3.0 de))

365 Morgen, die gleichen Sorgen.

365 Tage, die gleiche Plage.

365 Nächte, aus denen man nicht erwachen möchte.

Und nun kommt wieder die alte Frage: Noch einmal 365 Tage?

Ja, Genossen! Vielleicht noch dreimal, vielleicht noch zehnmal,

Aber Genossen, nicht verzagen, nicht verzagen.

In diesen 365 Tagen, brechen wir aus dem morschen Haus

Wieder einen Grundstein heraus.

Das bedeutet, Genossen: … 365 Tage, Deine Stimme erheben, daß keiner verzage. ...

Einmal kommt noch ein Neujahrstag,

Dann schlägt dein Herz einen freieren Schlag!

365 Morgen, nicht mehr für die Herrschenden Sorgen!

365 Tage, nicht mehr die schwere Zuchthausplage!

365 Nächte, im Glück der erkämpften Rechte!

Dann reichen wir der Welt die Hände dar.

Und über alle befreiten Länder funken die Sender:

GENOSSEN, EIN GLÜCKLICHES NEUES JAHR!