Stuttgarter Zeitung

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Ein mutmachender Rat an Arbeitslose und Jugendliche: „Weiter lernen, bewerben, hoffen“

Es gibt sie noch, die Wirtschaftjournalistinnen und Journalisten, wie Ursula Weidenfeld von der Stuttgarter Zeitung, die in diesen Zeiten pragmatischen Optimismus verbreiten. (1)

Von wb
Ein mutmachender Rat an Arbeitslose und Jugendliche: „Weiter lernen, bewerben, hoffen“
Foto: shutterstock_2409971743

Denn die Frau wusste nur zu gut, dass die Feststellung von Andrea Nahles, Chefin der Bundesagentur für Arbeit, wie ein Offenbarungseid wirkte, als sie kürzlich sagte: „Die Chancen für Arbeitslose, einen Job zu finden, sind so schlecht wie nie zuvor.“ (2)

 

Frau Weidenfeld wendet sich deshalb an die Jugend und an von Entlassung bedrohten Ältere: „Statt zu verzweifeln“ (sei) es clever, vorzusorgen und Erfahrungen zu sammeln.“ Was diese konkret tun sollen? „Die 120. Bewerbung zu verschicken, ist zermürbend, aber immer richtig.“ Ja, da sammelt sich einiges an Papier oder verschickten E-Mails an.

 

Tipp 2: „Auf einer Stelle unterhalb des erreichten Abschlusses oder entfernt vom Wunschort anzufangen, bringt immerhin Berufserfahrung!“ Und wenn auch das nicht klappt, kann man es ja mal mit einer Doktorarbeit versuchen, „wo man (sich) einmal im Leben tiefgehend und originell mit einer Aufgabe auseinandersetzt.“ Also bitterschwarzen Humor hat die Frau bei ihren Zeitungskolumnen – das muss man ihr lassen!

 

Weniger kreativ, eher todsicher ihr nächster Tipp, insbesondere an arbeitssuchende Jugendliche. Warum nicht die Zeit, wo es kaum Stellenangebote in der Wirtschaft gibt, mit „elf oder mehr als zwölf Monate bei der Bundeswehr“ überbrücken. Und das Schönste ist, dass „Arbeitgeber diese Fähigkeit honorieren, sich außerhalb der eigenen Komfortzone einordnen zu können, Disziplin zu üben - und im Notfall das Land zu verteidigen.“ Jawoll!

 

Und wer das gar nicht einsehen will, zur Bundeswehr zu gehen und mit seinem Leben das Land und die Interessen des Kapitals in fremden Ländern zu verteidigen, dem droht Frau Weidenfeld schon mal vorbeugend: „Denn nach dem Ende der Krise werden die Arbeitgeber fragen, wie klug die Kandidatinnen und Kandidaten mit ihrer Zeit umgegangen sind. Sie werden wissen wollen, ob und was sie zum Erhalt und Ausbau ihrer Fähigkeiten investiert haben, wie flexibel sie mit ihrer Herausforderung umgegangen sind.“

 

Schließlich sind die arbeitslos gemachten Opfer des Kapitalismus in der Bringschuld. Sie haben nachzuweisen, wieviel Bewerbungen sie geschrieben, wie sie sich auf eigene Kosten weiterqualifiziert und dass sie sich „stets bemüht“ haben, um sich aus ihrer Lage selbst herauszustrampeln.

 

Die Rote-Fahne-News-Redaktion rät natürlich nicht davon ab, Bewerbungen zu schreiben. Aber vor allem rät sie Arbeitern wie Arbeitslosen und Arbeitssuchenden: Lernt für den gemeinsamen Kampf, lasst euch nicht spalten! Lernt für eine Zukunft im echten Sozialismus, wo solche Kommentatoren mit harter Arbeit sich selbst „außerhalb der eigenen Komfortzone“ bewegen werden!