VW - Baunatal
Heute Morgen mit dem Vorwärtsgang vorm Tor
5.25 Uhr: Wir stehen bei VW Baunatal (Kassel) und verteilen den "Vorwärtsgang"-Extra. Die Zeitung von und für Kolleginnen und Kollegen in den deutschen VW-, Audi-, Porsche- und MAN-Werken. Auf unsere Ansprache "Jetzt reichts, Mitbestimmung durch Streik!" stimmen alle Kolleginnen und Kollegen, die den Vorwärtsgang nehmen, zu. Unsicherheit besteht weiterhin, wer und wie das organisiert werden soll.
5.40 Uhr: Zwei Werkschützer kommen im großen Auto, fordern uns auf zu gehen. Wir bleiben, sie bauen sich dicht neben uns auf und wollen uns und die Kollegen einschüchtern. Doch das klappt nicht. Die Mehrzahl nimmt weiterhin den Vorwärtsgang.
Jetzt versuchen sie es mit Provokationen: "Was kriegt ihr dafür, dass ihr so früh aufsteht ..." oder "wer bezahlt euch ...", usw. Unsere Antwort, dass wir das ehrenamtlich machen, und die Kolleginnen und Kollegen, die den Vorwärtsgang schreiben und nicht selber verteilen können, aktiv unterstützen, weil es richtig ist, scheint sie kurz zum Nachdenken zu bringen.
Nachdem wir sie auf ihr Klassenbewusstsein und dass sie doch auch Arbeiter sind, angesprochen haben und einer erzählt, dass er in vierten Generation bei VW arbeitet, fahren sie um 5.55 Uhr weg. Allerdings nicht, ohne uns mit der Polizei zu drohen.
6.25 Uhr: Wir haben fast alles verteilt, die Polizei kommt. Verlangt sofort unsere Personalausweise und sagt, dass wir hier nicht stehen dürften. Den Hinweis von uns, dass dies ein Parkplatz ist, der öffentlich zugänglich und nicht eingezäumt ist, beantworten sie barsch, ob wir sie belehren wollten. Sie teilen uns mit, dass sie eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch gegen uns auf den Weg bringen werden. Danach erteilen sie uns Platzverbot für 24 Stunden.
Unsere Antwort ist die Verstärkung des Kampfes für demokratische Rechte und für ein vollständiges und allseitiges gesetzliches Streikrecht.