Pressemitteilung der Antifaschistischen Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh

Pressemitteilung der Antifaschistischen Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh

Heideruh. 100 Jahre. So stimmt es nicht ganz

Am 1. Januar wurde anlässlich des 100. Geburtsjahres von Heideruh (Niedersachsen) die neue Fahne gehisst. Bea Trampenau, Geschäftsführerin der Antifaschistischen Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh hielt folgende Rede:

Heideruh. 100 Jahre. So stimmt es nicht ganz
Die Fahne ist gehisst (foto: Antifaschistische Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh

Es stimmt, dass 1926 die kommunistische Widerstandsgruppe um Ernst Stender dieses Haus für antifaschistische Politik und Erholung kaufte und dass dieser Zweck außer zwischen 1936 und 1945 aufrechterhalten wurde. Aber es hieß nicht 100 Jahre Heideruh.

So wurde es genannt:

  • Chalet im Wald (1926–1936)
  • Kommunistisches Widerstandsnest (Stadtarchiv Buchholz) (1926–1936)
  • VVN-Kinderheim (zwischen 1945 und 1952)
  • Drei-Länder-Schule (FDJ) (zwischen 1945 und 1952)
  • Genossenschaft Erholungsheim Seppensen (1951–1958)
  • Wohn- und Ferienheim Heideruh e. V. (seit 1958)
    Antifaschistische Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh (seit 2010)

 

100 Jahre – das ist für mich als Antifaschistin ein Wahnsinnsjubiläum. Dieses Projekt wurde vor 100 Jahren von jungen Menschen gegründet, von denen fast alle zehn bis 20 Jahre später ermordet wurden. Ich habe bislang keinen Namen aus dem Jahr 1926 gefunden, der den Faschismus überlebt hätte, außer dem damals zehnjährigen Bruder von Ernst Stender.

 

Und trotzdem wurde Heideruh 1945 sofort wieder aufgebaut, von den Rotwinkler:innen, den Angehörigen, der britischen Armee und der FDJ. Dieses Projekt hat alles überstanden: Faschismus, Verbote von Organisationen in der Adenauerzeit, Antikommunismus, Angriffe gegen Menschen und Gruppen, die Heideruh geprägt haben, die Finanzkrisen der letzten 20 Jahre – und Heideruh existiert bis heute. Das ist etwas ganz Besonderes, und das wollen wir feiern. Nicht nur mit antifaschistischen Verbündeten, sondern auch sichtbar für die Stadtgesellschaft rund um Buchholz und sichtbar für uns selber.

 

Das traditionelle Fahnenhissen ist ein weltweites Symbol für Identität, Gemeinschaft, Stolz und Respekt, das je nach Kultur und Anlass variiert. In diesem Sinne hing schon seit zig Jahren eine Fahne in Heideruh. 100 Jahre sind ein Grund, die wohl bisher größte Fahne am Eingang von Heideruh wehen zu lassen. Es allen zu zeigen, die hierherkommen.

 

Gemeinsam mit Euch, liebe NachbarInnen, Mitglieder, Mitarbeitende und Gäste, wollen wir nun die Fahne hissen. Mit Glühwein und Tee anstoßen. Alle, die Heideruh noch Wünsche mit auf den Weg geben wollen, sind herzlich dazu eingeladen.“


Das Hissen der Fahne leitet das 100. Jubiläumsjahr ein: Ab 19 Uhr präsentieren wir täglich historische und aktuelle Ereignisse von Heideruh auf
www.100-Jahre-Heideruh.de.