"Gift für den Zusammenhalt"
Politikwissenschaftler Butterwegge über den Armutsbericht
Die Nordwest-Zeitung (NWZ) hat den Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge am 3. Dezember 2025 zum Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesreigerung interviewt. Rote Fahne News dokumentiert Auszüge aus dem Interview:
Am Mittwoch, 3. Dezember 2025, war der neue Armuts- und Reichtumsbericht im Kabinett. Teil des Gutachtergremiums ist der Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge. Hier erklärt er, warum der Bericht in seinen Augen Reichtum verschleiert und Armut verharmlost – und was die Ungleichheit für den Aufstieg der AfD bedeutet.
FRAGE: Was kritisieren Sie am neuen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung?
Christoph Butterwegge: Sein größter Mangel ist, dass er sich nicht als Problemaufriss, sondern als Erfolgsbilanz der Bundesregierung versteht. Diese lobt sich beispielsweise für ihr ‚entschlossenes Handeln‘ zur Abfederung der sozialen Folgen des Ukraine-Krieges und der Energiepreissteigerungen. Dass von den Entlastungsmaßnahmen wohlhabende, reiche und hyperreiche Haushalte mit Sauna und Swimmingpool sehr viel stärker profitiert haben als einkommensschwache Familien, wird verschwiegen. Die dadurch weiter verschärfte soziale Ungleichheit ist das Kardinalproblem unseres Landes. Sie ist Gift für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine Gefahr für die Demokratie. Ein wachsender Teil der Bevölkerung hat das Gefühl, dass es ungerecht zugeht. Hierauf führe ich nicht zuletzt die Erfolge der AfD zurück.
FRAGE: Was fehlt Ihnen in dem Bericht?
Butterwegge: Er beschreibt die Armut nur, blendet großen Reichtum völlig aus und verzichtet auf eine Analyse. Mit keinem Wort geht der Bericht auf die Ursachen der sozialen Ungleichheit ein, wie es der Bundestag verlangt hat. Armut hat aber genauso wie Reichtum etwas mit den bestehenden Wirtschaftsstrukturen, Eigentumsverhältnissen und Verteilungsmechanismen zu tun. Das wird unterschlagen. ...